Oder: Die mangelnde Flugfähigkeit der Menschen.
To get a Google translation use this link.
Da hatte sie ihre Höhenangst überwunden, war bis ganz oben hinaufgestiegen auf den Turm. Hatte den Wind gespürt und in die Ferne sehen können. Dabei wuchs ihre Sehnsucht nach der Ferne, nach dem, was sie dort vermutete, erhoffte. Sie stand da oben. Lange Zeit.
Eines aber machte ihr wirklich Schwierigkeiten, nachdem sie es endlich erkannte. Um irgendwohin zu gelangen, stand ihr ein langer Weg treppab bevor. Hinuntersteigen, ehe sie wieder anderes kennenlernen konnte. Jeder Weg hinab machte ihr unheimlich viel Angst – noch schlimmere Angst hatte sie davor, vielleicht nie wieder hinaufsteigen zu können, irgendwohin hinauf. Es blieb ihr aber keine Wahl, und so ging sie mit zitternden Knien die Treppe hinab, zurück auf den Boden der Tatsachen.
Doch wenn sie hätte fliegen können, dann hätte sie wohl eine ebensogroße Angst gehabt vor einer Landung.
Ich schleiche mich davon und sage Danke fürs Lesen.
P.S.: Gut fand ich am 23.08.2022 ein Eis, einen dummen Witz (der einfach nur zu wahr ist, um witzig sein zu können), ein paar gemachte Fotos.
Für morgen zog ich die Tageskarte Sechs der Kelche.
© 2022 – Der Emil. Text unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
(Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).


Sehr gern gelesen. So wahr.
Danke.
Beim Lesen fiel mir ein Zitat von Carl Gustav Jung ein: „Das Ziel liegt nicht auf dem Gipfel, sondern im Tale, wo der Aufstieg begann“. Keine Ahnung, warum es mir gerade jetzt einfiel.
Irgendetwas in mir sagt, daß das nicht die Wahrheit sein kann, nicht die der Protagonistin und nicht meine.
Vielleicht hat die Überwindung der Höhenangst ihren ganzen Mut gefordert? Vielleicht hat sie Angst, dass das, was sie in der Ferne zu finden glaubt, dann doch nicht dem entspricht, was sie sich erhoffte? Vielleicht aber glaubt sie auch, dass ihr das nicht zusteht? Es gibt so viele Gründe (und Ausreden – ich weiß, wovon ich spreche), den ersten Schritt nicht zu machen.