266–2024: Stimmungswechsel

Manchmal reicht dazu ein leichter Hauch, manchmal braucht es mehr.

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Auf dem Tisch draußen liegt ein einzelnes Kastanienblatt, braun und trocken. Ich sah es schon gestern dort liegen – oder schon vorgestern. Oder war das ein anderes Blatt? Das könnte durchaus sein.

Langsam wandern die Schatten weiter. Ein paar Minuten noch, dann scheint die Sonne auf das einsame Blatt. Ich überprüfe jetzt zum x-ten Mal meine Kamera auf dem Stativ. Ich möchte in Bildern festhalten, wie das Sonnenlicht Besitz ergreift vom trockenen Blatt und vom Tisch, auf dem es liegt. Will die Farben einfangen und die Herbststimmung, die ich in diesem minimalistischen Stilleben zu ent­decken glaube.

Da sind die ersten Millimeter des Tischs von der Sonne beleuchtet. Ein erstes Bild ist gemacht, der Film ist transportiert, die Kamera wieder aufgezogen. Durch den Sucher kann ich beobachten, wie ein plötzlicher Windstoß aus dem Nichts heraus das Blatt ergreift und vom Tisch zu tragen versucht. Ich löse ein zweites Mal aus. Vom nunmehr leeren Tisch ist die Herbstimmung verschwunden. Vielleicht finde ich sie noch in den beiden Bildern, wenn ich den entwickelten Film und die Abzüge in den Händen halte, später, irgendwann.

 

 

Erinnerung des Tages:
Vor vielen Jahren war ich mit einem Schwan „befreundet”: Wenn ich an den Ententeichen war zum Füttern, dann durfte ich das Tier tatsächlich über drei oder vier Jahre streicheln.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Zufrieden war ich am 22. September 2024 mit aussortierten Büchern, mit einigem umge­räum­ten Schreib­zeug, mit weggeworfenen Billigkugelschreibern u.a. Stiften (alle ausgetrocknet).

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Über Der Emil

Not normal. Interested in nearly everything. Wearing black. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler.
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4 Kommentare zu 266–2024: Stimmungswechsel

  1. Elvira sagt:

    Es gibt so viele stimmungsvolle Bilder verschiedener Jahreszeiten, Landschaften u.s.w. Doch irgendwie gelingt es (mir) nie vollständig, die Stimmung im Foto festzuhalten, die ich gerade fühle. Es werden mitunter sehr gute Fotos, die eine Stimmung erzeugen, aber wenn ich sie ansehe, dann kann ich meine Stimmung nur noch erahnen. Weißt du, was ich meine? Ich kann das leider nicht besser ausdrücken.

    • Der Emil sagt:

      Oh ja, das kenne ich auch. Vielleicht fehlt beim bloßen visuellen Eindruck eben all das andere, das zur Stimmung beitrug: Gerüche, Luftbewegung, Geräusche … Manchmal versagt meine Erinnerung daran, und dann weiß ich zwar, welche Stimmung ich da einfangen wollte und eingefangen habe, kann sie aber nicht reproduzieren.

      Dennoch mag ich solche Stimmungsbilder (nicht nur meine).

  2. Sonja sagt:

    wie schön, das mit dem Schwan! überhaupt, deine Stimmungsschilderungen gefallen mir!
    Gruß von Sonja

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