Die erste Nacht steht mir bevor
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Noch nie habe ich die Nacht verbracht, wo ich jetzt bald – so gegen 00.30 Uhr – mich in meinen Schlafsack verkriechen werde.
Ich habe mich breitschlagen lassen. Eigentlich nämlich hatte ich gestern Frühschicht von 6.30 Uhr bis 12.45 Uhr (wie auch heute, nachher also). Gut, ich bin immer mindestens zehn Minuten früher hier und bleibe meist auch ein Weilchen länger – aber das mache ich alles freiwillig und zu meinem Vergnügen. Ich müßte es für meinen Bundesfreiwilligendienst nicht tun. Allerdings hat sich bei einem der anderen Sendetechniker überraschend ein Termin ergeben, so daß derjenige nicht wie geplant die Abendschicht machen konnte. Und jemand anders war innerhalb von wenigen Stunden auch nicht zu finden. Schließlich habe ich dem Tausch der Schichten zugestimmt und bin deshalb seit 18.30 Uhr im Sender bei der Arbeit.
Würde ich nach dieser Schicht heimfahren wollen, hätte ich hetzen müssen. Die letzte Livesendung ging bis 00.00 Uhr, dann muß der Nachtbetrieb gestartet werden. Die letzte Bahn fährt 00.20 Uhr und ich brauche etwa 10 Minuten bis zur Haltestelle. Vielleicht bin ich dreiviertel eins zuhause. Ehe ich schlafe, vergeht noch eine Stunde. Ich könnte dann von 01.45 Uhr bis 04.45 Uhr schlafen, maximal. Denn morgens brauche ich normalerweise zwei Stunden, ehe ich aus dem Haus komme, nur in Ausnahmefällen reicht mir eine Stunde. Und nur diese eine Stunde hätte ich. Um nämlich pünktlich 6.30 Uhr wieder im Sender zu sein, muß ich 05.45 Uhr aus dem Haus …
Wenn ich also in einem solchen Ausnahmefall, wie heute einer ist, direkt nach einer Spätschicht wieder Frühschicht machen muß, so kann ich die vom Arbeitsschutz gesetzlich geforderten Ruhezeiten sowieso nicht einhalten. Aber wenn ich mich hier um 00.30 Uhr in meinen Schlafsack wickele, kann ich bis 06.00 Uhr schlafen, also etwa zwei Stunden mehr. Und dann nach Schichtbeginn frühstücken, dazu ist genug Zeit. Außerdem: Wer kann schon behaupten, jemals eine Nacht in einem Radiosender geschlafen zu haben?
Deshalb also sitze ich jetzt gerade, zur Zeit, da dieser Artikel online geht, im Radiosender. Duschen konnte und kann ich hier zwar nicht, aber das habe ich in Kindertagen auch nicht jeden Tag getan, wie es auch viele Erwachsene damals nicht taten. Und waren die Menschen um 1970 herum wesentlich stinkender als heute, wesentlich dreckiger als heute? Na? Ich glaube nicht. Heute ist nur alles übertieben bakterienarm … Überhaupt nicht mehr geeignet zur Unterstützung der Herausbildung einer vernünftigen Immunität gegen Alltagskeime. Und stinken werde ich heute morgen ganz sicher nicht – vielleicht nur ein wenig übernächtigt aussehen. Was ich heute Nacht träume oder erlebe, darüber werde ich zu gegebener Zet berichten. Gute Nacht.

Die erste Nacht
Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.
P.S.: Positiv am 21. Januar 2015 waren das Ausschlafen, eine erledigte Hausarbeit, eine ruhige Schicht.
Tageskarte 2015-01-22: Der Bube der Schwerter.
© 2015 – Der Emil. Text und Bild unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
(Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).


Na dann mal angenehme Träume auf dieser Wundercouch … 🙂
Im Leben nicht, Emil! Ich bin 1972 geboren und in der Bonner Altstadt ohne Bad aufgewachsen, mit Etagenklo. Meine Haare (bis Mitte Rücken) wurden zu Hause zwei mal in der Woche gewaschen und nicht täglich. Geduscht würde, wenn ich schwimmen ging (Ok, das kam häufiger vor). In der Küche hing ein Boiler. Damit wurde eine Schüssel gefüllt und sich gewaschen. Habe ich gemüffelt? Mitnichten.
Du hast recht, außer, dass der Knitter nicht so schnell das Gesicht verlässt, wird die fehlende Dusche niemand bemerken 🙂
Liebe Grüße und einen sauberen Tag,
Silvia
Guten Morgen , ich hoffe du konntest schlafen. 🙂 l.g.Anja
Ging so … Die Couch sieht bequemer aus als sie ist 🙂
Emil, wir durften bis in die späten 60ger nur am Samstag baden einer nach dem anderen im selben Badewasser … Seltsam, wir haben überlebt und niemand ist erstunken 😉
Schönen Tag dir
sk
Gibt es eigentlich von deinen Sendungen einen Livestream?
Corax stream alles. Und es gibt die Möglichkeit, Buchfink zeitunabhängig zu hören …
hm, in ’nem radiosender hab ich noch nie geschlafen. aber schule, uni, labor – da habe ich auch schon die eine oder andere nacht verbracht 😉
von einem tag nicht duschen stinkt man nicht. (die damen – und zunehmend auch herren – die sich tagtäglich mit penetrantem parfüm einsprühen, stören meine nase viel mehr…)
Wow, das sieht nach Rückenschmerzen aus. Armer Mann! 🙂
Rückenschmerzen nicht. Aber müüüüüüüüüüde. Nie wieder
Durchhalten! 🙂
Gut geschlafen? Das Sofa ist nicht eben lang, hoffe, es ging.
Gutes Arbeiten und viel Spaß.
Lang genug war das Sofa. Der Schlaf war es definitiv nicht.
Kannste nachholen, hoffe ich …
Bei uns war auch nur samstags baden drin. Ab Pubertät fing ich aber an, mich täglich unter den Armen zu waschen. Fühlt sich einfach frischer an. Und ich glaube, dass es eh mehr darum geht beim Duschen. Die Erfrischung. 🙂
Ist ja mal was ganz Anderes. Schade, dass Du nicht gut schlafen konntest.
Doch doch, auch gut hab ich geschlafen, nur viel, viel zu kurz.
Ach so, das hatte ich dann falsch verstanden. Besser gesagt, wer lesen kann ist klar im Vorteil. 🙂
Ich hoffe, Du kannst den Schlaf diese Nacht nachholen.
Ich hab sogar schon mal eine Nacht in einem Radiostudio geschlafen (aber das Studio war nicht on Air 🙂