Nein, so wichtig und so weit muß dieser Brief nicht reisen.
Mein lieber Freund,
Du hast mich gestern beim Abschied gefragt, welche Pläne ich noch habe für mein Leben. Ich antwortete in diesem Moment – und ich hielt mich dabei für ehrlich – ziemlich vergnatzt: Keine. Eine Viertelstunde später bereute ich es, in diesem Ton und mit diesem Wort geantwortet zu haben. Verzeih mir bitte meine schroffe Reaktion.
Außerdem habe ich … Nun ja, Pläne sind es wirklich nicht. Aber Wünsche, nein: Träume hab ich noch. Viele Träume, die mit Sicherheit nicht alle wahrwerden können. Es gibt welche, die werde ich ganz sicher niemandem offenbaren, auch Dir nicht. Wir wissen beide, daß der Mensch Geheimnisse behalten muß, nicht alles aussprechen will und kann – ich zum Beispiel, weil ich mich für dies und das schäme, schämen würde.
Weißt Du, ich lade Dich am Freitag nächste Woche wieder zu mir ein. Du darfst gern schon am Nachmittag erscheinen. Und dann … Dann werde ich Dir von meinen Träumen erzählen, so gut ich das kann. Und hoffe, daß ich auch von Deinen erfahre – oder hast Du keine mehr? Das glaube ich nicht. Und wer weiß: Vielleicht entsteht daraus ein monatlicher Träumefreitag, oder wir schaffen es wenigstens einmal im Vierteljahr. Ich würde mich darüber und auf jeden dieser Freitage freuen. Wenn es Dir nicht zuviel wird, jedenfalls.
Falls Du unbedingt etwas mitbringen möchtest: einen Weißwein vielleicht und Neugier und – bitte, das gäbe mir etwas Mut – auch einiges, das Du mir „verraten” wirst. Ach, und: Wäre Dir eher nach Pizza oder nach Thailändisch?
Wir sehn uns, mein Freund, nicht wahr? Bis dahin.
Es ist weder ein Brief an mich noch einer von mir. Ich weiß nicht, wo der so plötzlich herkam.
Heute weggegeben bzw. entsorgt:
Einige alte Zeitschriften wurden heute zu Altpapier.
Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.
P.S.: Zufrieden machten mich am 21.08.2026 ein Kakao, ein Gespräch im Haus, die Zeit in meiner Badewanne.
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(Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).

