Was mitten in der Nacht festgehalten werden muß.
Es ist kurz nach Eins, also tiefste Nacht. Nach drei Stunden Schlaf bin ich wach, weil ich ins Badezimmer mußte, und nun finde ich nicht wieder in den Schlaf zurück. Ja, ich bin deshalb wütend, so wütend, daß ich heulen könnte. Das aber will ich heute und jetzt nicht.
Mir wird klar, daß ich schon geträumt haben muß. Doch statt an den Traum erinnere ich mich nur an einen Satz, an nichts anderes:
Wer keine Fragen stellt, kann keine Geschichten sammeln.
Während ich diese wenigen Worte festhalte, taucht da ein zweiter Satz auf, der – so glaube ich in diesem Moment – auch zu diesem Traum gehört:
Ich werde Dir Geschichten erzählen, bis Du Dich erinnern kannst.
Dabei habe ich nicht die geringste Idee, ob – und wenn ja, wie – beide Sätze zusammengehören. Aber sie sind jetzt aufgeschrieben. Und ich kann die Sätze befragen und mir selbst Fragen stellen, auch zu ihnen, und auf Antworten hoffen. Auf weitere Traumdetails warte und hoffe ich vergebens.
Als ich vor Jahren anfing, auf Papier zu denken und mich auf Papier zu erinnern, vermied ich es noch, mich dabei mit meinen Träumen zu beschäftigen. Träume sind Schäume, nichts von Wert, sie haben keine Substanz. Nicht nur davon war ich überzeugt. Es ist unmöglich sie zu deuten; Träume sind der Abfall, der Ausschuß dessen, was in meinem Hirn vorgeht, bildete ich mir ein. Und auch von dieser Einbildung war ich felsenfest überzeugt. Bis mir eines Tages auffiel: In allen Träumen geht es nicht um Lehrsätze oder rationale Erkenntnis. Sondern um Gefühl und Ahnung. Darum, diese zu erkennen, sie anzunehmen, und im besten Fall sie auch benennen zu können.
Heute Nacht sitze ich (leidlich wach) da und erinnere mich an zwei Sätze aus wahrscheinlich nur einem Traum. Deren mir gerade wichtigsten Worte sind: Fragen, Geschichten, erinnern. Aber wer ist das angesprochene Du? Ob ich das selbst bin, nur ich selbst bin, weil ich in diesem Traum nur Selbstgespräche führte?
Ich weiß nicht, wie real das sein kann, was ich da heut in der Früh kurz nach dem ersten Kaffee schrieb. Doch ich konnte mir diese Szene vorstellen, sah sie vorm inneren Auge, deutlich, lebendig. Kam sie aus einem meiner Träume? An einen solchen kann ich mich selbst jedenfalls nicht erinnern (dafür an zwei andere). Die schreibende Person (und insofern ist sie mir nicht ganz fremd) stellt fast am Schluß eine für mich bedeutsame Frage: „Wer ist das angesprochene Du?”
Erinnerung des Tages:
Vor über 30 Jahren verschlang ich tatsächlich alle über Traumdeutung erhältliche Bücher und stellte fest: Nein, das ist nicht sinnvoll.
Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.
P.S.: Am 11. November 2025 war ich zufrieden mit den fressenden Tauben bei mir auf dem Fensterbrett, mit Couscous mit verschiedenem Gemüse, mit einem halben Marzipanbrot.
© 2025 – Der Emil. Text unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
(Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).


Traumdeutungsbücher sind wie Horoskope – passt irgendwie auf alles!
Wenn ich mich recht erinnere, ist Traumdeutung noch verworrener …
Ich träumte heute Nacht von Dekorkühen auf einem ganz bestimmten Friedhof.
Warum es da nur Kühe gab und keine Engel war aber nicht ersichtlich.
Trotzdem interessant wie ich wohl auf Kühe und Friedhof komme.
Also ich sah jetzt schon öfter Gemüse auf Gräbern wachsen … Und früher wurden die Grasflächen aufm Dorffriedhof von Schafen gepflegt.