353 im Advent 2025: 19. Türchen

 
Das ist mein 16. Blog-Adventskalender. Beim Schreiben denke ich oft an die, die krank sind oder Unterstüt­zung benötigen, an alle, die einsam oder allein sind. Möge allen Menschen eine im wahrsten Sinne des Wortes wunder­volle Weihnachtszeit beschieden sein. Meine Kerzen brennen auch in diesem Jahr für alle Menschen und Tiere, vor allem für die, die Hoffnung und Trost brauchen, und für die, die Freude an dieser Zeit haben.

 

Noch fehlt der Stollen, der für mich einzig echte Weihnachtsstollen.

 

Er gehört für mich zur Advents- und Weihnachtszeit dazu. Und ohne ihn komme ich nicht in die entsprechende Stimmung. Doch das Billigzeug aus den Discountern ist für mich nicht eßbar – oder höchstens so eßbar wie Haferschleim: nur, wenn es ums Verhungern geht.

Ja, ich bin im Besitz jenes Familienrezepts, nach dem schon meine Ururgroßmutter mütterlicherseits ihre Stollen backen ließ beim Bäcker im Dorf, gleich übern Bach. Der letzte gute Weihnachtsstollen war vom anderen guten Bäcker des Dorfes, der noch heute arbeitet. Der Bäcker übern Bach ist seit zehn Jahren geschlossen … (Von elf oder zwölf Bäckereien hat bis heute nur dieser eine einzige überlebt.)

Und es gibt so viele Regeln und so viel Aberglaube rund um den Christstollen. Vorm Totensonntag durfte er nicht gebacken werden. Es durfte kein einziger zerbrechen. Der erste wird zu Heiligabend angeschnitten, der letzte erst am Ostersonntag. Dick bestrichen mit Butter und Zucker und Puderzucker mußte er sein. Auf dem Dach­boden, ungeheizt, bei offenen Fenstern, hielt er sich auch wirklich bis Ostern. Und ich gestehe: ich habe schon zwei Jahre alten Weihnachtsstollen gegessen, der nur etwas trocken und hart geworden war. Aber der Geschmack …

Außerdem gibt es ja immer diesen Streit, welches denn der „echte” Stollen ist. Jeden­falls kann das nicht der Quark-, Mohn- oder Mandelstollen sein, nein. Dresdner oder Erzgebirgischer? Für mich letzterer. In dem ist üblicherweise mehr Butter und Butterschmalz drin als im Dresdner (jedenfalls nach unserem Familienrezept). Ich kann mich sogar noch an die Zeit erinnern, da viele Zutaten (Zitronat, Orangeat, Backaroma, Mandeln, Vanillezucker usw. usf.) im Westpaket ankamen oder da in der DDR der Zitronat aus grünen Tomaten hergestellt wurde. Lange her … Typisch Erzgebirge ist es für mich, dieses Backwerk, das meine Advents- und Weihnachtszeit abrundet, vervollständigt. Mal sehen, ob ich mir doch noch einen kaufen kann, nächste Woche.

 

Erinnerung des gestrigen Tages:
In Fett (oft Gänse- oder Schweineschmalz) ausgebacken wurden zur Weihnachtszeit bei vielen zuhause auch Quarkkräppelchen.

 

Ich schleiche mich davon und wünsche eine schöne Advents- und Weihnachtszeit.

Der Emil

 

P. S.: Gestern, am 18. Dezember 2025 war ich zufrieden mit einer weiteren erledigten Bürokratie, mit leckeren Mandarinen, mit dem in einem Buch gelesenen (und abgeschriebenen) Text.


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Über Der Emil

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3 Kommentare zu 353 im Advent 2025: 19. Türchen

  1. anneeulia sagt:

    Zitronat aus Tomaten interessant, was Ihr so machtet.
    Ich bin Wessie und hab keine Ahnung.
    Rosinen aus Stachelbeeren las ich mal irgendwo.
    Kann ich mir eher vorstellen irgendwie.
    Aber man muss sich nur zu helfen wissen.

    • Der Emil sagt:

      Tomaten mit viel Zucker kandiert, und noch ein paar andere Gewürze dazu: Das schmeckte echt wie Zitronat. Rosinen aus Stachelbeeren habe ich allerdings niemals gehört.

      • anneeulia sagt:

        Ich las es mal als es um Tote Oma oder Grützwurst ging und hatte dann eine gewisse Vorstellung.
        Ich liebe Stachelbeeren könnte mir vorstellen, wenn man Sie trocknet und irgendwie mit Zucker einlegt.
        Das es funktioniert.

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