Welche Bedeutung war da intendiert?
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Einsamkeit
Ich wollte in der Stille sein.
Bin in den Wald gegangen.
Und habe mich im Spinnennetz
Der Einsamkeit gefangen.
Eva Strittmatter: Ich mach ein Lied aus Stille. Gedichte. S. 40
Edition Neue Texte 6. Auflage 1983, Aufbau-Verlag Berlin und Weimar, DDR.
Lizenznummer 301. 120/73/83 – Bestellnummer 611 177 7
Wie meint sie das wohl? Wie nur? Denn sie beschreibt ja ein mindestens zweideutiges Geschehen: »Ich habe mich gefangen.« Wörtlich: Hat sie sich gefangen, also eher eingefangen im Spinnennetz, das Falle war? Übertragen: Hat sie sich gefangen, also eher aufgefangen oder abgefangen im Spinnennetz, das Sicherungsnetz war?
»Ich habe mich gefangen.« Habe ich das? Wirklich? Worin? Womit? Woran? Gefangen. Abgefangen? Oder bin ich aufgeschlagen auf irgendeinem Boden … Jedenfalls habe ich mich schon lang nicht mehr fangen lassen, einfangen lassen.
Vier Worte aus einem Gedicht, ja, nichteinmal wörtlich zitiert. Ein ganzes Gedicht, vier Zeilen lang, auf vier Worte reduziert. Darf ich so verkürzen? Ich bin mir ziemlich sicher, daß diese vier Worte dennoch die Kernaussage darstellen: »Ich habe mich gefangen.« Eva Strittmatter schaffte es (oder das lyrische Ich). Ich denke nach …
Ich schleiche mich davon und sage Danke fürs Lesen.
P.S.: Am 17.03.2021 waren positiv Weiterlesen über alte Schriften, ein Dutzend endlich weggegebene Hemden, drei unflickbar weggeworfene Jeans.
Die Tageskarte für morgen ist XIII – Der Tod.
(Es ist Zeit loszulassen – ich entrümpele grad –, damit ich Neues annehmen kann.)
© 2021 – Der Emil. Eigener Text unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
(Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).

