Eine Leseempfehlung.
To get a Google translation use this link.
Der zweite Durchgang. Nein, nicht beim Frühstück oder als Ferienlagerbelegung, nicht durch ein Gebäude oder eine Bergenzung. Manche Bücher lese ich zweimal, mindestens. Und heute im Buchfink hatte ich nur Bücher dabei, die ich in den letzten zwei Wochen zum (mindestens) zweiten Male gelesen hatte. Nicht mit in der Sendung hatte ich ein Buch, welches ich wahrscheinlich – aber ich weiß es wirklich nicht sicher – irgendwann in den Klassen 9 bis 12 lesen mußte: Anna Seghers' “Das wirkliche Blau”.
Vielleicht geht es in dem Buch um eine Farbe, die mir nur zu vertraut ist: Ultramarinblau. Vom Heimatdorf aus gesehen gleich hinter den Höhen, auf denen das Dorf Albernau zu finden ist, liegt im Tal der Zwickauer Mulde etwas abseits von Bockau eine Siedlung, die Schindlerswerk heißt und vom Blaufarbenwerk dominiert wurde und wird. Zwar gehörte sie von Alters her zu Albernau und war und ist von selbigem aus auch über den sogenannten Farbmühlenweg zu erreichen, aber postalisch war es zu DDR-Zeiten eben “ein eigener Ort”. Ganz in der Nähe, auf der anderen Uferseite des Flusses, befand sich der Bahnhof Bockau, der zur Strecke Chemnitz-Aue-Adorf gehörte und von 1875 bis zur Streckenstillegung 1995 für den Personen- und natürlich diversen Güterverkehr auch zur Ultramarinfabrik Schindlerswerk wichtig war. Noch heute wird in der wahrscheinlich ältesten noch immer produzierenden Farbenfabrik (heute Schindlerswerk GmbH & Co. KG) Ultramarinblau hergestellt, das als “Waschblau” oder “Wäscheblau” für das strahlende Weiß der Gardinen sorgt. (Ein Anruf um die Mittagszeit hat übrigens schnell geklärt: Die Schindlerswerk GmbH & Co. KG ist die älteste noch produzierende Farbenfabrik der Welt!) Als Schüler der EOS in Aue konnte ich zwischen 1978 und 1982 manchmal direkt am Zusammenfluß von Schwarzwasser und Zwickauer Mulde im Wasser erkennen, welche Pigmente im Blaufarbenwerk gerade hergestellt und verarbeitet wurden (besonders beliebt waren das Ultramarin und der Fahrzeuglack in Biberbraun). Heute ist auch die Zwickauer Mulde wieder ein sauberer Fluß.
Aber vielleicht geht es in dem Buch auch um etwas ganz anderes. Ihr könnt es lesend herausfinden.
Mir bleibt das Ultramarinblau, anders als das vorher hierzulande übliche Kobaltblau, das z. B. im Blaufarbenwerk in Schlema hergestellt wurde. Kraftvoll, samtig. Ich verband den Farbstoff und die Farbe immer mit dem Sternenhimmel in der endenden Abenddämmerung. Jetzt verbinde ich Ultramarin und damit auch Schindlerswerk mit einer Erzählung, mit “Das wirkliche Blau” von Anna Seghers (z. B. ISBN 978-3-122-60270-3) und nicht mehr nur mit dem Namen Edmund (eine perönliche Angelegenheit), sondern auch mit Benito und Mexico und und und.
Ich schleiche mich davon und sage Danke für’s Lesen.
P.S.: Positiv am 12.10.2018 waren der Bibliotheksbesuch, sortiertes Papier, der Buchfink.
Die Tageskarte für morgen ist XXI – Die Welt.
© 2018 – Der Emil. Text unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
(Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).


Eine Farbenfabrik in der Nachbarschaft ist je wenigstens noch ein bisschen etwas Besonderes. Bei mir gab es nur Kohle und Briketts und eine Gummifabrik, nach deren Gestank man das Wetter vorhersagen konnte.
Danke für den Buchtipp. Die Seghers möchte ich mal wieder lesen.
Gute Nacht von nebenan.
https://polldaddy.com/js/rating/rating.js
Ist blau nicht eine der Lieblingsfarben der Menschen? Vielleicht sogar die liebste?
Es war zumindest mal eine sehr teure Farbe, den Herrschenden vorbehalten.
In jenem Buch geht es ja auch um ein ganz besonderes Blau, eine Farbe, die nur dieser eine Töpfer kann; und das Drumherum brachte mich auf die Idee, es könnte Ultramarin gewesen sein …