Nº 102 (2022) – Angeregt

Es wird wohl ein Mysterium für mich bleiben.

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Ja, wieder hat mich jemand dazu inspiriert, laut nachzudenken oder meine Denkerei herzuzeigen. Diesmal war es Elvira mit ihrem Kommentar beim gestrigen Blogbeitrag „Rockerrente”, der mich an eine Merkwürdigkeit der Geschichte erinnerte. Aber ist die vielleicht nur in meiner, nur in meiner Erinnerung vorhanden? Von Elvira angeregt entstand das Folgende:

Es geht (wie gestern) wieder um mein Erleben meiner DDR – eure kann ganz anders gewesen sein. Wir Jugendliche hörten Westradio, sahen Westfernsehen und wußten natürlich von den westdeutschen Rock- und Popgrößen und kannten auch deren Lieder. Viele konnten wir sogar ziemlich textsicher mitsingen. Nur wenige konnten sich diesem Wissen entziehen (ZDF. ARD. hieß es nicht ganz ohne Grund). Meines Wissens bestand für die bundesdeutschen Rundfunkanstalten durchaus auch der Auftrag, die Menschen in der DDR „mitzuversorgen”. Leider weiß ich nicht und konnte auch nichts Substantielles dazu herausfinden, ob auch die Fernseh- und Radioprogramme der DDR so ausgestrahlt wurden, daß die wesentlich größere BRD ähnlich flächendeckend mitversorgt werden sollte/wurde. Ich befürchte, daß das vor allem einfach nicht geleistet werden konnte. (Falls jemand da eine verläßliche Quelle hat: Ich bin für jeden Hinweis dankbar.)

Jedenfalls war ich – und ich denke, das war die Mehrheit meiner Generation auch – sowohl neugierig auf alles, was jenseits der Grenze war. Und neugierig darauf, ob es dann eher so wirklich ist, wie es im Westfernsehen gezeigt wurde oder ob das stimmte, was man uns in unserem Land darüber beibrachte. Mir war wie fast allen aus meinem Umfeld klar, daß da wohl eine Mischung aus beidem vorzufinden wäre. Das wurde mir dann bei gelegentlichen Besuchen durch westdeutsche Verwandschaft auch bestätigt. Das Interesse der DDR-Bürger am Leben in der BRD wurde nach meinem Empfinden nicht nur, aber auch von Radio und Fernsehen aus dem Westen am Leben erhalten – und natürlich von der dagegen ankämpfend allgegenwärtigen „Verteufelung” des Kapitalismus (und auch der BRD) in den DDR-Medien.

Und nun das Rätsel, das Mysterium, das auch nur ein scheinbares und/oder nur für mich eines sein kann:

Ich habe den Eindruck, daß dieses Interesse am anderen deutschen Land in der DDR normal und wirklich weit verbreitet war. Wenn ich mit Menschen (nicht nur) meiner Generation spreche, die im Westen aufwuchsen, dann … Dann frage ich mich, wieso die Menschen in der BRD nicht ebenso an unserem Leben in dem für sie anderen deutschen Land interessiert waren wie wir in der DDR an ihrem Leben in der BRD? Und nein, wir wollten nicht alle in den Westen auswandern und wir wollten nicht alle so leben wie im Westen. Aber wir interessierten uns dafür. Ja, weil wir auch die Gelegenheiten hatten, uns in Radio und Fernsehen beider Seiten darüber zu informieren. Wir wußten auch, daß beides nicht die volle Wahrheit zeigte, und waren darin geübt, zwischen den Zeilen zu lesen.

War das im Westen wirklich so anders? Und wenn ja, wieso? Und wenn nein, wieso kommt es mir so vor?

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke fürs Lesen. Morgen habe ich auch ganz bestimmt ein anderes Thema.

Der Emil

 

P.S.: Gut fand ich am 12.04.2022 die ausgeladene Ausrüstung, die gefundene Ursache für einen üblen Geruch und ihre Beseitigung.
 
Für morgen zog ich die Tageskarte V – Der Hierophant.

