2021,114: Besuch

Und nach Tagen noch nicht verarbeitet.

Voraussichtlich wird ab dem 8. Mai nichts Neues mehr im alten Blog veröffentlicht.
To get a Google translation use this link.

 

Ich gestehe, ich war vor Tagen unterwegs und habe meinen Vater in »seiner« Einrichtung besucht. Termin vereinbart (vier Tage vorher). Vor dem Termin wurde schnellgetestet, und das war der sechste oder siebente negative Schnelltest für mich. Für den eigentlichen Besuch bleiben 30 Minuten. Die Zeit reicht kaum, um den wie einen nachdenklichen alten Mann dasitzenden dementen Menschen zu erreichen. Daß er mich zu Beginn des Besu­ches mit meinem Namen ansprach (und also wahrscheinlich erkannte), war schon nicht selbst­ver­ständ­lich. Und dann erzählte er, sichtlich nach Worten suchend, aus seiner Welt. Wenn ihm die Wortsuche zu lange dauerte, begann er mit einem neuen Satz und einem anderen Thema. Das ist wirklich schwer aushaltbar. Und kurz darauf beantwortet er eine von mir gestellte Fragen, als ob nichts wäre. An lange zurückliegende Geschehnisse scheint er sich zum Teil noch erinnern zu können.

Nun ja, auch Eltern werden alt. Ich hoffe, daß … Ja was eigentlich? Daß mein Vater seine Situation nicht (mehr) erkennt? Daß er in seiner Welt noch ein langes Leben hat und eines, das so gut als nur möglich ist? Wie sieht es im Inneren, in der Psyche, im Denken eines demen­ten Menschen aus? Wer weiß das schon? Wer kann, außer in wenigen Aus­nah­me­situationen, wirklich erkennen, was in diesen Menschen vorgeht? Ich habe so viele Fragen – und der, dem ich diese Fragen stellen müßte und will …

Zum Teil überfordere ich mich mit seiner Krankheit.

 


Technischer Hinweis: Ich werde voraussichtlich ab dem 8. Mai 2021 neue Artikel nur noch unter der Adresse deremil.blogda.chVorsicht! Falle: Nur blogda vor dem .ch! NICHT blogdach! – veröffentlichen. Im alten Blog bei wordpress(dot)com wird ein Artikel zu finden sein, der darauf hinweist, in dessen Kommentaren ich auch Fragen zu Interaktionen mit dem neuen Blog beantworten werde. Ich werde mich freuen, wenn ich euch auch dort begrüßen darf.


 

Ich schleiche mich davon und sage Danke fürs Lesen.

Der Emil

 

P.S.: Am 24.04.2021 war positiv ein überraschendes Telefongespräch, der endlich gekaufte Ersatz für den kaputten Topf, die in der Wanne »vertrödelte« Zeit.
 
Die Tageskarte für morgen ist 0 – Der Narr.

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Über Der Emil

Not normal. Interested in nearly everything. Wearing black. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler.
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6 Kommentare zu 2021,114: Besuch

  1. Nati sagt:

    Es ist ganz und gar nicht einfach, jemanden so Nahes zu sehen, der Stück für Stück sich und sein Leben verliert. Man steht so völlig hilflos da und kann nichts tun, außer da zu sein und auszuhalten. Ein wenig Zeit und Wärme zu schenken. Ach Emil…

    • Der Emil sagt:

      Und ich bin ja nicht täglich in der Lage, ihn zu besuchen, Veränderungen fallen mir also noch stärker auf …

      • Nati sagt:

        Auch die äußeren Umstände lassen Besuche oft nicht zu.
        Das fällt noch mehr ins Gewicht, wenn man möchte aber nicht darf.
        Gemeinsames erinnern, zwischen all dem Nebel, könnte dir/euch vielleicht ein wenig helfen, Dankbar für das zu sein was war.

  2. Der Umgang mit dementen Menschen ist wohl eine große Herausforderung. Ich habe das bisher glücklicherweise nur „am Rande“ mitbekommen. Bei Familienmitgliedern und Menschen die einem sehr nahe stehen ist es ganz sicher besonders herausfordernd! Ich erinnere mich noch ziemlich genau an die letzte psychische Krankheitsphase meiner Mutter. Da haben sich die Rollen von Mutter und Kind fast vertauscht, heute im Rückblick kann ich sagen: Weil ich es aus Schuldgefühlen zugelassen habe.
    Ich denke es spielt auch immer der Aspekt mit, dass wir durch dieses Erleben mit unserer eigenen „Endlichkeit“ konfrontiert werden.

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