Winter in der Gartenlaube.
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Das ist der 14. Adventskalender hier. Ich widme ihn allen, die krank sind oder Unterstützung benötigen, und allen, die einsam oder allein sind. Möge allen Menschen eine im wahrsten Sinne des Wortes wundervolle Weihnachtszeit beschieden sein. Meine Kerzen brennen wieder für Menschen und Tiere, die Hoffnung und Trost brauchen.
Ein altes Katalyt-Öfchen müht sich redlich, das Innere des Gartenhäuschens etwas aufzuwärmen. Leise tickt eine Uhr. Am Tisch vorm Fenster sitzt eine Frau, zündet noch zwei Teelichter an und schaut mit einem Fernglas hinaus in den Garten. Sie beobachtet, was da am Futterhäuschen vor sich geht. Jeden Montag und jeden Donnerstag sitz sie so, nachdem sie Körner und Nüsse und oft auch ein paar Rosinen für die Vögel ins Häuschen gegeben hat. Heute mußte sie auch den Katalytofen auffüllen aus dem Kanister. Es wird neues Benzin gebraucht.
Mit der Zeit ist es warm genug in der Laube, und die Frau kann ihre dicke Jacke ausziehen. Wie viel schöner der Garten doch aussähe, wenn er jetzt wie im Dezember letzten Jahres tief verschneit wäre! Dann hätte sie zwar schneeschieben und sich so einen Weg zum Gartenhäuschen und zur Futterstelle bahnen müssen. Das bißchen Rauhreif an den Zäunen und Sträuchern muß jetzt für die winterliche Stimmung reichen. Sie gießt Tee aus einer Thermoskanne in einen Becher und nimmt den in beide Hände. Herrlich, diese Wärme. So viel besser als die Flammen der beiden Teelichter neben ihr.
Kurz darauf nimmt sie wieder das Fernglas zur Hand und schaut hinaus. Auf dem Zaun und in dem kleinen Apfelbaum sitzen einige Meisen und Finken, die Sperlinge dürfen nicht fehlen. Kein Vogel aber fliegt zum Futterhäuschen, sonderbar. Doch dann, dann erkennt die Frau den Grund dafür. Es ist kein Platz für Vögel im Futterhaus. Denn dort sitzt ein Eichhörnchen, macht sich richtig breit. Na, da wird von den Nüssen nicht viel übrigbleiben für die Vögel. Zum Glück ist im Regal noch ein reichlicher Vorrat an Vogelfutter und allem anderen. Wenn es später zu dämmern beginnt und sie sich auf den Heimweg macht, füllt sie im Vogelhäuschen nochmal nach. Die Uhr muß sie vorher auch noch aufziehen. Ach ja, den Benzinkanister darf sie nicht vergessen. Sonst würde sie am nächsten Sonntag, am dritten Advent, wohl frieren und nicht bleiben wollen. Genug Teelichter sind auch noch vorhanden, die reichen bis in den Februar, denkt sie.
So ganz versteht sie auch nicht, wieso sie im Winter die einzige zu sein scheint, die regelmäßig in ihren Garten geht.
Ich schleiche mich davon und wünsche eine schöne Adventszeit.
Am 11. Dezember 2023 war ich zufrieden mit dem Besuch beim Hausarzt, mit einem ausgelesenen Buch, mit der neuen Folge Startrek Discovery.
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