Der Irrsinn der Beschenkerei.
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Das ist mein 12. Adventskalender, den ich all denen widme, die kämpfen, allen, die krank sind, allen, die Unterstützung benötigen. Möge uns allen eine im wahrsten Sinne des Wortes wundervolle Weihnachtszeit beschieden sein. Meine Kerzen brennen insbesondere für Menschen (und Tiere), die Hoffnung und Trost brauchen.
Ein leidiges Thema zu Weihnachten sind für viele Menschen die Geschenke (wie übrigens auch zu Geburtstagen, Hochzeiten, Einzugsfeiern, Abschieden usw. usf.). Wer soll überhaupt welche bekommen? Wem muß etwas geschenkt werden? Was ist für die Kinder gerade noch drin, so finanziell betrachtet? Wieviel soll ein Geschenk überhaupt kosten dürfen? Ist es noch modern, etwas Nützliches zu verschenken wie warme Socken, frisches Briefpapier, das erste Taschenmesser, hochwertigen Kajal u. ä.? Oder Selbstgemachtes? Und dann noch die ganz besondere Kategorie an Geschenken: die „Wir-schenken-uns-diesmal-einfach-nichts”-Geschenke! Es ist zum Haareraufen.
Nun: Ich gehörte zum Beispiel nie zu den Menschen, die bereits im Frühjahr auf die Suche nach Weihnachtsgeschenken gehen. Eher gehöre ich zu denen, die auf den vorletzten Drücker mit den dementsprechenden Einkäufen und Besorgungen beginnen. Und außerdem verschenke ich als Erzgebirger und zudem bekennender Weihnachtsgokel (der Gokel [mit langem o gesprochen]: ein Verrückter, ein Nerd vorelektronischer Prägung) gerne etwas, das mit dem Erzgebirge und seinen speziellen Weihnachtsdingen zu tun hat, oder eben etwas, das mit Weihnachten und / oder Advent und / oder zumindest Winter zu tun hat. Für die Kinder gab es zumeist ein Räuchermännlein oder -häuschen. Ich selbst bekomme auch gern praktische Dinge geschenkt. Und wenn ich keine andere Idee habe, dann verschenke ich Zeit, meine Zeit, mit einem Gutschein. Das waren auch schon drei Tage Umzugshilfe, einmal Streichen eines Zimmer, vier Abende im Jahre XXXX mit meinen offenen Ohren, Hilfe bei diesem oder jenem und ähnlicher „Unfug”. Aber ist das wirklich Unfug? Oder vielleicht ist hergeschenkte Zeit doch eines der sinnvollen oder besonderen Geschenke?
Es klingt schwieriger, als es am End wirklich ist: Zeit (ver-)schenken. Jetzt ist die Zeit dazu. Veilleicht erinnere ich mich deshalb an Joachim Ringelnatz' Gedicht:
Vom Schenken
Joachim Ringelnatz
Schenke groß oder klein,
aber immer gediegen.
Wenn die Bedachten die Gaben wiegen,
sei dein Gewissen rein.
Schenke herzlich und frei.
Schenke dabei,
was in dir wohnt
an Meinung, Geschmack und Humor,
so daß die eigene Freude zuvor
dich reichlich belohnt.
Schenke mit Geist, ohne List.
Sei eingedenk,
daß dein Geschenk –
du selber bist.
Ich schleiche mich davon und wünsche eine schöne Adventszeit.
Wer eine Gelegenheit sucht, zur Weihnachtszeit anderen zu helfen, der kann das im Dezember täglich ab 21 Uhr des Vorabends bei der Versteigerung von #hand2hand21 tun. Die Aktion ist eine gute Idee von Meg, ihr und allen Mitwirkenden danke ich dafür.
P.S.: Positiv waren am 14.12.2021 wieder ein paar weggebrachte Bücher, viele plötzlich in meinem Kopf aufgetauchte notierte seltsame Sätze, Dr. Who am Abend.
Die Tageskarte für heute ist die Sieben der Münzen.
© 2021 – Der Emil. Eigener Text unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
(Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).


Ringelnatz, der Schatz!
Zwanghaftes Schenken war noch nie meins, aber ich schenke gerne und auch zu Weihnachten, allerdings auf meine Art, das war schon immer so und wird sich auch nicht mehr ändern, warum auch? Zeit zu verschenken finde ich eine großartige Idee.