Es könnte so geschehen sein.
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Kurz vor dem Schlafengehen, vor dem letzten Gang ins Bad fand ich über meinem Bett eine Spinne. Die ließ sich gerade an einem Faden von der Decke herab. Spinnen gehören nun aber nicht gerade zu den mir lieben Bettgenossen (wie auch ganz viel anderes krabbelndes Getier). Also ergriff ich flugs ein Glas und schob es von unten über das nur noch knapp über dem Bett schwebende Tierchen. Danach deckte ich das Glas mit einer Ansichtskarte zu. Weil ich es in jenem Moment aber sehr, sehr eilig hatte, konnte ich das Glas nur im Vorbeigehen auf das Fensterbrett stellen und mußte ins Bad eilen.
Nach kaum einer Viertelstunde war ich zurück und sah das Glas am offenen Fenster stehen. Ach ja, die Spinne. Jetzt erst stellte ich das leere Glas auf den Kopf. Das leere Glas? Huch? Leer? War die Spinne entflohen? Nun, ich selbst war es, der ihr diese Möglichkeit gelassen hatte: Die Ansichtkarte war ein wenig gewölbt. Und hinaufgelettert ist das Tierchen wohl an dem Teil ihres Fadens, der beim Einfangen an der Kante der Karte abgetrennt wurde und dort klebengeblieben war. Die Spinne war allerdings weder auf dem Fenstersims noch auf dem Fensterbrett oder am Boden vor dem Fenster zu sehen. Was blieb mir da übrig außer: dem Tierchen eine gute Reise zu wünschen in der Hoffnung, daß es aus dem Fenster hinaus ins Freie gelangt sei?
Ich schlief gut in jener Nacht und träumte auch nicht von sechs- oder achtbeinigem Getier.
Ich schleiche mich davon und sage Danke fürs Lesen.
P.S.: Gut fand ich am 10.06.2022 die ruhige Ankunft in der anderen Zeit (inkl. Aufbau), die wiedergefundene Fabulierlust, die ehrliche Wiedersehensfreude.
Für morgen zog ich die Tageskarte Drei der Kelche.
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(Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).

