Eine zweite Hypothese unklaren Status'.
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Achtung: Ich denke heute wieder nur vor mich hin, laß' dem Denkicht freien Lauf.
Fragestellung:
So viele Menschen zweifeln daran, daß sie liebenswert sind. Nur die, die es meiner Meinung nach nicht sind (also nicht liebenswert sind), die Arschlöcher, die Monster, die Nxzxs; u. v. a. m.: die zweifeln nicht daran, daß sie liebenswert sind. Das scheint mir eine der menschlichen Merkwürdigkeiten zu sein, die ich mir gerne erklären möchte. Woran liegt das also?
Zweite Hypothese:
Den Menschen, die sich für nicht liebenswert halten, wurde das durch jahrelange Forderungen von “Gegenleistungen” für Liebe anerzogen; diese Menschen glauben meist auch, nur zu höchstens minderen Leistungen fähig zu sein.
Gleich vorweg: Auch diese Hypothese ist als alleinige Erklärung für diese menschliche Merkwürdigkeit nicht geeignet.
Ja, es gibt Menschen, von denen wird eine “Gegenleistung” für sogenannte Liebe abverlangt, erwartet. Und das Nichterfüllen der Erwartungen, das Nichterbringen der Leistung wird mit Liebesentzug geahndet, bestraft. Mir selbst erging es ab und an so: “Wenn Du [dieses oder jenes] nicht tust, dann haben wir Dich überhaupt nicht mehr lieb!” Oft folgte auf diese Aussage eine geraume Zeit der Nichtbeachtung oder des Wegsperrens: “Bleib bloß im Kinderzimmer und trau Dich ja nicht raus!” Und selbst wenn ich genau das tat, was gewünscht war, dann hatte ich natürlich zu wenig und/oder alles nicht gut genug gemacht.
Ja, ich kenne Menschen, denen es ähnlich, fast genauso erging – und das nicht nur mit den Eltern, sondern mit ihren Männern und Weibern im Erwachsenenalter ebenso. Und dieses Phänomen mag zwar mit der Zeit etwas zugenommen haben, kann aber allein nicht zu dem beobachtbar großen Anteil der Menschen führen, die sich für nicht liebenswert halten.
Ich grübele noch, ob es weitere Hypothesen geben wird. Kommentiert ruhig, vielleicht kommen noch ein paar Ideen dazu?
Ich schleiche mich davon und sage Danke fürs Lesen.
P.S.: Positiv waren am 08.01.2020 der Mut, mit Erkältung zuhause zu bleiben, das angeschlagne und doch einigermaßen erholsame Herumlungern, Numirosouvk.
Die Tageskarte für morgen ist die Zehn der Kelche.
© 2020 – Der Emil. Text unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
(Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).


Ich bin eigentlich ziemlich sicher, dass es immer ein Mix aus verschiedenen Faktoren ist, der dazu führt, dass ein Mensch an seinem Wert zweifelt. (Epi-)Genetische Dispositionen spielen ebenso mit wie das Aufwachsen, dazu die persönlichen Eigenschaften (die auch unter Geschwistern arg variieren können).
Alles ist immer mehr als die Summe der einzelnen Teile.
Wir alle sind unendlich vielen Einflüssen ausgesetzt. Was beim einen so wirkt, wirkt bei der andern anders.
D’accord. Und doch wollt ich mal einzelne Aspekte herausheben ….
Ich bin mit diesen Gegenleistungen aufgewachsen. Immer, wenn mir jemand etwas schenkte, sei es Schokolade oder Aufmerksamkeit, bekam ich immer , wirklich immer zu hören: Pass und, der/die will was dafür. Das war so gut wie nie der Fall. Dennoch blieb diese Vorsicht sehr lange unterschwellig haften. Es hat schon gedauert, bis ich ein Geschenk einfach nur als das annehmen konnte, was es war. Einfach eine liebenswerte Geste.