Und am Ende doch noch fehlender Mut.
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Wie leicht bin ich doch zu beeinflussen! Wie schnell ändere ich doch meine Meinung/Haltung zu so manchen Dingen! Und wie schnell ändere ich meine Sprache …
Oh ja. Ich verändere meine Sprache sehr schnell. Nicht meinen Sprachgebrauch (Gegendere u. ä.), nein, wirklich meine Sprache. Okay, meinen Dialekt. Vom hier üblichen “Glauch'schen Hochadelsdialekt” zu Aarzgebirgisch, Meckelbörger Platt oder Chemtzer Sägg'sch. Da reichen einige Worte mit jemandem, der hörbar zu den Sprechern dieser Mundart gehört, und schon falle auch ich in diese Sprache, in diesen Dialekt. (Da frag ich mich: Was ist der Unterschied zwischen Dialekt und Mundart? Nein, ich mag jetzt nicht auf Wikipedia nachlesen …) Wahrscheinlich behalte ich in jedem Fremddialekt ein klein wenig meines sächsischen Akzents, aber für Ungeübte, so denke ich, kann ich mich recht gut anpassen. Als Kind wuchs ich hochdeutsch auf bis zu zweiten Klasse, hatte aber Einflüsse eben aus dem Aarzgebirgisch und aus dem Meckelbörger Platt. Noch heute bin ich von Mundart und Dialekt fasziniert. Kowwelenzer Platt oder Fränggisch und Boarisch, Pott-Platt, Rand-Berlinern, Kreuzhain-Schwäbisch und viele andere machen mir (verstehend) nur wenige Probleme (sogar Schwyzerdüütsch chan i verstahn). Schwer tu ich mich zum Beispiel mit dem Hohenlohischen oder dem auf der Schwäbischen Alb gesprochenen Wort, und im Kölschen fühle ich mich auch unsicher.
All diese Dialekte und Mundarten sind – Achtung, großes Wort! – Kulturgut, das verlorenzugehen droht. Und es gibt nicht umsonst auch Mundart-Literatur. Warum aber viele Menschen ihre Mundart verleugnen, vergessen machen möchten, das verstehe ich nicht. Natürlich ist da dieses alte Vorurteil: Wer nicht hochdeutsch sprechen kann ist dumm. Stimmt ja aber nicht. Die meisten Menschen sprechen Hochdeutsch (zumindest, was sie dafür halten, und da nehme ich mich nicht aus) und heimatliche Mundart. Oder irre ich da? — Ach, wenn ich nur den Mut hätte, zu einer dieser Blogaktionen aufzurufen: Immer am 13. des Monats in Mundart bloggen. Schwierig, aus zwei Gründen: Es gibt für kaum eine Mundart verbindliche Schreibweisen. Die Aussprache des Geschriebenen kann sich vom Schriftbild deutlich unterscheiden (deshalb wäre eine Tonaufnahme des Textes gut). Hm. Ich hab ja noch ne Woche bis dahin, ich denke nochmal darüber nach, und falls jemand Lust dazu hat und mir das mitteilt …
Vielleicht aber habe ich den Mut, Mundart und Dialekte in meine Radiosendung einzubauen?
Ich schleiche mich davon und sage Danke für’s Lesen.
P.S.: Positiv am 06.11.2018 waren das Ausschlafen, sortiertes Papier und eine bis jetzt zufriedenstellende Schicht im Radiosender.
Die Tageskarte für morgen ist die Königin der Schwerter.
© 2018 – Der Emil. Text unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
(Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).


Oh, lieber Emil, mich treibt die gleich Frage sehr oft um, bei mir (natürlich) besonders im Hinblick auf das Berlinerische. Ich finde es äußerst schade, daß sich dieser Dialekt (wobei ich glaube, das Berlinerische wird nicht als Dialekt, sondern als Mundart bezeichnet, aber ich kann mich weder an die Definition dieser beiden Begriffe erinnern, noch bin ich mir sicher, ob dem tatsächlich (noch immer) so ist), allmählich verliert. Vor allem das „Ur-Berlinerische“, das ich selbst kaum noch beherrsche, war geprägt von so vielen einzigartigen, sprachlichen Bildern, es ist schade um sie. Aber Dialekte/ Mundarten entwickeln sich weiter. Altes geht verloren, Neues kommt hinzu. Das muß ich wohl akzeptieren. Ich selbst berlinere im Alltag kaum noch (es sei denn, ich rege mich über etwas furchtbar auf), meine Kinder wachsen hochdeutsch auf, sie beherrschen weder das Berlinerische, noch das Meckenlenburger Platt, mit dem mein Mann groß wurde. Und den hiesigen Dialekt verstehen sie zwar, aber sprechen können sie ihn auch nicht. Schade, Dialekt ist für mich auch ein Stück (sprachliche) Heimat.
Ich finde Deine Idee, im Dialekt zu bloggen, wunderbar. Eine wunderschöne, warme Idee. Dennoch fürchte ich, es wird nicht funktionieren. Lese ich einen im Berlinerischen Dialekt niedergeschriebenes Wort, habe ich furchtbare Mühe, das zu verstehen. Darüber geht dieser ganz besondere Wortwitz verloren, den das Berlinerische so oft für mich ausmacht („liederlich“ sprechen/ schreiben kann jeder). Aber falls Dir eine Lösung für das Problem einfällt, oder Du trotzdem einen entsprechenden Aufruf startest, ich wäre dabei!
Liebe Grüße von einer Exil-(Rand-)Berlinerin mit gerade akutem Heimweh.