Blick III nach unten (Nº 114 #oneaday)

Unter “meinem” Fenster – Höhenangst

Noch eine Fortsetzung zu Blick und Blick II.

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Wie paßt das eigentlich zusammen? Höhenangst und Wohnen im 9. Stock? Nun, es war die damals am schnellsten verfügbare Wohnung … Ich hatte nicht wirklich eine Wahl.

Laut dem verlinkten Wikipediaeintrag gilt ja: «Um die Angst auszulösen, ist nicht zwingend eine große Höhe notwendig, wenige Meter reichen oft aus. In tiefenpsychologischen Konzepten wird Höhenangst mit der Angst vor dem “Sich-Fallenlassen” verbunden. Es gibt Menschen, bei denen die Akrophobie nur im Freien auftritt; wenn sie etwa hinter einer Glasscheibe stehen, kommt es zu keiner Angstreaktion.»

Ich brauche manchmal nur einen Meter bis zu körperlichen Reaktionen. Es reicht sogar das Wissen um die Höhe, mich ereilt das auch in geschlossenen Räumen, wenn ich die Höhe garnicht wahrnehmen kann. Schwindelgefühl, das Gefühl einer “Schlagseite”, Schweißausbrüche, flauer Magen, weiche Knie.

Selbst im Auto oder in der Bahn ereilt es mich. Und manchmal muß ich auch hier in der Stadt große Umwege gehen, weil ich mal wieder nicht über eine Brücke komme. An anderen Tagen macht mir die Höhe nichts aus, da schau ich auch vom 18. Stock aus dem Fenster nach unten, auch auf Dachfirsten bin ich schon herumgestiegen.

Als ich im Februar und März 1995 in Koblenz war, lief ich vom Rhein den zeimlich steilen Berg hinauf zur Feste Ehrenbreitstein. Um dahinzukommen, ging ich auch über die Pfaffendorfer Brücke (direkt auf dem Bordstein). Und dann stand ich oben – sozusagen am Hintereingang, und verzweifelte vor einer Gitterrostüberquerung des Grabens. Fast eine Stunde versuchte ich immer wieder hinanzutreten oder gar drüberzugehen. Dann kehrte ich um, lief den steilen Weg hinunter, wieder über die Pfaffendorfer Brücke zurück in die Stadt.

Die große Brücke schaffte ich zweimal, das schmale Gitterrost war unüberwindlich.

Und heutzutage? Ich kann ich hier im neunten Stock aus dem Fenster sehen. Aber nicht direkt nach unten, jedenfalls nicht immer. Das Schwierigste ist das Fensterputzen … Doch: Ein Bild hab ich für euch gemacht.

Blick nach unten
Selten zu genießen: Der Blick hinab

Sogar beim Betrachten des Bildes muß ich mich immer wieder daran erinnern, daß es nur ein Bild ist.

Wohl dem, der frei von solchen Ängsten leben kann.

Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.

© 2011 – Der Emil CC by-nc-nd der_emil(at)arcor(dot)de

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Über Der Emil

Not normal. Interested in nearly everything. Wearing black. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler.
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0 Kommentare zu Blick III nach unten (Nº 114 #oneaday)

  1. puzzle sagt:

    das tiefenpsychologische Konzept mag hier und da greifen – aber genausogut könnte es schlicht physiologisch begründet sein, denke ichm vergleichbar mit den Irritationen, wie Legastheniker sie beim Lesen erfahren müssern, wenn das Gehirn versucht, mit Dimensionen zu „arbeiten“ die unnatürlicherweise auf dem bedruckten Papier nicht vorhanden sind, kann das Schwindelgefühle hervorrufen – vielleicht ist manchmal auch bei der Wahrnehmung von Höhen ein Orientierungsproblem Auslöser des körperlich spürbaren Konflikts? vermutlich wird das kaum erfassbar sein, aber das fiel mir gerade spontan dazu ein, als du vom Sich-Fallenlassen schriebst: ich fühle mich auf Gitterrosttreppen und -passagen sehr unwohl, aber kann von Sprungtürmen ins Wasser springen, wenn es ein künstliches Becken mit ebenem Boden ist, bei einem natürlichen, noch so klaren Gewässer täte ich es nicht, wenn es nicht gerader, schlichter Sandboden wäre.

