Ein Wort, das plötzlich in einem Satz erschien.
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Ich twitterte heute (der Satz war einfach da, ich weiß nicht, woher er kam):
Die Gitter unseres Argwohns schützen uns meist gut davor, außerhalb davon Erfahrungen zu machen, die sie überflüssig werden lassen.
#wahrtwittern
(Link zum Tweet)
Argwohn. Argwöhnisch. Sind das nicht Synonyme (bedeutungsgleiche Wörter) für Vorsicht und vorsichtig?
Nicht ganz. Sogar eher nicht.
Argwohn – jemand wähnt Arg (Böses, Böswilligkeit, Falschheit) oder Arges – ist die Vorstufe zu einem (auch strafrechtlichen) Verdacht, eine von Tatsachen nicht begründete Vermutung, geradezu eine Erwartung von Negativem i. w. S. Der Wikipedia-Artikel zu Argwohn beschreibt es so: „Der Argwohn ist eine (noch) unbestimmte, weitestgehend unbelegte, Meinung von einer Person, Sache oder einem Rechtsverhältnis.” Für mich sind dabei die Unbestimmtheit und die Unbelegtheit des Argwohns wichtig.
Am Nachmittag dachte ich über meinen Satz nach. Über mich und meinen Argwohn. Der tatsächlich auch zu meinem Alltag gehört, lange schon, tief verwurzelt ist in meinem Erleben eben wegen all der erlebten „Unannehmlichkeiten” (ein Euphemismus auch für all die Scheiße, die ich selber gebaut habe). Ich habe meinen Glauben an das Gute im Menschen nicht verloren, nein, aaaaaaaaber (ihr könnt euch vorstellen, wie dieses aaaaaaaaber klänge, hörtet ihr es): Wenn es um die Funktionen geht, die die Menschen haben, wenn die Menschen zu bestimmten Institutionen, Organisationen gehören oder für solche arbeiten, dann bin ich extrem argwöhnisch. Dann vermute ich hinter allem, daß es mir nur Schwierigkeiten bereiten wird. Nicht hilfreich sein kann.
Ich kann kein einzelnes Ereignis ausmachen, das mich zu diesem Argwohn brachte. Es waren sehr viele kleinere Begebenheiten. Jede davon vertiefte die Wunden, die ich schon mit mir herumtrug, die sichtbaren und die unsichtabren.
Nun, seit einiger Zeit (es sind wohl etwas mehr als zehn Jahre) versuche ich, meinen Argwohn im Zaum zu halten. Und eben nicht zuerst etwas Unangenehmes, Böses, Bösartiges zu vermuten. Ich versuche, Vorsicht walten zu lassen ohne argwöhnisch zu sein. Das ist, und das könnt ihr mir glauben, für mich ein schwieriger Balanceakt. Einer, der noch immer immer wieder einmal dadurch gestört wird, daß es eben doch Böses und Falsches gibt, dem ich begegnen muß (oder Bosheit und Falschheit). Ja, es gibt beides. Aber ich setze nicht mehr überwiegend voraus, daß es ausschließlich Bosheit und Falschheit sind, die mich erwarten. Mein Denken hat sich diesbezüglich durchaus schon geändet.
Blauäugig bin ich deswegen noch lange nicht wieder …
Ich schleiche mich davon und sage Danke fürs Lesen.
P.S.: Gut fand ich am 19.10.2022 das Nachdenken über den Argwohn samt der dazugehörigen Erkenntnis, zwei wissenschaftlich-phantastische Bücher aus dem öffentlichen Bücherschrank, die gefundene und bei der TOOH abgegebene Vertragsmappe.
Für morgen zog ich die Tageskarte Königin der Kelche.
© 2022 – Der Emil. Text unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
(Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).


Ha, dieser gekonnte Twittersatz hat mich sehr an verzwickte Textaufgaben in Mathe erinnert.
🙂
Oh … Das war blanke Absicht.
Im Laufe des Lebens auch SEHR vorsichtig geworden…
Grüße von Sonja
Vorsichtig bin ich noch immer, aber eben ohne die zwanghafte Erwartung von Argem. Das rechne ich mir übrigens als Erfolg an.
Habe gerade erst diesen Beitrag gelesen. Von meiner Schwester habe ich gelernt:
„Man muss mit allem rechnen. Auch mit dem Guten“
In diesem Sinne wünsche ich schöne Erfahrungen!
Lin