Wann ich am liebsten dortbin.
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Ich mag das von den Baumkronen gedämpfte Licht, die Dreiviertelhelle im Wald. Am schönsten kann ich sie in Mischwäldern erleben, im Sommer und im Herbst, wenn die Blätter anfangen, sich zu färben. Kurz bevor alles im Halbdunkel zum Sonnenuntergang verschwindet, tauchen noch einmal auf den kleinen Streifen und Punkten durchdringenden Lichtes der untergehenden Sonne allerlei Wunderlichkeiten auf: Beeren im Unterholz und im Kraut, kleine Schößlinge, die irgenwann einmal selbst Bäume werden können. Vögel und Insekten, die kaum sichtbar oder in ihren leuchtenden Farben von hier nach da hüpfen segeln fliegen. Weiße und graue und braune und rote Kappen oder orange Stiele von Pilzen im Moos. Und dann die Geräusche. Und der Geruch: Ein Fichten(-nutz-)wald riecht anders als ein Kiefernwald, ein Mischwald hat einen ganz eigenen, satten Duft, in den sich immer auch ein erkennbares Pilzaroma mischt. Und in der Nacht ist es im Wald dunkel, dunkler als in jeder menschlichen Ansiedlung, eine fast greifbar dichte Schwärze hüllt mich ein. Ob diese Dunkelheit wirklich das Gehör schärft?
Zum Pilzesammeln gehe ich trotzdem morgens, um die Zeit des Sonnenaufganges in den Wald – und nicht auf einen Friedhof.

Pilze auf dem Friedhof
Eine ganze Anzahl weißer Schirmpilze unterschiedlicher Größen wächst auf einem Urnengrab. Wahrscheinlich sind es Wiesenchampignons (Agaricus campestris). Es sind genügend Pilze für eine kleine Mahlzeit auf diesem einen Grab zu finden.
Ich schleiche mich davon und sage Danke fürs Lesen.
P.S.: Am 19.07.2021 waren positiv ein neuer Rechner samt Zubehör, ein installiertes Fedora34 (und damit ein vernichtetes Windoof), das endlich ausgelesene Buch.
Die Tageskarte für morgen ist die Fünf der Kelche.
© 2021 – Der Emil. Text & Bild unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
(Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).


Sehr schön geschrieben Emil, man fühlt sich direkt in den Wald versetzt und meint den Geruch des feuchten Waldboden zu riechen.
Danke!
Ich habe manchmal körperlichen Hunger auf Wald. Muss ihn dann vergehen lassen. Leider ist solch ein Wald nicht in meiner Nähe.
Als Hunger empfinde ich dieses in den Wald wollen nicht. Aber mich treibt etwas hinein, ja. Zum Glück sind es nur 50 m bis in den Anfang des größten zusammenhängenden Waldgebietes hier in der Stadt.
Sehr sinnlich geschrieben, gern gelesen. Geht mir sehr ähnlich.
Ich wünsch dir viel Waldfrieden.
Vielen Dank. Wenn jetzt noch eine Limmat bei mir hier in der Heide wäre …
Das wär schön (vom Ufer eines Badesees gesendet).