2020-266 — Kopfarbeit

Das Dickicht des Denkens, das Denkicht, arbeitet noch immer am Thema.

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»Was ist die Entfernung zwischen Lüge und Wahrheit?« So fragte Piri nebenan in Bloggerhausen am 20. September. Ein ähnliches Suchen betrieb auch ich schon des Öfteren (und betreibe es noch, denn bisher blieb es ergebnislos): Ich möchte irgendwann herausgefunden haben, was »am anderen Ende der Wahr­heit« ist. Eines weiß ich sogar noch aus dem Studium: Es gibt keine endgültige objektive Wahrheit – also kann auch dieser Satz keine end­gültige objektive Wahrheit sein. Interessant, nicht wahr? Das ist, als wenn ein Kreter sagte: »Alle Kreter lügen.« Bei mir liegt jedenfalls eine Kladde mit 96 Seiten am Schreibplatz, in der ich meine Denkichtverwindungen zu diesem anderen Ende der Wahrheit notiert habe. Darinnen sind mittlerweile über 80 kreuz und quer bekrittelte Seiten und beschriebene Seiten und einige überwiegend durchgestrichene Seiten. Und noch nichts aus dieser Materialsammlung fand seinen Weg hierher.
 
Was treibt mich wohl zu dieser immer wieder obsessiven Betrachtung und warum gibt mein Denkicht da keine Ruhe?

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke fürs Lesen.

Der Emil

 

P.S.: Positiv waren am 22.09.2020 das WIRKLICHE Ausschlafen, leckere Gemüsesuppe, einige erledigte Schreibarbeit.
 
Die Tageskarte für morgen ist VIII – Die Kraft.

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Über Der Emil

Not normal. Interested in nearly everything. Wearing black. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler.
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10 Kommentare zu 2020-266 — Kopfarbeit

  1. Die Sache mit der Wahrheit ist eine ganz spezielle Geschichte. Denn meine Wahrheit muss nicht die Deine sein. Soll heißen, dass vieles was für den Einzelnen wahrhaftig scheint, nur deshalb wahr zu sein scheint, weil er aus einer anderen Perspektive blickt.

    Diese andere Perspektive muss sich nicht mit Deiner decken. Und Zack-die-Bohne-Frau-Melone haben wir unterschiedliche Wahrheiten. Ähnlich wie bei sogenannten Augenzeugen eines Unfalls. Der eine hat ein grünes, der andere ein blaues und einer sogar ein schwarzes Auto gesehen. Und der Vierte erinnert sich nicht an die Farbe, aber an den Hergang. Der erste hat gesehen, wie das Fahrzeug abbog ohne zu blinken, der zweite sah den Blinker, der dritte erinnert sich nicht und der Vierte schwört, der Blinker blinkte nicht, sondern leuchtete durchgehend, was ihn irritierte.

    Du siehst schon, worauf ich hinaus will. Jeder hat gesehen, was er gesehen hat. Und jeder erzählt nach seiner Wahrheit. Und darum ist die Wahrheit nicht absolut. Die Ehrlichkeit hingegen schon. Weil die Ehrlichkeit sich auf die Wahrheit des einzelnen bezieht.

    Ich liebe Deine Art zu denken und wie sie mich inspiriert, mir Gedanken zu machen.

    • Der Emil sagt:

      Zuerst: Danke.

      Jaja, die Wahrhheit. Leider gibt es immer wieder Menschen, die ihre eigene Wahrheit für die einzig gültige halten und jeglichen Austausch, jeglichen Diskurs dazu als Angriff auf die Person verstehen …

      • Vielleicht ist das auch eine Sache der Entwicklung?
        Tumbe Menschen, die sich nicht weiterentwickeln können, weil ihnen der EQ und IQ einen Strich durch die Rechnung macht, sind eben nicht fähig, andere Meinungen gelten zu lassen.

        Wahrheit hat etwas mit Wahrnehmung zu tun und die unterscheidet sich gewaltig von Mensch zu Mensch und von der aktuellen Stimmung in der sich dieser befindet. Ich unterhalte mich so gerne mit Dir, weil sich immer andere Perspektiven eröffnen. Deshalb mag ich den Herzbuben auch so … Bei Odin, wie ich ihn vermisse.

  2. piri ulbrich sagt:

    Auf deine Frage habe ich aber leider keine Antwort!

  3. frauholle52 sagt:

    Für mich ganz eindeutig: Ich will wahrhaftig sein, das kann ich nur, wenn ich weiß, was in mir vorgeht und das weiß ich nicht immer. Ich will meine Wahrheit festschreiben, das geht nicht, denn sie verändert sich mit meinen Gefühlen und Gedanken. Und trotzdem einige ich mich mit meinen Mitmenschen auf eine gewisse Wahrheit, denn sonst könnten wir nicht vernünftig kommunizieren. Und jetzt, wo gewisse Politiker die alternativen Wahrheiten wieder salonfähig machen, wird mir das Wort zunehmend egal. Hauptsache ich weiß, was für mich stimmig ist und wohin ich im Leben noch „reisen“ will.

  4. Der Wilhelm sagt:

    Genau in die Richtung gingen auch meine Gedanken zum Wort „Wahrheit“.
    Allerdings wollte es mir nicht so recht gelingen, sie so auf den Punkt zu bringen, wie Du das jetzt geschafft hat.

  5. wildgans sagt:

    Unbeantwortet bleibt wohl auch für ewig die Frage, wozu man das alles mache…

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