2020-082 — Laetare

Absurd, aber im Gedächnis fest verankert.

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Entweder: “Was? Irgendwas mit der Margarine?” Oder: “Ach Du Sch… Jetzt fängt der auch noch mit dem Thema Kirche an! Soll ich jetzt missioniert werden?”

Keine Sorge. Nein, ich werde nicht missionieren. Es ist mal wieder Zeit für eine Erinnerung. An früher, ihr wißt schon, aus der Kinderzeit.  Rein liturgisch ist Laetare nur der vierte Sonntag der Fastenzeit. Ja, die Hälfte der Fastenzeit ist um. Bei meinen Großeltern wurde nie so ganz bibelfest gefastet, nein, das war in der DDR so sowieso nicht üblich. Außerdem gab es vor 1980 auch sonst nicht jeden Tag Fleisch und alle anderen tierischen Produkte. Allerdings war nun das Ende der Passionszeit abzusehen und die Freude darauf machte sich bei den Leuten in den Dörfern durchaus bemerkbar. Ich weiß nicht mehr, bei welchem Großelternpaar, aber bei einem gab es von Fasching bis Laetare keine Eier. (Wahrscheinlich waren es dann doch die Mecklenburger, die immer genug Hühner hatten und bei denen ich als Bub auch mal mitging auf die LPG zum Eierabliefern.) Und an diesem Sonntag Laetare gab es zum Frühstück gebratenes Rührei! Aus einer großen, schwarzen, schweren gußeisernen Pfanne ausgeteilt. Gebratenes! Rührei! Zum Frühstück! Wegen der abzusehenden Freude zu Ostern!

Solche Dinge bleiben, auch wenn das Kind sie nur ein oder zweimal erlebt, im Gedächtnis hängen. Bei mir war es aber nicht nur die besondere Speise zur Unzeit, sondern mehr. Die Liturgischen Namen der Sonntage blieben hängen, von daher und auch aus dem Kirchenblatt der erzgebirgischen Großeltern. Und so weiß ich heute zwar nicht mehr alle und schon gar nicht alle in kompletter Reihenfolge, aber ich kenne die Namen eben noch: Invokavit, Epiphanias, Rogate, Misericordias, Laetare, Okuli, Septuagesimae, Palmarum, Jubilate, Trinitatis und Cantate – ich könnte nachsehen und sortieren. Doch wozu? Heute ist das für mich unnützes Wissen, auch heute, an Laetare (und ich weiß, daß das heute eher “Lätare” geschrieben wird). Manchmal wird nach diesen Namen in einem Kreuzworträtsel gefragt. Das Leben richtet sich heutzutage nicht mehr am Kirchenjahr aus. Und niemandem nutzt das Wissen um die Liturgischen Farben wirklich, wenn der heutige Nutzen-Begriff zur Anwendung kommt. Rosafarbene Meßgewänder und Hüllen für diverse Liturgische Gegenstände: Das zu wissen, bringt keinerlei monetär meßbaren Nutzen.

Aber die Erinnerung an Rührei mit Speckwürfelchen und Zwiebeln, an diesen Geschmack blieb mir. Deshalb ist mir jede andere Art der Zubereitung auch nicht recht. Seit spätestens 1970. Seit 50 oder noch mehr Jahren. Und die dazu erzählte Geschichte von der Osterzeit/Passionszeit habe ich auch nicht vergessen.

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke fürs Lesen.

Der Emil

 

P.S.: Positiv waren am 22.03.2020 Radiohören, Faulenzen, Erinnerungen nachzuhängen.
 
Die Tageskarte für morgen ist X – Das Rad des Schicksals.

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Über Der Emil

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4 Kommentare zu 2020-082 — Laetare

  1. Jana Rau sagt:

    Licht bringt Zuversicht und Mut in dunkler Zeit. Lieber Emil, hast du den Schwibbogen schon ins Fenster gestellt? Pass auf dich auf! Liebe Grüsse aus der Zschorl.

  2. Elvira sagt:

    Mit Speck und Zwiebeln, wie auch sonst? Na ja, es sei denn, Speck ist aus, so wie gestern bei uns. Geht auch!

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