2021,294: Küchentext

Wieder ein Einblick in den uninteressanten Alltag.
In das, was ich im kleinsten meiner Räume tu.

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Oh, ich habe lange nicht mehr so viel Zeit in meiner tatsächlich winzigen Küche verbracht wie heute. Denn wenn ich sonst koche, dann ist das meist etwas, das wenig Aufwand erfordert. Wie eben der Hirsebrei: heiß abspülen, 10 min kochen, 20 min nur noch ziehen lassen. Und dazu etwas in der Pfanne schnell Gebratenes. Heute aber, heute habe ich mir eine Nudelsoße zubereitet. Zwei Zwiebeln gewürfelt, ein Pfund Gehacktes angebraten und dann die Zwiebeln dazugegeben. Verschiedene Gewürze dürfen nicht fehlen. Und dann kamen nur noch passierte Tomaten (nein, das ist beileibe keine Sauce Blognese, deshalb heißt sie bei mir ja auch anders) hinein. Während die Soße so vor sich hin köchelte, schnitt ich Suppengemüse und einen Hokkaido (ausgenommen ca. 1,7 kg) in den größten meiner Töpfe. Und siehe da, die Soße Bolonjehse war fertig, als das Suppenzeug fertig geschnippelt war. Topfwechsel auf der heißen Platte.

Dann also mußte ich warten, bis der Kürbis den Weichegrad erreichte, den ich mir wünschte. Die Bolo-Soße konnte nochmal passierte Tomaten vertragen, damit war sie dann für mich perfekt. Drei große Portionen davon mßten in ihren Gefrierbeuteln in das Tiefkühlfach einziehen, jede von ihnen reicht für die 500 g Nudeln einer Packung. Ich hatte Zeit, mich um den Abwasch zu kümmern. Im großen Topf ließ ich letztendlich den Pürierstab kreisen. Hm. Lecker war das, da mußte nur noch etwas Butter und Muskat und Salz ran. Heute hab ich davon zu Abend gegessen. Entweder ich esse auch die nächsten beiden Tage nichts anderes (mein gößter Topf!) als Kürbissuppe (gut, wie früher immer etwas Brot dazu), oder ich muß im Frost Platz schaffen. Wenn ich die Kühlakkus und -pads herausnehme und die Fischstäbchen verbrauche, ob das ausreicht?

Es ist übrigens erst die dritte oder vierte Kürbissuppe, die ich kochte. Früher hätte ich die weder gegessen noch gekocht. Es brauchte dafür – wie für den Hirsebrei – den richtigen Schubs von außen: Ich mußte das ein- oder zweimal gegessen haben. Und dann erst gehe ich auf die Suche nach Rezepten und Zutaten. Dann erst fange ich an, mit solchen „unbekannten” Gerichten zu experimentieren, sie meinem Geschmack anzupassen. Mittlerweile gehören Sachen zu meinem Speiseplan, die ich als Kind nicht ausstehen konnte. Rotkohl. Blumenkohlsuppe. Blutwurst, auch gebraten als Zugabe in eine Linsensuppe zum Beispiel. Nein, Grützwurst mag ich noch immer nicht. Wie früher koche ich mir allerdings heute noch die DDR-Soljanka, ein Gericht zur Resteverwertung. Kartoffeln sind in meiner Küche seltener geworden im Vergleich zu der Zeit vor einem oder zwei Jahren. Und ja, auch Schweinefleisch und Wurst finden sich nicht mehr so häufig bei mir. Aber Vegetarier oder Veganer werde ich nicht werden, nein, dazu esse ich viel zu gern Eier und Käse und Fisch und Schinken und Bockwurst. Und Honig. Usw. usf.

Manchmal blättere ich in meinem alten Kochbuch („Wir kochen gut” im grauen Pappeinband) und lese Rezepte von Gerichten, die ich noch nie versucht habe. Ich liebäugele ja mit den Sauren Nieren; wenn da nicht dieser üble Geruch beim Kochen wäre, vor dem ich zurückschrecke. Aber ich hab sie immer gern gegessen. Wer weiß! Vielleicht nächstes Jahr, mit Hirse, Stampfkartoffeln oder Reis … (Wann hab ich zuletzt Nieren im Angebot gesehen? Leber, ja, Leber gibt es überall. Aber Nieren? Hm. Jetzt hab ich mir selbst einen Floh ins Ohr gesetzt.)

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke fürs Lesen.

Der Emil

 

P.S.: Am 21.10.2021 war ich richtig zufrieden mit der Nudelsoße, mit der Kürbissuppe und mit einem (hier aber nicht zu veröffentlichendem) Text.
 
Die Tageskarte für morgen ist XI – Die Gerechtigkeit (fremdauferlegte Normen u. a. immer wieder hinterfragen).

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Über Der Emil

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10 Antworten zu 2021,294: Küchentext

  1. Nati sagt:

    Wenn du magst habe ich auch ein leckeres Rezept für Kürbiscremesuppe.

  2. Frau Momo sagt:

    Wir lieben Kürbissuppe. Nur den Ingwer muss ich mir immer selber reinreiben… den mag der Gatte nicht. Für mich gehört er rein.
    Blutwurst mag ich auch, am liebsten krümelig gebraten und dann mit Kartoffelpü. Wir werden auch keine Vegetarier, aber wir achten drauf, wo unsere tierischen Produkte herkommen und essen auch deutlich weniger davon als früher. Aber ein Leben ohne Käse geht schon mal gar nicht und ab und zu essen wir auch gerne mal Fleisch. Mittlerweile gibt es aber öfter mal den klassischen Sonntagsbraten und unter der Woche dann keines oder wenig. Und eine gute Bolo koche ich für mein Leben gerne.

  3. Sofasophia sagt:

    Vegan meinst du, nicht vegetarisch in deiner Aufzählung, denn Vegetarier:innen essen durchaus Milchprodukte, Eier und Honig. Nur halt keine Kadaver.

    Küchengeschichten lese ich immer gern. 😜

    • Der Emil sagt:

      Ich dachte, daß die mit aufgezählten „Schinken und Bockwurst“ diese Verwechslung ausschließen würden …

      • Sofasophia sagt:

        Das irritierte mich tatsächlich … also alles im gleichen Topf, aber na jaaa. 🙃

        • Der Emil sagt:

          Nein nein, nicht alles im gleichen Topf — aber all das mag ich nicht weglassen, nichts von dem, in keinen beliebigen Kombinationen und schon gleich gar nicht alles auf einmal. Und ich ergänzte den Text jetzt …

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