Denkhilfe

Stift, Papier, Kaffee und mehr

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“Hilf mir mal beim Denken!” “Bei was denn?” “Na, so ganz allgemein …” “Okay.” Stille für zehn Minuten. Nur das Ticken einer altmodischen Uhr ist zu hören. Manchmal auch ein Schniefen. Dann greift der Mann zu Stift und Papier. Beim Schreiben entsteht ein streichelnd kratzendes Geräusch vom Bleistift auf den Seiten. Ab und zu wird das Geräusch lauter, immer dann, wenn etwas heftig durchgestrichen wird. Nach dem ersten füllen sich auch ein zweites und ein drittes und sogar ein viertes Blatt.

So vergeht beinahe eine Stunde. Der Mann steht plötzlich auf und geht auf dem Bleistift kauend einige Runden um den Tisch. Im Stehen liest er die vier Seiten, radiert und verbessert an einigen Stellen. Wieder wandert er unruhig um den Tisch. Er legt den Stift hin, nimmt ihn wieder in die Hand, kaut darauf herum. Er geht in die Küche und setzt auf seiner Maschine neuen Kaffee an. Mit der Kanne kommt er nach einer Weile zurück, gießt sich seine Tasse voll und setzt sich wieder vor seinen Block.

Er pustet in die Tasse wie ein Kind oder ein besorgter Vater. Schlürft dann genüßlich aus der großen blauen Henkeltopf. “Duuuuuhuuuuu?” Ein knurrender Ton signalisisert, daß ihm zugehört wird. “Das Denkenhelfen vorhin, weißt Du, das hat ganz gut geklappt. Machst Du’s nochmal?” Ein zustimmendes Zischeln ertönt vom Sofa. “Gut, dann hilf mir jetzt nochmal denken.”

Kurz darauf ist das Schreibgeräusch wieder zu hören. Schnell füllt sich das fünfte Blatt, das plötzlich zerknüllt wird. “Macht nichts”, sagt der Mann, trinkt die Tasse aus, gießt wieder ein und schreibt auf einem neuen Blatt weiter. Wort für Wort, Zeile für Zeile füllt er es mit seiner kleinen, regelmäßigen Schrift. Nach der achten oder neunten Seite legt er seinen Stift aufs Papier.

Als der Mann sich umdreht zum Sofa, sagt er “Danke.” Dann beginnt er, seinem Leguan den Bauch zu kraulen.

 

 

Der Emil

Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.

P.S.: Positiv am 11. Februar 2014 waren ein Gespräch bei einem Sozialwerk, leckeres Mittagessen, ein Besuch in einem Krankenhaus und der Abend auf der Couch.
 
Tageskarte 2014-02-12: Sieben der Stäbe

© 2014 – Der Emil. Text unter der Creative Commons 3.0 Unported Lizenz
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Über Der Emil

Not normal. Interested in nearly everything. Wearing black. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler.
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0 Kommentare zu Denkhilfe

  1. Tja, so hat jeder eine andere Muse …

  2. Sofasophia sagt:

    geteiltes denken ist eben doppeltes denken.
    merke: unterschätze nie einen leguan!

  3. Anna-Lena sagt:

    Was so ein kleiner Impuls alles bewirken kann 🙂 .

  4. Ulli sagt:

    … und nun sag bloß nicht, das wäre nur ein Anfang 😉
    es ist rundrum rund, kein Wort zu viel, keins zu wenig und deine Muße ist speziell wunderbar, meine sitzt mir manchmal auf der Schulter, ist weiß, hat Flügel und kann den Kopf um 180° drehen, so sieht sie mehr, als ich es je könnte …

    gerade denke ich noch, dass es ja Romane, wie Sand am Meer gibt, letztes Jahr hatte Eukapirates aka Subadeh Mohafez ein Projekt der 10 Zeilen Geschichten, sie und Mützenfalterin inspirierten mich die Kurzen Zeilen zu schreiben, die ich in den letzten Wochen nach und nach einstellte, das Projekt macht mir große Freude, was auch immer daraus wird …

    • Der Emil sagt:

      Also … wie sag ichs jetzt … Ich habe keinen Leguan. Und meine Flugrattern a.k.a. Nymphensittiche wirken nicht als Muse …

      Das Geschichtchen ist kein Anfang, nein, das ist wirkich vollständig. 😉 Obwohl mir, je öfter ich es lese, irgendwie ein bißchen mehr Atmosphäre lieber wäre. Nur: Jetzt noch Sonnenstrahlstäubchen oder Vogelgesang oder Teppich oder Filzpantoffel hineinzupfriemeln, nein, das gelingt mir nicht …

  5. minibares sagt:

    WAS für eine Pointe!
    Herrlich, ich hatte mich schon gewundert, grins.

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