Skeptiker (Nº 289 #oneaday)

Wie in der Jugendzeit

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Freitag war purer Streß für mich. Nach der Klinik sofort nach Hause und ins Bett. Mindestens zwei Stunden schlafen vor der Nachtschicht!

Angesagt war Arbeitseinsatz im Verein. Wir Mitglieder zahlen unseren Mitgliedsbeitrag nämlich in Arbeitsstunden. Und ich hatte beschlossen, das Angenehme mit dem Nützlichen zu verbinden, übernahm die Kasse am Eingang. Und hörte aus dem Saal ein ganz wunderbares Konzert einer Band, von der ich zum ersten Mal 1988 erfuhr.

Die Skeptiker hieß die Combo, deren Musikcasette im zum Jugendtreffpunkt umfunktionierten Keller der Sankt Paul Kirche in Karl-Marx-Stadt lief. Dort sah ich zum ersten Mal eine ganze Gruppe von Jugendlichen, die damals noch Punker genannt wurden. Und aus dem Stern-Recorder lief:


 

 
Die Skeptiker – JaJaJa!

Immer treu und redlich sein, dann kann auch nicht sehr viel gescheh’n.
Kräftemessende Gewalten, alles wirst du übersteh’n.
Laß den Mantel windwärts flattern! Wieg dein Glück in Sicherheit!
Schneckenaufrecht ist dein Gang, schon dreitausend Jahre lang.

Kann der Wind sich dreh’n? Jaja!
In’s Gesicht ihm weh’n? Jaja!
Kann Gefahr entsteh’n? Jaja!
Wird er windwärts geh’n? Ja! Jajaja, jajaja!

Schrebergarten und Kanickel, da erwacht die Seeligkeit,
Kindersegen, stille Liebe, ruhe sanft in Ewigkeit.
Friede, Freude, Eierkuchen! Wer nicht lebt, bleibt immer tot.
In der Stickluft solcher Welten, Mensch, da packt mich Atemnot!

Chorus

Großes macht ihr für Kloaken, andres produziert ihr nicht.
Die Verrenkung eurer Seelen steht im feisten Angesicht.
Dummheit ist nicht totzukriegen, spießig geht die Welt zur Ruh!
Alles Reden Magenwinde, Hoffnung stirbt bald völlig aus.

Chorus

So viele wollen mit dem Arsch an die Wand.
Schleimer und Kriecher gibt’s in jedem Land.
Die erste Bürgerpflicht sind Ordnung und Ruh.
Schlaf gut und mach die Augen nur fest zu.

Immer treu und redlich sein, dann kann auch nicht sehr viel gescheh’n.
Kräftemessende Gewalten, alles wirst du übersteh’n.
Laß den Mantel windwärts flattern! Wieg dein Glück in Sicherheit!
Schneckenaufrecht ist dein Gang, schon dreitausend Jahre lang. Nur schwer.

 

Mühevoll aus dem Lied abgehört! Mit vorzüglichem Dank an Die Skeptiker.
 
 

Am Freitag war ich wieder jung – vom Gefühl her wieder 25 (wie 1988) – spätestens als Eugen und seine Mannen dieses Lied spielten. Es war einfach nur: geil.

Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.

P.S.: Positiv am 15. Oktober 2011 waren Ausschlafen, Rotkrautsalat, Brust- und Hustentee.

© 2011 – Der Emil CC by-nc-nd der_emil(at)arcor(dot)de

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Über Der Emil

Not normal. Interested in nearly everything. Wearing black. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler.
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0 Kommentare zu Skeptiker (Nº 289 #oneaday)

  1. Himmelhoch sagt:

    Ein wirklich toller Text – passt aber auch in die heutige Zeit!
    Jetzt kann ich auch sagen: „Schlaf gut und mach die Augen nur fest zu. „

  2. anniefee sagt:

    😉
    Die Skeptiker verbinden nicht umsonst Generationen !
    (habe mich für nachher auch zum Aufbau und Ausschank gemeldet, so verbinde ich Arbeitszeit mit Konzert und Leutegucken. Allerdings macht mich die Idee nun doch nervös. Vielleicht verklecker ich alles oder sonstige Unglücke passieren.. Aber: man muss sich auch mal was trauen ! )

    • der_emil sagt:

      Na huch!? Wo baust denn Du auf und wo schenkst Du aus?

      • anniefee sagt:

        In Potsdam, natürlich !
        Es geht um eine Kleidertauschparty, neumodisch „upcycling“ genannt. Daher werde ich sogar noch meine alten Klamotten los, noch eine Fliege mit derselben Klappe geschlagen 🙂 (in den Umsonstladen gehen und die Dinger einfach abgeben war muttechnisch bisher nicht drin, aber einfach irgendwo deponieren und „ich kann leider nicht daneben stehen, denn ich bin ja am Weinstand“ flöten, das geht hoffentlich)

  3. Follygirl sagt:

    DAS ist nicht mehr meine MUSIKE, aber der Text ist echt KLASSE!
    Erinnerte mich ein bißchen an Ton, Steine, Scherben,… aber die könnte ich mir heute auch nicht mehr „anhören“… aber wenns Dir gefällt ist es ja gut.
    Wünsche einen schönen Sonntag, Petra

    • der_emil sagt:

      Na, war ja auch eine der ersten Punk-Bands in der DDR.

      Und den Text, den wollt ich unbedingt mitgeben. Und weil ich zu faul zum Suchen war (jawoll!), hab ich es gemacht wie 1988: mich hingesetzt und den Text aus dem Lied abgehört und aufgeschrieben. Hoffentlich ist mir da nicht irgendwo eine “Agathe Bauer” dazwischengerutscht 😉

  4. Inch sagt:

    Oh, die gibt es noch? Cool!
    Aber *klugscheißmodusan* ich muss Dich korrigieren, die Skeptiker gibt es erst seit Mitte der 80er Jahre. Sie waren vielleicht eine der ersten DDR-Punkbands, die über die Grenzen ihrer Stadt hinaus bekannt worden. Punkbands dagegen gab es schon mindestens seit Anfang der 80er. *klugscheißmodusaus*

  5. Elvira sagt:

    Ich kannte die Skeptiker bis heute nicht – da habe ich wohl etwas versäumt (was Text betrifft, nicht Musik, bin kein Punkfan).
    Noch einen schönen Sonnensonntag!
    Liebe Grüße,
    Elvira

  6. fudelchen sagt:

    Dann mal einen wunderschönen Sonntag für dich und…die Sonnenbrille nicht vergessen 😉

    GLG Marianne !

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