349 im Advent 2025: 15. Türchen

 
Das ist mein 16. Blog-Adventskalender. Beim Schreiben denke ich oft an die, die krank sind oder Unterstüt­zung benötigen, an alle, die einsam oder allein sind. Möge allen Menschen eine im wahrsten Sinne des Wortes wunder­volle Weihnachtszeit beschieden sein. Meine Kerzen brennen auch in diesem Jahr für alle Menschen und Tiere, vor allem für die, die Hoffnung und Trost brauchen, und für die, die Freude an dieser Zeit haben.

 

Ich vermisse einige Besucher, aber es ist gut, wie es ist.

 

Nun ist sogar der Dritte Advent schon vorbei. Himmel, wie die Zeit vergeht!

Im Erzgebirge ist diese Zeit traditionell auch die der (gegenseitigen) Besuche und die der Hutznohmde (auch -obnde, Hutzenabende, mehr oder weniger geplante Zusam­men­künfte der Nachbarschaft/Dorfgemeinschaft). Da trifft sich Alt und Jung, es gibt Kaffee, es wird geschnitzt und geklöppelt oder andere (kunsthandwerkliche) Tätigkeit ausgeübt, es wird gescherzt, gesungen, erzählt, sich das Maul zerrissen … Und es riecht. Nach Weihnachten, nach Ofenfeuer, Räucherkerzen und Tabakrauch. Das alles gehört dazu, manchmal sogar eine Zither und eine Quetschkommode. Hach ja, die Heimeligkeit im Gebirg.

Und so hoffte ich, daß sich im Advent gute Bekannte bei mir einfinden würden. Der Waldschrat Elim, Tante Erdmute, vielleich auch Peterchen noch ein zweites Mal oder der Patient. Aber nix! Die scheinen alle den Advent am anderen Ende der Welt zu verbringen. (Gut, ein paar Tage haben sie alle noch Zeit; doch meine Hoffnung schwindet.) Vielleicht ist es zum Teil ja meine eigene Schuld – vielleicht bin ich in diesem Jahr nicht offen genug gewesen für sie alle? Sperrt sich etwas in mir gegen diese Figuren, hab ich sie vielleicht schon auserzählt? (Nein, ganz sicher nicht.) Ist meine Verbindung zu ihnen etwa abgebrochen? … Da erinnere ich mich an die Jahre, da ich den Kontakt zur Herkunftsfamilie abgebrochen hatte, nicht ohne Grund, echt nicht, aber ich konnte das damals nicht mehr ertragen. Also den Umgang mit der Herkunftsfamilie. Nach etwa zehn Jahren ging es wieder. Da gehören Familie und Gegend wieder zusammen. Kann das auf die Figuren, die ich mir nicht bewußt ausgedacht habe, auch zutreffen?

Zwingen kann ich niemanden, zu mir zu kommen. Nicht im realen Leben, nicht in meinen Geschichten. Deshalb – oder unter anderem deshalb – schaffe ich es ja auch nicht, eine großen, langen Text fertigzubekommen. Es braucht sozusagen den guten Willen meiner Protagonisten, damit ich Neues über sie erfahre und aufschreiben kann. Und wenn sie alle in der Advents- und Weihnachtszeit andere Pläne haben, dann muß ich das akzeptieren.

Ich werde ja zur Weihnacht nicht bei mir zuhause sein, sondern im Zuhause meiner Kindheit und Jugend. Wer weiß, wie oft das noch möglich sein wird. Und ich fahre dahin, weil ich mich dafür entschieden habe, nicht weil ich muß oder soll. Diese Freiheit gewähre ich meinen Gestalten auch, obwohl ich sie gern „gesehen” hätte.

Eine Advents- und Weihnachtszeit ohne Besuchsverpflichtung ist tatsächlich viel entspannter, meiner Erfahrung nach.

 

Gestern weggegeben bzw. entsorgt:
Einige leere Kartons (kann ich ja irgendwann mal brauchen) brachte ich ins Altpapier.

 

Ich schleiche mich davon und wünsche eine schöne Advents- und Weihnachtszeit.

Der Emil

 

P. S.: Gestern, am 14. Dezember 2025 war ich zufrieden mit dem ausprobierten Geschenk, mit einem vorabendlichen „Mittags”-Schläfchen, mit der Zeit in der Badewanne.


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Über Der Emil

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