Nº 225 (2019): Philosophie des Machens

otl aichers Gedanken.

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der mensch ist form und materie, sein bewußtsein ist das formende prinzip. als solches kann es auch die formen anderer dinge, abgestreift von ihrer materie, in sich aufnehmen. indem ich aus erfahrung abstrahiere, das wahrgenommene abstrahiere, komme ich zur erkenntnis und sehe den plan, der in den dingen steckt.

es ist also nicht mehr das reich der ideen, sondern die erfahrung der welt, wie sie ist, die erkenntnis möglich macht, und das formale prinzip, das die dinge konstituiert, liegt nicht im jenseits, sondern in ihnen selbst als ihr formendes prinzip.


 
Otl Aicher: analog und digital. S. 95f
© 1991 otl aicher, 1992 inge aicher-scholl, 1. Auflage
Verlag ernst & sohn (berlin, münchen, düsseldorf). ISBN 3-433-02176-7

 

 

Ausführungen eines Mannes, der zuvörderst als moderner Designer galt und unter anderem eine ganze Reihe noch heute verwendeter Piktogramme für die Spiele der XX. Olympiade in München 1972 schuf und am Aussehen des ZDF, einiger Banken usw. usf. (mit-)wirkte. Aber Otl Aicher war noch mehr: Er war Vertreter, Mitgestalter, Initiator, Verbreiter einer von Ockham, Kant und Wittgenstein beeinflußten “Philisophie des Machens”. Und das Zitat hier oben sind seine Gedanken zur Philosophie des Aritoteles …

Wie schön es wäre, wenn sich diese Philosophie des Machens verbreitet, heute, in der gerade hierzulande weitverbreiteten Handlungslosigkeit der Verantwortlichen (und zu denen zähle ich nicht nur Politiker, sondern alle vernünftigen Menschen, die hierzulande leben). Ja, sein Texte sind hochabstrakt, verlangen ein Einlassen unter anderem auf seine besondere Groß- und Kleinschreibung (was mich nur am Anfang wirklich störte). Und doch haben mich seine Bücher meiner Meinung nach mehr beeinflußt als seine Designs; das liegt aber vielleicht daran, daß diese schon sehr lange zu meiner täglichen Lebenswelt gehör(t)en.

Ich glaube, ich muß viel öfter wieder andere als belletristische Bücher lesen.

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke fürs Lesen.

Der Emil

P.S.: Am 13.08.2019 waren positiv eine abgeschlossene Planung, Gelesenes, ein paar geschriebene Zeilen.
 
Die Tageskarte für morgen ist V – Der Hierophant.

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Über Der Emil

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2 Kommentare zu Nº 225 (2019): Philosophie des Machens

  1. piri ulbrich sagt:

    Otl Aicher war der Schwager von Sophie und Hans Scholl – aber das wirst du gewusst haben.

  2. Schön, dass du an Otl Aicher erinnerst. Er hat auch die Schriftart Rotis entwickelt, eine serifenlose Linearantiqua, benannt nach dem Weiler in Oberschwaben, wo Aicher zuletzt lebte und arbeitete. Er starb leider auf eine alberne Weise, nämlich, nachdem er rückwärts mit dem Rasenmäher von seinem Grundstück gefahren war und mit einem Motorradfahre kollidierte.

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