2021,070: Maxi

Sie und sie alle waren meine Lehrmeisterinnen.

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Maxi Wander, mit ihrem Mann Fred Wander als Österreicherin und Österreicher seit 1958 in der DDR lebend, schrieb ein Buch, das ich in meiner Pubertät verschlang. Ich muß es gelesen haben, als ich auf der EOS war, auf der Erweiterten OberSchule. Dort wurde ich von Klasse neun an bis zum Abitur in der 12. Klasse beschult. (1. Ja, damals war Pubertät bei Knaben noch von 14/15 bis 18/19 und darüber hinaus. 2. Wenig später, aber noch vor meinem Abitur, verschob sich der Wechsel zur EOS auf den Beginn der 11. Klasse.) Maxi Wander jedenfall hat mit »Guten Morgen, Du Schöne« ein damals wirklich ungewöhnli­ches, bemerkenswertes und vielgelesenes Werk geschaffen. Aus Interviews mit Frauen aus allen möglichen sozialen Gefügen wurden spannende, aufklärende und das Land nicht beschönigende Monologe geformt. Ich habe aus diesem Buch viel über Frauen und Frauensicht und Gefühle und Denkweisen usw. usf. gelernt. Ein Exemplar davon ist irgendwo in meinen Bücherbergen zu finden. Im Jahr, als es damals endlich erschien, im Jahr 1977, verstarb Maxi Wander an Brustkrebs. Von ihr kommt mein Verständnis von Emanzipation und Feminismus, von diesen Sätzen aus ihren Vorbemerkungen zum Buch »Guten Morgen, Du Schöne«:

 

 

Nicht gegen Männer können wir uns emanzipieren, sondern nur in der Auseinandersetzung mit ihnen. Geht es doch um die Loslösung von alten Geschlechterrollen, um die menschliche Emanzipation überhaupt.

Maxie Wander in den Vorbemerkungen zu ihrem Buch »Guten Morgen, Du Schöne«
© 1977 Buchverlag Der Morgen, DDR

 

Eben. Nicht gegeneinander. … die menschliche Emanzipation überhaupt. Vielleicht erklärt sich daraus meine Abneigung heutiger Bestrebungen radikalisierter, dogmatischer oder nicht differenzierender Strömungen …

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke fürs Lesen.

Der Emil

 

P.S.: Am 11.03.2021 waren positiv eine fertige Sendung, Studioreservierung für morgen, nachholend für gestern noch bemerkt: Ladylike von Ingrid Noll ausgelesen.
 
Die Tageskarte für morgen ist der Ritter der Schwerter.

© 2021 – Der Emil. Eigener Text unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
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Über Der Emil

Not normal. Interested in nearly everything. Wearing black. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler.
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6 Kommentare zu 2021,070: Maxi

  1. ganz davon lösen, frau oder mann zu sein, halte ich für unnatürlich. es geht um die geistige emanzipation des menschen – da stimme ich zu.

    • Der Emil sagt:

      Genau. Und die körperlichen und weiteren Unterschiede lassen sich auch nicht wegumbenennen …

      • wäre blödsinn. es gibt von natur aus klar zugewiesene rollen…, was sich in der fortpflanzung und beim gebären von kindern zeigt. wir müssen freilich eine gleichberechtigung herstellen. aber eine gleichmachung halte ich für blödsinnig.

  2. Frau Momo sagt:

    Ich habe das Buch vor Urzeiten auch mal gelesen, habe aber keine Erinnerung mehr daran. Im Prinzip hat sie sicherlich Recht, aber leider sind es ja meistens die Männer, die uns Frauen Steine in den Weg legen, die sich einer menschlichen Emanzipation verweigern. Und dann geht es eben nicht immer mit den Männern, sondern nur gegen sie, gegen ihren Widerstand. Das Miteinander kommt dann mit Glück später. Aber noch immer haben Frauen es schwer, sich in manchen Bereichen zu behaupten und das liegt an den Männern, die ihre Pfründe nicht aufgeben wollen, die in alt gedienten Frauenbildern verhaftet sind. Ich glaube, wir hätten in Sachen Gleichstellung noch viel weniger erreicht, wenn wir Frauen immer nur auf das Miteinander gesetzt hätten. Gleichzeitig glaube ich, dass die meisten Frauen genau das gerne täten.

  3. momfilou sagt:

    Maxi Wanders Buch war für mich wie ein Heiligtum. Ich habe es verschlungen, wie alle in meinem damaligen Literaturzirkel. Habe es mehrmals gelesen, ist aber alles lange her. – Bei meinen vielen Umzügen ist es irgendwann unter die Räder gekommen, leider!
    Danke, dass du mich daran erinnert hast!

  4. Gudrun sagt:

    Zu dem Buch gab es bei uns im Literatur Treff in Grünau eine Lesung, die mir richtig gut gefiel. Wenn mal wieder so etwas ansteht, lade ich dich ein.

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