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Über Der Emil

Not normal. Interested in nearly everything. Wearing black. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler.
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15 Antworten zu Nº 102 (2022) – Angeregt

  1. Andrea Sophie sagt:

    Guten Abend 😃
    Kann nur für mich, und meine Familie sprechen.
    Ich bin in NRW aufgewachsen.
    In unserem Umfeld gab es viele, die Familie und Verwandte ,“drüben“ hatten.
    Daher war unser Interesse, am Leben in der DDR, immer recht gross.

    Vielleicht dachten viele, dass die Menschen dort, als „arme Verwandte“, ihnen keinen Vorteil bringen, und daher uninteressant waren..

    Was völliger Blödsinn war.

    Grüsse aus München.
    Andrea Sophie

    • Der Emil sagt:

      Das habe ich nicht „laut auszusprechen“ gewagt, daß mit dem Vorteil … (Ich denke, daß das nur ein blödes Vorurteil ist.)

      • Andrea Sophie sagt:

        Mh, ich kann das nur aus meinem, damaligen, Umfeld berichten.
        Sinngemäß, „Ach die Verwandtschaft in der Zone, was sollen wir dort hinfahren, und sie besuchen. Uninteressant. „?
        Vielleicht war das auch nur ein extremes Beispiel.

  2. fabe sagt:

    Hier in Hannover gab es DDR1 und DDR2 sehr passabel zu empfangen, ich habe dort hauptsächlich die Spielfilme gesehen, vielleicht auch mal in die Aktuelle Kamera reingeraten, aber damals hat man noch nicht gezapped. Ach ja, und das Sandmännchen natürlich. Da fand ich besonders die kleinen Geschichten im Vor- und Abspann super, wenn das Sandmännchen mit irgendeinem Fortbewegungsmittel zu irgendwelchen Kindern kam, um … das Sandmännchen zu schauen. Was sonst 😉 Ich weiß nicht mehr, ob es versetzt lief oder zur selben Zeit wie das BRD-Sandmänchen, aber das habe ich in meiner Sandmännchen-Phase sowieso nicht unterschieden.

    Das DDR-Fernsehen haben hier alle gesehen, zumindest was die Spielfilme betrifft, auch die Märchenfilme zum Beispiel.

    Ich weiß nicht mehr, ob es das bei Cousin und Cousine in Paderborn auch gab.

    Im Radio DT64, verrauscht oder auf MW, aber das fand ich interessant, wenn ich mich recht erinnere. Kann mich aber an nichts Konkretes erinnern. Später dann Sputnik, die Proteste, als es nur noch auf der Mittelwelle laufen sollte, habe ich auch mitbekommen.

    • Der Emil sagt:

      Das Sandmännchen … Ab und zu hab ich, wenn ich in Mecklenburg bei der Verwandtschaft war, den West-Sandmann gesehen – aber der war nicht halb so interessant wie unserer.

      Und Sonnabend wurde Ilja Richter geschaut: Licht aus, Spot an!

  3. Nati sagt:

    Ich denke ich bin zu jung um mich an solche Dinge zu erinnern.
    Ich weiß nur dass meine Uroma stets Päckchen verschickte zur Verwandtschaft in den Osten. Sie bereitete auch manche Spezialitäten zu, wie z.B. Quarkkeulchen. Ursprünglich kam sie aus Dresden. Als die Mauer fiel, kam die Verwandtschaft öfter zu uns nach NRW zu Besuch. Vor ein paar Jahren sind sie dann nach München gezogen.

    • Der Emil sagt:

      Deshalb schreibe ich ja von meiner Generation, die zwischen 1955 und 1970 Geborenen …

      Manchmal denke ich, daß die, die nicht viel bewußt mitbekommen haben von der Wende (egal, auf welcher Seite des Zauns), einiges verpaßt haben.