  2. fudelchen sagt:

    Bohh, das ist wahrlich hoch und etwas schwummerantig würde mir da auch werden.
    Meine Angst bezieht sich auf große Plätze und große Menschenansammlungen, wogegen ich im beengten Fahrstuhl keine Probleme habe.

    Frohe Ostern wünsche ich dir ♥

  3. Himmelhoch sagt:

    Ich hatte – als ich noch im 16. Stock gewohnt habe – ähnliche Probleme. Als erstes musste mein Mann die Schlitze am Balkon, durch die man nach unten sehen konnte, mit Brettern abdecken, sonst wäre ich nicht hochgegangen. – Meine Kinder konnten ein Lied von meiner Höhenangst singen, keine Seilbahn bin ich gefahren, keine durchsichtige Turmtreppe gegangen.
    Jetzt ist es einigermaßen normal.

  4. bilderbuch sagt:

    Na da bist Du ja nicht zu beneiden … ich bin meist voll höhentauglich, merke aber, dass das im Alter nachlässt. Zur Gesellenprüfung (1976) musste ich auf den Rüstungen an den Magdeburger Domtürmen rumkraxeln. Die Türme haben mich vorher von unten schon imponiert, da wusste ich noch nicht, dass ich je da oben stehen würde. Wenn ich heut auf Rüstungen klettern muss, stört mich eher mein Gewicht.
    Schöne Ostern
    Bilderbuch

  5. Ilona Form sagt:

    Moin Emil,ich kann da nicht mitsprechen.Habe aber vor langer Zeit ein Erlebnis gehabt. In der Essener Innenstadt (Kaufhaus) sassen wir 5 Leute über 6 Stunden im Fahrstuhl fest. Im 7. Stockwerk. Ich hab mich auf den Boden gesetzt und gewartet.
    Ein älterer Mann, für mich damals, hatte Schweissausbrüche, fing an zu zittern, war sogar kurz vorm weinen. Ich hab mich neben ihn gesetzt,ihn auf den Boden geholt und in die Arme genommen. Hab ihm was vorgesummt, was erzählt. Und die Zeit wurde laaaaang. Als wir raus waren drückte er mich und das war so schön…..
    Schönen Tag noch lieber Emil……..Illo.*******

  6. Irmi sagt:

    Lieber Emil,
    das ist wirklich ganz schön mutig. Ich denke, dass diese Höhenangst nur der wirklich versteht, der selbst darunter leidet.
    Auch Dein Aufstieg zur Feste Ehrenbreitstein fordert meinen vollsten Respekt.
    Wie Du siehst, habe ich meine Schreibblockade überwunden und bin wieder da.
    Liebe Osterabendgrüße schickt Dir
    Irmi

  7. TimeBandits hat auch Höhenangst und immer dabei das zu überwinden. Bin sogar schon geflogen, ganze 3x … aber da war ich viel jünger, jetzt würde ich nicht mehr fliegen, irgendwie ist die Angst mit zunehmenden Alter schlimmer geworden.
    Über Brücken zu gehen ist auch mit Schweißperlen verbunden, ich kann auch nicht mit einem Boot fahren, mir wird total schwindelig, also auch noch Seekrank. Wenn ich aus dem Fenster im 1.Stock schaue wird es mir schon komisch, im Kaufhaus übers Geländer schauen geht auch nicht… aber ich arbeite dran in kleinen Schritten 😉
    Andere können das kaum verstehen, wenn man Höhenangst hat, die sagen immer du musst dich überwinden, hach leicht gesagt wenn man diese Ängste nicht verspürt.

    Frohe Ostern*g* auch wenn du das nicht so magst … 🙂

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