Nicht das unnütze, sondern das nie gebrauchte.
Wir alle waren in der Schule und haben uns Wissen angeeignet. Mein ganzes Leben hindurch habe ich weiter gelernt, weiter Wissen erworben. Manches davon nutze ich täglich (beispielsweise mein Wissen um/von HTML), manches habe ich außer in Übungssituationen noch nie nutzen müssen (stabile Seitenlage) – aber dafür gäbe es die Notwendigkeit der Anwendung in durchaus möglichen Situationen. Es gibt auch Wissen, für das ich niemals (wieder) die Gelegenheit haben werde, es anzuwenden. Darüber denke ich immer mal wieder nach, nämlich jedesmal dann, wenn ich dieses nie benötigte, aber vorhandene Wissen aufrische. Nein, auch diesmal ist es nicht Russisch gewesen, das ich sintemalen gut genug beherrschte, um Война и миръ von Lew Tolstoi im Original zu lesen (Krieg und Frieden).
Manchmal sind das Dinge aus der Mathematik (Integral- und Differentialrechnung, Fibonacci-Zahlen), aus der Physik (Fluoreszenz und Lumineszenz und intersystem crossing z.B.) oder die längst nicht mehr gebräuchlichen Postleitzahlen der DDR (Zusteller war ich oft in den Ferien). Diesmal ging es auch um etwas, das ich mehreren Ferienjobs im VEB ABS lernte, als ich dort im Stahllager arbeitete: Die Stahlbezeichnungen. Kaltarbeitsstahl, Warmarbeitsstahl, Schnellarbeitsstahl; Kohlenstoffstahl, Edelstahl usw. Sogar einige Bezeichnungen weiß ich noch: X210CrW12, 90CrMnV8, St38, 38SiCrV6. Aber was genau der versierte Fachmann aus diesen Namen herauslesen kann, das weiß ich nicht mehr (ja, die Hauptlegierungselemente, aber die Zahlen bleiben schon lange ein Rätsel für mich).
Ach ja: Zwei Dinge faszinierten mich im Tafelwerk (Tabellen und Formeln, wichtiges Lehrbuch in der DDR, heute auch noch weit verbreitet). Zum einen fanden und finden sich die Alphabete mit deutschen Buchstaben (Fraktur und Kurrent/Sütterlin) darin, zum anderen gab und gibt es alles wichtige zu den Fibonacci-Zahlen (und das Pascalsche Dreieck). Keine Ahnung warum, aber die fand ich auf Anhieb sehr spannend. Ich erinnere mich daran, daß ich einmal ziemlich viele davon mit Stift und Papier ausrechnete (Taschenrechner gab es nicht bzw. hatten zu wenige Stellen). Irgendwann mußte ich das Blatt im Querformat beschreiben – und als die Anzahl der Kästchen auch so nicht mehr zum Notieren der Zahl reichte hörte ich auf (das sind 58 oder 59 Kästchen/Stellen). Ich kann mich an nicht ein einziges Computerprogramm erinnern, daß Zahlen dieser Dimension verarbeiten kann. Da die 201. Fibonacci-Zahl erst 42 Stellen hat (Suchmaschinenergebnis), muß ich wohl einiges weiter gerechnet haben damals, in der siebenten Klasse … Eine weitere Suche führte mich auf eine Webseite, auf der ich herausfinden konnte, welche Fibonacci-Zahlen 58 oder 59 Stellen haben: von der 280. bis zur 288. (Quelle: Die Tabelle von Hermann Wacker, dessen Webangebot noch mehr großartige Inhalte bietet). Seit heute weiß ich: Die 1000. Fibonacci-Zahl hat 219 Stellen (ihr dürft dort gern nachzählen).
Jaja, sonderbares Hobby, ich weiß. Von der Fakultäten erzähle ich euch besser nichts, da wäre nämlich schon der 47. Wert – 47!=1*2*3*4*5*…*45*46*47 – mit 60 Stellen zu groß für die Breite eines Blattes karierten Papiers in der Größe DIN A4 …
Erinnerung des Tages:
Selbst als Schüler mußte ich im Auer Besteck- und Silberwarenwerk ME-Scheine schreiben und verbuchen, alles auf Papier und in den entsprechenden Büchern.
Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.
P.S.: Am 19. Juli 2025 war ich zufrieden mit aufgefrischtem Wissen, mit dem wiedergefundenen Datenrettungstool, mit der Erholung nach ausreichendem Trinken.
Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
(Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).


Das erinnert mich an meine Ausbildung beim gelben Riesen. Dank ihm weiß ich in etwa wo jeder Ort anhand der PLZ in D liegt. Auch nutze ich noch immer den Begriff Postwertzeichen, anstelle von Briefmarken und EU für Erholungsurlaub.