Selbstzensur. Oder auch die Angst vor der eigenen Enttarnung.
Artikel 5 des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deuschland, Absatz 1, Satz 3: „Eine Zensur findet nicht statt.”
Allerdings gibt es Inhalte, deren Verbreitung oder Veröffentlichung verboten oder eingeschränkt sind. Ja, die Erstellung ist i. d. R. bis auf wenige Ausnahmen immer gestattet. Schreiben darf ich alles, wirklich alles, aber nicht alles darf ich anderen mehr oder weniger öffentlich zugänglich machen. (Beim Fotografieren oder Filmen ist das schon anders.) Wenn ich selbst entscheide, etwas nicht aufzuschreiben oder etwas Aufgeschriebenes nicht zu veröffentlichen (obwohl beides nicht gesetzwidrig ist und auch nicht gesetzlich eingeschränkt), dann ist das ganz sicher keine Zensur. Die ist eine staatliche Maßnahme – und ich bin nicht der Staat.
Heute schrieb ich etwas auf. Es flossen drei Seiten DIN A5 aus mir heraus. Der fertige Text gefällt mir wirklich gut. Und dennoch werde ich ihn hier nicht veröffentlichen. Das wäre eine rechtliche Grauzone … Ich bin nämlich nicht Anaïs Nin, deren Erotika eindeutig zur Weltliteratur zählen, ich hätte nur ein pornografisches Textchen herzuzeigen. (Aber ich denke ernsthaft darüber nach, eine Möglichkeit dafür zu suchen.) Ohne eine funktionierende Altersüberprüfung möchte ich mir das nicht erlauben. Also steht der Text in einer Kladde, ist sogar schon abgetippt und im Rechner gespeichert, bleibt aber zunächst unveröffentlicht.
Das – nein, mein Problem dabei ist, daß ich deshalb einen anderen Text für den täglichen Blog brauche und schreiben muß (ja, ich müßte nicht, aber naja, ich muß). Leider fand ich keine andere Idee, die ich niederschreiben, ausschmücken und herzeigen könnte. Doof. Deshalb dachte ich, ich langweile euch mit dem heutigen Geschehen und mache euch das Maul wäßrig und mir ein wenig Druck … Auf daß ich genug Traute finde oder Mut, meine „anderen” Texte nicht mehr nur im Schutz einer Pseudonymität oder gar der Anonymität freizulassen.
Erinnerung des Tages:
Ich war vor langer Zeit bei keinverlag.de angemeldet; als ich mich von dort verabschiedete, entfernte ich auch alle meine Texte.
Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.
P.S.: Am 20. Juli 2025 war ich zufrieden mit erledigter Datenschaufelei und -löschung, mit Geschriebenem, mit Grillkäse zum Abend.
© 2025 – Der Emil. Text unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
(Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).


Für dieses Jahr leider schon abgelaufen:
https://www.kirchenkreis-gotha.de/kontakt-und-service/aktuelles/menantes-literaturpreis-fur-erotische-dichtung-2025.html
Es wird dann von den Einsendungen ein kleines Büchlein erstellt.
Ich habe 4 davon.
LG Resiregenbogen
Ich schrieb ganz bewußt: pornografisch. Und denke auch eher an eine Plattform im WWW (früher gab es spezielle Newsgruppen für diese Art von Texten, die vermisse ich etwas).
Aber ich kann mir eine Teilnahme beim nächsten Mal (2028) vorstellen … Danke für den Hinweis.