2023/089 – Übungssache


Mit Links – und ein wenig überflüssiges Wissen.

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Wenn ich mit der Tinte und den Federn auf einem Markt herumsitze, begegnen mir immer wieder Kinder (und natürlich auch Erwachsene), die mit der linken Hand schreiben. Vielleicht habt auch ihr schonmal diese sonderbare Hand­hal­tung bei Linkshändern gesehen? Mit weit abgenickter Hand führen sie den Stift von oberhalb der Zeile von links nach rechts. Damit geht die Hand immer über die noch feuchte Tinte, auch im Verlauf der Zeilen von oben nach unten. Klar, bei Bleistift und Kugelschreiber besteht die Gefahr des Verwischens nicht …

Dennoch. Es gibt es eine Methode, die wie jede Schreibhaltung „nur eine Übungssache” ist. Es ist nämlich möglich, auch als Linkshänder den Feder­halter so zu führen, daß die Hand in Schreibrichtung immer vor der feuchten Tinte bleibt. Ich habe das irgendwann irgendwo einmal gesehen oder gelesen oder erzählt bekommen, und seitdem übe ich es ab und zu. Als Beidhänder wurde ich zwar nicht direkt umerzogen in der 1. Klasse, aber ich durfte nur mit der rechten Hand schreiben lernen und habe mich daran gehalten. Um mit der linken Hand zu schreiben, drehe ich das Papier einfach um etwa 90° im Uhr­zeigersinn! Und dann? Dann schreibe ich mit der linken Hand auf dem Papier von oben nach unten und fülle das Papier Zeile für Zeile von rechts nach links. So ist die Hand immer vor der Schrift, vor der feuchten Tinte: unter den Buch­staben und unter den Zeilen.

Noch habe ich viel zu wenig Übung darin, mit der linken Hand zu schreiben. An einer Schultafel o. ä. geht es einigermaßen (auch ohne die Drehung der Tafel) in Kapitälchen (oder Blockschrift). Auf dem gedrehten Papier ist das Schriftbild sehr zittrig, noch. Damit das besser wird, übe ich die Linkshändigkeit seit Anfang des Jahres immer mal wieder, mit lateinischer Druck- und Schreib­schrift. Ich gestehe: Weil ich vieles mit beiden Händen machen kann, stellte ich mir das Schreiben mit der linken Hand viel einfacher vor, als es ist. Sehr viel einfacher! Aber es gibt ja sehr viele Menschen, die von oben nach unten und von rechts nach links, also senkrecht linksläufig (z. B. Japanisch, Chinesisch) oder von rechts nach links und von oben nach unten, also waagerecht links­läufig (Arabisch, Hebräisch) schreiben. Irgendwie sollte ich es also irgendwann auch lesbarer hinbekommen. Hier, hier wird üblicherweise eben waagerecht rechtsläufig geschrieben – und owohl ich mit Links scheinbar senkrecht links­läu­fig schreibe, bleibt die Leserichtung, also die Laufrichtung der (fertigen) Schrift waagerecht rechtsläufig. Verwirrend.

Die in meinen Augen ungelenken Resultate meiner Übungen zeige ich trotzdem lieber (noch) nicht her.

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke fürs Lesen.

Der Emil

 

P.S.: Am 30. März 2023 war ich zufrieden mit den linkischen Schreibübungen, mit dem Unterwegssein draußen, mit dem Seelebaumelnlassen.

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Über Der Emil

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2 Kommentare zu 2023/089 – Übungssache

  1. Sofasophia sagt:

    Der 90Grad-Trick ist kuhl. Ich bin Rechtshänderin, schreibe oder kritzle aber immer mal wieder mit links, und mit deinem Trick zittere ich viel weniger als bei waagrechtem Schreiben.
    🤜🏼🤛🏼

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