Heute: Ein paar Worte zum Wort zum Sonntag
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Solange ich dieses Blog betreibe, wollte ich schon immer einmal ein Wort zum Sonntag schreiben. Wie passend, heute wird in evangelischen Kirchen aus dem Lukas-Evangelium gelesen, aus dem 6. Kapitel die Verse 36 – 42. Bestandteil dieses Textes ist:
Richtet nicht, so werdet ihr auch nicht gerichtet. Verdammet nicht, so werdet ihr nicht verdammt. Vergebet, so wird euch vergeben.
Lukas 6, 37 (Lutherbibel 1912)
Eine verda… – Entschuldigung! – wirklich sehr schwierige Aufgabe. Zählt doch das Beurteilen von Menschen, die uns gegenübertreten, zu den ganz alltäglichen und automatisch ablaufenden Prozessen in unserem Hirn. Das muß wirklich so sein, sonst könnten Menschen nicht miteinander umgehen. Ist das Richten gemeint, wie es Richter tun? Oder wie bei Schlosser, Zimmermann o.ä.? Geht es bei diesem Richten um das “Geradebiegen, Glätten und Begradigen”?
Der erste Satz ist wirklich kaum erfüllbar. Vielleicht aber … Vielleicht aber geht es nicht um das Richten, sondern um das Ver-Urteilen, um das Vor-Ver-Urteilen und das Vor-Urteil? In der unrevidierten Elberfelder Bibel steht das so: “Und richtet nicht, und ihr werdet nicht gerichtet werden; verurteilet nicht, und ihr werdet nicht verurteilt werden. Lasset los, und ihr werdet losgelassen werden.” – da ist das Ver-Urteilen anstelle des Verdammens getreten. Und das Loslassen anstelle des Vergebens.
Noch eine Übersetzung («Das lebendige Buch») hätte ich im Angebot, dort heißt die Stelle: “Richtet nicht über andere, dann werdet ihr auch nicht gerichtet werden! Verurteilt keinen Menschen, dann werdet auch ihr nicht verurteilt! Wenn ihr bereit seid, anderen zu vergeben, dann wird auch euch vergeben werden.” Nur in diesem Text wird davon gesprochen, über andere (nicht) zu richten.
Tja, ich werde das Rätsel um diese Bibelstelle nicht aufklären, nicht heute. Heute werde ich auch nicht den Fernsehgottesdienst ansehen (tu ich nicht immer, aber doch). Und in die Kirche hier trau ich mich nicht, noch nicht wieder … Aber vielleicht, vielleicht weiß jemand von den Lesern mehr als ich.
Übrigens gehört zur Lesung auch der Spruch mit dem Splitter und dem Balken im Auge: “Was siehst du aber einen Splitter in deines Bruders Auge, und des Balkens in deinem Auge wirst du nicht gewahr? Oder wie kannst du sagen zu deinem Bruder: Halt stille, Bruder, ich will den Splitter aus deinem Auge ziehen, und du siehst selbst nicht den Balken in deinem Auge? Du Heuchler, zieh zuvor den Balken aus deinem Auge und siehe dann zu, daß du den Splitter aus deines Bruders Auge ziehest!” (Lukas 6, 41-42)
Gut. Genug Bibel für jetzt. Einen schönen Sonntag wünsche euch.
Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.
P.S.: Positiv am 22. Juni 2013 war ein Spaziergang.
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eine der bibelstellen mit allgemeiner gültigkeit. eine aussage, die sich nur erfüllen lässt, wenn man deiner mitwelt gegenüber empathisch unterwegs ist.
liebe grüsse und einen schönen sonntag, soso
ikm Buddhismus heißt es: lasst mich in großer Gelassenheit verweilen, fern von Zuneigung und Abneigung … eine wahrlich schwierige Aufgabe, die es jeden Tag aufs Neue zu üben gilt!
danke für deine Worte zum Sonntag
herzliche Grüße
Ulli
Wir sollten uns öfters mit Zitaten aus der Bibel befassen. Ich finde, das Wort zum Sonntag solltest du als feste Rubrik in dein Blog einbauen.
LG und einen schönen Sonntag,
Anna-Lena
Lieber Emil,
herzlichen Dank für diesen Gedankenanstoß …
Auch ich werde „das Rätsel“ nicht lösen können oder wollen. Aber ich würde für mich vermutlich eine Interpretation oder „Übersetzung“ dazu finden, die vielleicht sogar immer mal wieder unterschiedlich ausfallen könnte.
Heute denke ich, dass mir die Verse vor allem mitteilen wollen:
„Mach Dir bewusst, dass DU, die Du selbst fürchtest, ungerechtfertigter Weise verurteilt zu werden, dies auch mit anderen Menschen verführt bist, zu tun. Willst Du das? Kannst Du aushalten, wenn Dir nicht vergeben wird, obwohl Du weißt, dass Du falsch gehandelt hast, richtig falsch vielleicht. Und warum fällt es Dir so schwer, anderen zu verzeihen?“ Vielleicht sähe meine Interpretation an anderen Tagen ganz anders aus. Ich denke auch an den kategorischen Imperativ von Kant, wenn ich hier Lukas lese:
“ Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde.“ Aber vielleicht ist das schon zu viel.
LG mb
Für Deinen Satz «Kannst Du aushalten, wenn DIr nicht vergeben wird …» habe ich heute ganz unmittelbar ein sehr deutliches Beispiel erlebt. Und ich kann nicht nur, ich mu0 es aushalten …