2025 – 143: Jägerzaun

Vor über 50 Jahren durfte ich manchmal helfen.

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Mein Großvater, der gelernter Böttcher war, machte nicht nur Fässer und Bottiche. Nein, der tat auch ziemlich viel von dem, was Zimmerleute und Tischler so taten. Und deshalb baute er auch Zäune aus Holz. Immer dann, wenn ein Jägerzaun (oder Scherenzaun) angefertigt werden mußte, standen drei oder vier Böcke im Hof, auf denen mehrere schmale Balken oder dicke Latten lagen. Irgendeine Schablone war da auch im Spiel, aber ich weißnicht mehr, wie die genau aussah. Sie sorgte für den gleichmäßigen Abstand zwischen den darauf ausgelegten Zaunslatten. Die waren meist „Abfall”-Holz – es waren Abschnitte, die beim Sägen von Vierkantlatten aus dünneren Hölzern anfielen, und deren Querschnitt war gewölbt, ähnlich einem Kreis­segment. Und waren zwar meist entrindet, aber nicht immer gehobelt, sie blieben gerade so, wie das Holz gewachsen war.

Auf jenem Gestell wurden also in gleichmäßigen Abständen (Schablone) in einheit­li­chem Winkel eine Anzahl Latten aufgelegt. Darauf kam eine zweite Schicht, die im an der Senkrechten gespiegelten Winkel aufgelegt wurde. Und dann wurde genagelt. Überall da, wo Zaunslatte auf Zaunslatte lag, wurde ein Nagel einge­schla­gen. Einer nur, denn das Scherengitter sollte beweglich bleiben. Die auf der Rückseite heraus­ra­genden Nagelspitzen wurden – auch in Handarbeit – ordentlich versenkt. Die Höhe des aufgebauten Zaunes ließ sich leicht verändern: Er wurde flacher, je weiter die Felder auseinandergezogen wurden. Die übliche Breite sollte wohl 2,5 m sein.

Die genagelten Zaunteile wurden erst beim Zaunaufbau endgültig fertiggestellt. Nach dem Annageln an die Riegel wurden nämlich die Enden der Latten gerade abge­sägt, waagerecht unten und oben mit einer Handsäge an einer Richtschnur entlang und ebenso an den Seiten jeweils senkrecht. Es war der Ehrgeiz des Handwerkers, also meines Großvaters, daß die Enden der Zaunslatten ganz exakt aneinanderstießen, ohne (großen) Spalt und um Himmels Willen nicht schief. Alles in Handarbeit, ohne Strom, ohne Maschinen, immer mal wieder eine echte Friemelei. Das ist heutzutage kaum mehr vorstellbar, und es wäre wahrscheinlich auch vielen viel zu teuer.

Solche Zäune aus unbehandeltem Holz hielten zwanzig und mehr Jahre. Sie dunkelten nach, wurden grau und grauer. Aber sie standen. Großvater starb 1972, der Zaun um das dann von meinen Eltern geerbte Grundstück wurde erst nach der Wende erneuert, da war der Zaun sicher mehr als 30 Jahre alt. Und als Kind gefiel mir ein Jägerzaun weitaus besser als jeder andere, denn der ließ sich wunderbar über­klettern. Und er war auch die perfekte Rankhilfe für verschiedene Pflanzen, die zu seinen Füßen wachsen durften.

Heute freu ich mich, wenn ich irgendwo solche Zäune sehe, sie sind seltener geworden in der Landschaft, in den Kleingartenanlagen. Und ich sehe dann meinen Opa, wie er die Nägel aus Hosentasche fischt und sie mit nur wenigen Schlägen des Zimmer­mannshammers in den Latten versenkt.

 

Erinnerung des Tages:
Als ich heute einen ziemlich alt aussehenden Jägerzaun sah, erinnerte ich mich lebhaft an deren Herstellung etwa 1970.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 23. Mai 2025 war ich zufrieden mit einer kurzen Busfahrt mit Umleitung, mit einer Umarmung am Nachmittag, mit dem in der Stadt gefallenen Regen.


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Über Der Emil

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5 Kommentare zu 2025 – 143: Jägerzaun

  1. Wolfgang sagt:

    Interessant. Man macht sich keine Vorstellung, wie vie Mühe im ein solches Handwerksstück geflossen ist.

  2. anneeulia sagt:

    Stimmt,
    rüber klettern hatten wir können beim Nachbarn,
    aber das traute sich beim Waldi der dann unten stand und knurrte vermutlich keiner.😀

    • Der Emil sagt:

      Ich habe in menem ganzen Leben erst einen einzigen (Polizei-)Hund erlebt, der sich nicht durch irgendwas Leckeres besänftigen ließ.

      • anneeulia sagt:

        Waldi war kein Polizeihund eher ein im Alter zu dick gewordener Dackel.
        Er tat mir später immer nur Leid.
        Aber er soll angeblich bissig gewesen sein und in jungen Jahren kam Er wohl auch auf die Mauer rauf auf der der Jägerzaun stand.
        Ich hatte als Kind keine Angst aber ich wusste halt auch das Dackelzähne weh tun können zumal er richtig laut wurde und das hätte ja den Nachbarn zum gucken bewegt.
        Soweit ich mich erinnere war Waldi ein ganz lieber aber man musste es ja nicht herausfordern.
        Uns wurde eher mal gesagt das die Hunde in der Siedlung bissig sind.
        Das Sie es oft nicht waren wurde uns erst später bewusst.
        Das lernt man dann als größeres Kind auch.

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