Nº 056 (2022) – Unsortiert

Jedes Textstück hätte es verdient, ein eigener Beitrag zu werden.

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Von den heute weggeworfenen Zetteln und aus verschlissenen Schulheften sammelte ich die folgenden Sätze, die wohl – bis auf die eine vermerkte Ausnahme – alle in den letzten vier oder fünf Jahren von mir aufgeschrieben wurden. Ich streue sie hier einfach in den Wind – auf daß sie fruchtbaren Boden finden und etwas aus ihnen erwachsen kann.

 

 

Der vollständige Rückzug aufs Private ist keine Option. Weil der Mensch ein zoon politikon ist, weil ich ein soziales Wesen bin.


Hat schon jemals ein Mensch auf dieser Erde erlebt, daß ein Krieg durch einen Krieg beendet wurde? Dennoch gibt es Menschen, die dieses Wunder für möglich halten. Glauben die auch, daß Geld eßbar ist?


Wenn ich dazu in der Lage wäre, würde ich bestimmte Ereignisse dieser Zeit ausblenden aus dem, was mich erreicht. Heile Welt aber will ich dennoch nicht haben.


Ich glaube noch immer an das Gute im Menschen, obwohl dieser Glaube schon oft enttäuscht wurde. Seit vielen Jahren glaube ich allerdings nicht mehr an das Gute in der gesamten Menschheit – obwohl dieser Glaube auch immer nur von wenigen Menschen erschüttert wurde.


Ich trinke viel mehr Tee als vor zwei Wochen, doch längst noch nicht wieder so viel wie vor drei Jahren. Wodurch das wohl angeregt oder verursacht wurde, wüßte ich zu gern.


Überall auf der Erde taut es, schwindet der Dauerfrost in der Natur, weil wir Menschen (gut, einige Profiteure, die Macht ausüben können) in unserer Gier nichts gegen die Klimaerwärmung tun. Nur zwischenmenschlich wird es allgemein frostiger.


Als Kind weigerte ich mich vehement, Rotkohl zu essen, ganz gleich, wie er zubereitet war. Als ich begann, für mich selbst zu kochen, versuchte ich mich auch an Rotkohl. Heute liebe ich dieses Gemüse, gegart und als Rohkost.


Wieso fällt es so vielen Menschen so schwer einzusehen, daß der Kampf gegeneinander schon längst abgelöst sein müßte durch den Kampf miteinander ums gemeinsame Überleben?


Vor fast dreißig Jahren schon notiert: Wer dem Wahnsinn dieser Welt entfliehen will, dem bleibt wohl keine andere Wahl als die, selbst wahnsinnig zu werden und in einer beschützenden Einrichtung Unterschlupf zu finden.


Der einzelne Mensch, so wird allgemein festgestellt, wird altersweise und altersmilde. Anders ist das bei der gesamten Menschheit: Da verhindern das ein paar starrsinnige, unverstehbare Machthaber sehr zuverlässig.


Wenn in der Welt da draußen Menschlichkeit und Solidarität, Miteinander und Verständnis füreinander fehlen, dann will ich mein Bestes tun, um all das wenigstens im Kleinen, in meinem direkten Umfeld möglich werden zu lassen.


Je wichtiger mir das scheint, was ich zu einem bestimmten Thema beizutragen hätte, desto leiser werde ich. Viele Menschen interpretieren Schweigen als „Nichts zu sagen haben” und liegen damit völlig falsch.

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke fürs Lesen.

Der Emil

 

P.S.: Gut fand ich am 25.02.2022 frühes Aufstehen und der Besuch bei einem Amt, diverse erledigte Hausarbeit, ein auf der Straßegefundenes und bisher ungeöffnetes Päckchen Tabak.
 
Für Morgen zog ich die Tageskarte Neun der Münzen.

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Über Der Emil

Not normal. Interested in nearly everything. Wearing black. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler.
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7 Antworten zu Nº 056 (2022) – Unsortiert

  1. Sofasophia sagt:

    Wahre Worte. Als Ganzes und einzeln gesehen. Danke dafür.

  2. Nati sagt:

    In manchen finde auch ich mich wieder.

  3. Jana Rau sagt:

    https://m.youtube.com/watch?v=rg95UMcOOL8
    https://m.youtube.com/watch?v=2YkNKh6XqhE
    Zweimal die für mich passende Musik zum Thema.
    Hilflos, sprachlos, entsetzlich gelähmt und hoffnungslos optimistisch.

  4. Gudrun sagt:

    Jeden einzelnen Passus könnte ich unterschreiben. Und im Ersten erkenne ich mich gerade.

  5. annette sagt:

    Ebenfalls Zustimmung. Außer beim Rotkohl, den mochte ich schon immer gerne.

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