Schriftlicher Fauxpas (Nº 284/2018)

Eine große Überraschung.

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In den meisten Fällen fülle ich Formulare mit der Hand aus. Und ich achte peinlich genau darauf, dann lateinische Buchstaben zu verwenden. Als heute der Sachbearbeiter, bei dem ich einen solchen Zettel abgeben mußte, meine sehr schöne, angenehme Schrift lobte, wurde ich stutzig. Aber er (um die 30, eher jünger) las halblaut vor sich hin, was ich da aufgeschrieben hatte. Dann schob er das Blatt zu mir und fragte: “Haben Sie das Schreiben vom Vermieter schon kopiert?” Hatte ich, aber entsetzt riß ich die Augen auf.

 

Bildbeschreibung in der Beschreibung

Fauxpas: Meine Alltagshandschrift im Behördenformular verwendet.
Angekreuzt: Sonstige Mitteilung.
Handschriftlicher Text: “Der Aufforderung zur Mitwirkung kann ich in der von ihnen konkret geforderten Form nicht nachkommen. Gemäß Vereinbarung mit dem Vermieter wird mein Guthaben mit zukünftigen Mietzahlungen verrechnet. (Siehe [unleserl. gestrichen] vorgelegtes Schreiben.)”

 

Ich hatte in Kurrent, also alter Deutscher Handschrift geschrieben. Weil ich eben die geforderten Kontoauszüge in keinem Fall würde vorlegen können, war ich echt gestreßt: daher wohl der Schriftirrtum. Ich griff nach dem Blatt und einem Stift und wollte den Text nochmal in lateinischen Buchstaben notieren, aber da sagte er nochmal: “Sie haben eine sehr saubere Schrift. Das ist lesbar und gelesen, lassen Sie es doch einfach so. — So alt sind Sie ja noch nicht, es ist schön, daß Sie das können! Woher …?” Ich war echt erstaunt darüber, daß er diese Schrift lesen konnte. Ich hatte die Deutschen Buchstaben ja noch im Mathematikunterricht gelernt, als Bezeichnung für Vektoren. Nur: Woher kennt er die Schrift, wo hat er sie lesen gelernt? Wir fachsimpelten dann ein paar Minuten in seine Mittagspause hinein noch über Transkription und Heimatgeschichte. Denn er hat sich die alte Schrift selbst beigebracht, für die Entzifferung alter Dokumente, mit der er sich im Geschichtsverein seines Heimatdorfes befaßte und befaßt.

Mein unter Streß gemachter Fehler erwies sich als kleiner Türöffner für einen freundlichen Austausch.

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke für’s Lesen.

Der Emil

P.S.: Positiv am 11.10.2018 waren das gesuchte und erwischte Schnäppchenwerkzeug, eine unerwartete kleine Fachsimpelei, Unterwegssein in der Stadt.
 
Die Tageskarte für morgen ist die Königin der Münzen.

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Über Der Emil

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0 Kommentare zu Schriftlicher Fauxpas (Nº 284/2018)

  1. wildgans sagt:

    Hier passt: Es kommt immer anders…
    Ich sehe da ein gutes, für mich aber nicht lesbares Schriftbild!

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