221.2026: Tanzabend

Beim kleinen Ball der Emotionen, Gedanken und Gefühle.

 

 

In einer Ecke steht, für alle sichtbar, eine kleine Traurigkeit. Sie fühlt sich unwohl und würde gern größer sein oder sich ganz zurück­ziehen; dieses Herumwuseln und Umeinanderspringen der meisten anderen Anwesenden gefällt ihr überhaupt nicht. Nach einer Weile stellt sich eine Sehnsucht neben sie, die mindestens dreifach so groß ist wie sie. Und die sich genauso wenig wohlfühlt wie die kleine Traurigkeit. Das ungleiche Paar bewegt sich nicht, beide wollen nicht wie die anderen zu einer unhörbaren Musik wie wild herumkreisen.

Dann steht alles still. Die nicht gehörte Musik hat wohl aufgehört. Da ergreift die große Sehnsucht die Hand der kleinen Traurigkeit und zieht sie mit sich. Vorbei an einem erschöpften Mut, an der schwindsüchtig scheinenden Zuversicht. Auch die im Stehen einge­schla­fene Wut, die von einer starken Angst in den Armen gehalten wird, interessiert die beiden nicht. Zielstrebig geht die große Sehnsucht mit der kleinen Traurigkeit im Schlepptau auf die zarte Silhouette einer der vielen Hoffnungen zu. Die drei beginnen zu parlieren, drehen sich bald ohne Musik umeinander. Es ist deutlich zu sehen: Die Traurigkeit bleibt klein, die Sehnsucht groß, und die Hoffnung verliert das Durchscheinende, wird deutlich kräftiger.

Ich möchte zu gern wissen, was die drei gesprochen haben. Aber es gehört sich nicht, Gespräche zu belauschen, selbst wenn es nur die zwischen den eigenen Gefühlen sind. Und wer weiß schon, ob ich überhaupt etwas davon verstehen könnte …

 

 

Manchmal sehe ich, was in meinem Denkicht herumwuselt. Beziehungsweise: Ich gestalte ein Bild von dem, was vorgeht.

 

Heute weggegeben bzw. entsorgt:
Einen Beutel voller Bücher nahm ich mit zu einem Öffentlichen Bücherregal.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Zufrieden machten mich am 19.09.2026 ein paar Notizen, aussortierte Bücher, Beinehoch­legen (als mir danach war).


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Über Der Emil

Not normal. Interested in nearly everything. Wearing black. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler.
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2 Kommentare zu 221.2026: Tanzabend

  1. Ulli sagt:

    So schön geschrieben, ich sah sie alle vor mir.

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