Die Feiertage der verkomplizierten Logik.
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Am liebsten würde ich heute faul sein und den „Osterspaziergang” aus Goethes „Faust” in Gänze hier zitieren. Aber der ist achtunddreißig Zeilen lang und erstreckte sich in der gedruckten Erstauflage über drei Buchseiten. Außerdem kennt den ja wohl jedes ehemalige Schulkind noch auswendig wie auch den Satz des Pythagoras und die drei Mendelschen Gesetze.
Mir bzw. uns wurde damals in der Schule auch beigebracht, wie der Termin von Ostern festgelegt wird. Der Ostersonntag ist immer der erste Sonntag nach dem ersten Vollmond nach dem 21. März. Also muß Ostern, genauer: Ostersonntag, zwischen dem 22. März und dem 25. April sein. Und so kompliziert wurde das nur gemacht, damit der (unbekannte) Tag des Auferstehungswunders nicht an unterschiedlichen Wochentagen gefeiert werden muß … Wäre da der letzte Sonntag im März oder der zweite Sonntag im April nicht wesentlich einfacher festzulegen gewesen? Dann hätten auch Christi Himmelfahrt (am 39. Tag nach Ostersonntag, 40. Tag der Osterzeit) und Pfingsten (am 49. Tag nach Ostersonntag, 50. Tag der Osterzeit, spätestens also an meinem Geburtstag) und Frohnleichnam (am 59. Tag nach Ostersonntag, 60. Tag der Osterzeit) feststehende Datümse (eigene Mehrzahlform von Datum, mit der Kalenderdaten von Daten unterschieden werden können) und wanderten nicht mehr auf Irrwegen durch unsere Terminplaner. Aber nein, man mußte das Datum von etwas so veränderlichem wie der Mondscheibe abhängig machen. Schon damals (das Osterdatum wurde im Jahr 325 genau so festgelegt) wurden Dinge komplizierter gemacht als nötig, damit das „tumbe Volck” (obwohl: damals sprach noch niemand Deutsch) eben dumm bliebe. Und heute wird diese Tradition hierzulande fortgesetzt (siehe 49-Euro- Deutschland-Ticket, wegen allfällig notwendiger Preiserhöhungen NICHT nach dem Preis benannt).
Übrigens: Die Festlegung auf den 21. März war auch schon Beschiß eine Vereinfachung, denn das Datum des Astronomischen Frühlingsanfangs (des Frühlings-Äquinoktikums, der Frühlings-Tagundnachtgleiche) schwankt sowieso, natürlich bedingt und auch wegen der (m. W. n. später eingeführten) Schaltjahre, zwischen dem 19. und dem 21. Marz hin und her. Warum ein exakter Kalendertag für den tatsächlich veränderlichen Frühlingsanfang festgelegt werden konnte, für Ostersonntag und all die davon abhängigen beweglichen Feiertage aber nicht, wird wohl ewig das Geheimnis derer bleiben, die diese sonderbare Regelung einführten. Übrigens verändern sich durch diese sonderbare Schwanklegung (eine kalendarische Festlegung ist es ja nun weiß Gott nicht) auch die Kirchenkalender von fast allen christlichen Glaubensgemeinschaften, die benannten Kirchensonntage (Reminescere, Laetare, Invocavit, Oculi, Exaudi, Palmarum usw. usf.) wandern deshalb nämlich auch hin und her.
Ostern. Das Fest, das ich schon immer weitgehend ignoriere, an dem ich nichts dekoriere – ganz im Gegensatz zur Weihnachtszeit. Ostern, die Feiertage der verkomplizierten und verkomplizierenden Logik.
Ich schleiche mich davon und sage Danke fürs Lesen. Ich verspreche: So viele Zahlen werden so bald nicht wieder hier auftauchen.
P.S.: Am 7. April 2023 war ich zufrieden mit dem Ausschlafen, mit einem Spaziergang um die Ententeiche, mit dem Tomatensalat zum Butterbrot.
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(Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).


Ostern, das höchste christliche Fest! Fest der Auferstehung Christi – und eigentlich ganz logisch: Ostern ist der Sonntag nach dem ersten Vollmond ab Frühlingsbeginn.
Eben nicht — wenn der Frühlingsbeginn auf den 19. oder 20. März fällt und der Vollmond am 20. oder 21. März ist, so ist erst der Sonntag nach dem ersten Vollmond nach dem 21. März …
Ja, so kompliziert unlogisch ist das wirklich.
Um die Bedeutung des Osterfestes weiß ich.