Heute aber wirklich nicht. Hmpf!
Natürlich gibt es das, dieses gnädige Vergessen. Und ich selbst kenne das auch von mir. Dinge zu vergessen, an die ich mich nicht erinnern möchte, zu vergessen und nicht nur zu verdrängen. Aber manchmal …
Zum Beispiel habe ich eine Lesebrille mit durchscheinend grünem Gestell. Die hab ich vor drei Wochen gereinigt. Und ich habe vergessen, wohin ich sie legte. Sie ist verschwunden. Genauso der kleine Karton, in dem ich eine Reihe von USB-Sticks und SD-Karten aufbewahrte. Der lag jahrelang direkt hinter mir im Schrank, in einem offenen Fach. Das sortierte ich letzthin durch – und seitdem ist die Schachtel verschwunden. Ich vergaß, wo ich sie hinlegte. Heute Nacht hatte ich zwei Träume. Vor kurzem erst nahm ich mir vor, die gleich wenigstens jeweils in Stichworten zu notieren. Heute Nacht aber waren beide so eindringlich, daß ich nach dem zweiten mich auch noch an den ersten erinnern konnte. Da dachte ich, daß das Erinnern bleiben würde bis zum Aufstehen. Doch Pustekuchen. Die Gefühle aus beiden Träumen kann ich noch ungefähr benennen, aber was ich da konkret träumte, habe ich vergessen. Und nichts, kein einziger Tip und keine Übung oder Methode hebt das Vergessen auf. Sapperlot! Das wurmt mich heute besonders. Hmpf.
Leider, leider vergesse ich auch immer wieder, was ich mir angewöhnen wollte/will, mir aufgab: Schreib viel mehr auf! Dabei habe ich fast immer und überall eine Kladde und einen Stift dabei, liegt auch zuhausegenügens Schreibzeug herum, um jederzeit etwas niederschreiben zu können. Aber tu ich das? Einkaufszettel, ja, Einkaufszettel schreibe ich (das sind aber auch die einzigen Listen, die ich schreibe); dann aber vergesse ich zumeist, sie mitzunehmen.
All das sind Dinge, die ich vergesse. Aber nichts davon ist gnädiges Vergessen.
Wenn allerdings meine Mutter etwas erzählt, das schon länger zurückliegt, dann bin ich oft ganz froh darüber, mich nicht mehr so genau oder gar überhaupt nicht mehr erinnern zu können. Da erlebe ich das, was gnädiges Vergessen genannt werden kann.
Und wenn ich manches nicht Lebenswichtige vergesse, dann bin ich gnädig mit mir und nenne mein Erinnerungsvermögen altersgemäß.
Erinnerung des Tages:
Im Herbst 1982 trat ich meinen Ehrendienst in der NVA an; der Marsch vom Kulturhaus zum Bahnhof bleibt unvergessen.
Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.
P.S.: Zufrieden machten mich am 16.09.2026 gute Nachrichten zum Kaffee am Morgen, die erledigten Einkäufe, für eine Freundin kopierte Daten.
© 2026 – Der Emil. Text unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
(Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).