  4. Wolfgang sagt:

    DDR Fernsenen bekamen wir nicht rein bei uns in der Nähe von Aschaffenburg, aber wir hatten Verwandtschaft in Altenburg in Thüringen, die auch mal rüber durften, weil sie schon in Rente waren. Es war immer sehr spannend zu erfahren wie es drüben ist. An Weihnachten wurden dann Pakete ausgetauscht. Wir haten Räucherhäuschen aus dem Erzgebirge und Pyramiden. Ich hatte ein tolles Adventskaldenderbuch mit einer Geschichte aus Russland, die ich sehr mochte. Sonst hörte ich Kurzwelle, Radio Moskau, Polskie Radio, Radio Praha etc.pp. Es war eine spannende Zeit.

  5. Elvira sagt:

    Das Sandmännchen gehörte auch bei uns zum Standard. Natürlich konnten wir hier in Berlin (West) das Fernsehen aus dem Ostteil des Landes sehr gut empfangen. Die Märchenfilme waren sehr beliebt, Und ab und zu „Der schwarze Kanal“, der uns zeigte, wie die Bürger im Osten uns im Westen wahrnehmen sollten. Na ja, später zog das ZDF-Magazin nach. Es war damals nicht so einfach, Propaganda eindeutig zu erkennen. Gut, wenn man Verwandte „drüben“ hatte, die man zwar (noch) nicht besuchen durfte, die aber schon zu uns durften. Wir haben uns immer über den Besuch gefreut, denn die Tanten brachten Geschenke mit; Schönes Geschenkpapier und Bänder, Schallplatten und auch Bücher, die es hier nicht gab. Als „arme Verwandte“ haben wir sie nie gesehen. Was aber auch daran gelegen haben mag, dass sie ebenfalls in Berlin – der Hauptstadt der DDR – lebten.
    Nach dem Fall der innerdeutschen Grenze wollten wir natürlich die Gegenden kennenlernen, die wir bis dahin nicht besuchen konnten. Unsere erste Reise führte uns nach Thüringen. Wir waren (und sind) völlig normale Menschen, nicht gerade gut betucht, aber wir hatten immer ein Auto. Als wir mit dem Kombi und den Kindern am Ferienhaus ankamen, war die erste Frage der Vermieter, ob wir aus dem Westen oder dem Osten kommen. Ihre Reaktion auf unsere Antwort haben wir zunächst nicht verstanden: „Oh, hätten wir das gewusst, hätten wir alles schöner für Sie gemacht.“ Uns erwarteten Zimmer mit 20-Watt-Glühbirnen und eine sehr schmutzige Küche. Wir haben uns darüber nicht beschwert, sondern geputzt und hellere Birnen gekauft. Der Urlaub dort wurde noch sehr schön und wir hatten regen Kontakt mit den Vermietern und den Nachbarn. Aber der Kontrast zwischen diesem Ort und der nur wenige Kilometer entfernten Ortschaft im Westen war extrem. Die Vermieter erzählten uns, dass jeder, der zu Besuch in den Ort kam, einen Passierschein benötigte – also Besucher, die ebenfalls in der DDR lebten!. All so etwas wussten wir nicht.
    Und so ging es wahrscheinlich den meisten Menschen auf beiden Seiten der Grenze, die nicht gerade in Berlin lebten. Das normale Alltagsleben blieb verborgen.

    • Der Emil sagt:

      Wobei es durchaus einige in der DDR gab, die die Darstellungen in den Fernsehserien für den wahren Alltag hinterm Zaun hielten – sehr wenige waren sie dennoch …

  6. Ja, irgendwann muss ich in den sauren Apfel beißen und einen neuen Blog-Beitrag zu meinem Leben in meiner DDR schreiben. Es sind einfach zu viele Leser, die viel zu wenig wissen. Auch die neuen Filme zur DDR-Geschichte sind oft ein Desaster…
    Grüße nach Halle aus der anderen Stadt mit Laternenfest!

    • Der Emil sagt:

      Ja. Aber was nutzt es, wenn unsereiner über sien DDR-Leben schreibt. Die Deutungshoheit haben wirklich unwissende Wessis sich angeeignet (und wir standen ziemlich machtlos daneben).

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