Die Schwierigkeiten mit dem Einfachen: Endender Anfang.
Eigentlich sollte es doch einfach sein. Muß mich nur hinsetzen, Papier, Feder und Tinte hernehmen und dann drauflosschreiben. Worte habe ich genug im Kopf, und wenn ich einige oder auch viele davon notiere, gehen sie mir im Denkicht nicht verloren. Nein, nein: Es kann sogar heilsam sein, sich etwas „aus dem Kopf herauszuschreiben”. Den Effekt kennen, so denke ich, ziemlich viele Menschen, die des Schreibens mächtig sind.
Eigentlich sollte es einfach sein. Ist es aber nicht. Denn heute saß ich zum Beispiel über eine halbe Stunde vor den leeren Seiten und schrieb nicht einen einzigen Buchstaben nieder. Im Kopf sprang ich von einem Gedanken zum nächsten, drängte sich immer wieder ein nächstes Thema in den Vordergrund. Das ging so schnell, daß ich nichts davon aufschreiben konnte, ohne dabei ein ziemliches Chaos von durcheinandergewürfelten Sätzen zu verfertigen.
Und dann entstehen Anfänge, viele Anfänge, die nach mehr oder weniger kurzer Zeit enden, sich im Ungefähren auflösen, verlieren … In eine Geschichte später wieder einzusteigen, sie nach mehr als 20 Minuten weiterzuschreiben, das ist mir in der Regel nicht möglich. Hier zum Beispiel:
Da sitzt sie im Park auf der Bank. Wie immer allein. Und wie immer hofft sie darauf, daß sich jemand zu ihr setzt. Einfach ein anderer Mensch. Und dann würde sie es endlich wagen: Sie hat so viele Geschichten zu erzählen, so viel über Geschichte mitzuteilen, daß sie einfach losreden würde. Na gut, sicherheitshalber könnte sie ja fragen, ob jener andere Mensch ihr vielleicht ein wenig zuhören würde. Schön stellt sie sich das vor, wenn es geschehen würde, und erleichternd für sich selbst. Denn ihrer Meinung nach gibt es viel, viel zu wenige Menschen, die sich noch für das interessieren, was sie zu berichten weiß. Zum Beispiel vom Hunger und dem Schmerz, den er verursacht. Wer kennt denn noch das Geräusch, das ein Griffel auf der Schiefertafel erzeugt? All die Rezepte, nach denen in Notzeiten gekocht wurde, braucht doch heute niemand mehr. Zum einen gibt es die Zutaten kaum noch, und zum anderen hat sich der Geschmack seither wohl zu sehr verändert.
Der Himmel zieht sich zu. Es wird wohl Regen geben, also ist es Zeit heimzugehen, beschließt sie. Just in dem Moment setzt sich jemand zu ihr. „Wissen Sie,” sagt die Frau leise, „ich würde ihnen gern etwas erzählen. Ob Sie wohl ein paar Minuten zuhören könnten?”
Und da endet im Moment, was ich einmal mehr als unfertigen Anfang bezeichne. Kann sein, daß sich die Szene irgendwann fortsetzt. (Letztens war da ja auch die Dunkelheit, bei der ich noch immer hoffe, daß es weitergeht.) Hin und wieder stelle ich mir auch vor, jemand anderes nähme sich einen meiner Anfänge her und schriebe das Geschichtchen einfach weiter …
Heute weggegeben bzw. entsorgt:
Den wirklich nicht mehr nutzbaren Spittel und Kram aus einem Fach im Schrank warf ich heute in den Müll (alles andere stopfte ich zurück).
Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.
P.S.: Zufrieden machten mich am 17.09.2026 ein Anfang (siehe oben), erledigte Haushaltsdinge, eine Schüssel Salat.
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(Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).

