2020-105 — Leere

Doch anders als in fernöstlichen Traditionen.

To get a Google translation use this link.

 

»Leere Deinen Geist!« Diesen Satz kenne ich schon lange. Ich weiß, ich hörte ihn auch schon in diversen Karate-Filmen gesprochen, las ihn in verschiedenen Büchern (ganz sicher in Daisetz Taitato Suzukis Buch: An Intro­duc­tion To Zen Buddhism). Den Geist leeren, um Platz für die Erleuch­tung zu haben, wahrscheinlich. — Jetzt leert sich nicht nur mein Geist. Jetzt empfinde auch ich eine unangenehme Leere in meinem Leben. Nein, nicht Sinnlosigkeit! Leere. Die, die in großen, ungefüllten Gegebenheiten und Räumen zu diesem besonderen Hall führt. Sprecht in einer leeren Bahnhofshalle oder Unterführung mal laut dieses Wort: Leere. Jetzt sollte das ja irgendwo einmal möglich sein. Leere. Das Wort in ebendiese hineingesprochen hallt nach … Da taucht ein ziemlich altertümlicher Begriff von Aristoteles in mir auf: Horror vacui. Die Natur kennt keine Leere, kein Vakuum. Das war dazumal durchaus Stand der Wissenschaften. Ja, heute ist das im Prinzip widerlegt, aber eben nur im Prinzip, denn selbst das Vakuum ist voll von Quantenfluktuationen.
 
Und das ach so selbstoptimierte, vollgestopfte, übervoll durchgetaktete Leben, das bei vielen kaum noch Platz für Muße oder Langeweile bot, das entfremdete (auch) mich so ganz nebenbei von der Leere in meinem Leben. Jetzt soll ich die aus meinem leeren Inneren heraus unbedingt füllen?

 

P.S.: Positiv waren am 14.04.2020 das trotz Wannenbad gestern weiterhin funktionierene (nicht wasserdichte) Telefon, sehr frühmorgendlicher Regen, und jetzt gerade Dr. Who.
 
Die Tageskarte für morgen ist die Zehn der Stäbe.

© 2020 – Der Emil. Text unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
CC by-nc-nd Website (Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).

Über Der Emil

Not normal. Interested in nearly everything. Wearing black. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler.
Dieser Beitrag wurde unter 2020, Erlebtes, One Post a Day abgelegt und mit , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen für den Permalink.

4 Kommentare zu 2020-105 — Leere

  1. Elvira sagt:

    Ich muss in diesen Tagen sehr oft an Gefängnisse denken, daran, wie es den Insassen dort geht. Auch wenn es in einigen Ländern so scheint, als wären es Ressorts mit lediglich eingeschränktem Ausgang, so sind die Menschen dennoch eingesperrt. Je nach Art der Straftat auch in Einzelhaft, isoliert, mit sich alleine. Gewiss, die meisten haben ihre Strafe wahrscheinlich „verdient“, dennoch frage ich mich, was es aus ihnen macht.

  2. wildgans sagt:

    Wer sagt das mit dem unbedingt Füllen?

    • Der Emil sagt:

      Da war (und ist?) doch die „gesellschaftliche Übereinkunft“ zur „Selbstoptimierung“ der HR (human ressources), die auf die bessere ökonomische Verwertbarkeit der menschlichen Leistung und Lebenszeit gerichtet war …

Antworte auf den Kommentar von wildgans Antwort abbrechen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert