Heut' war/ist so einer. (Nº 324/2018)

Tage. Es gibt Tage.

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Tage.

Es gibt Tage.

Es gibt Tage, vor denen habe ich schon am Abend vorher Angst. Obwohl ich die Angst nicht vor dem Tag habe, sondern vor dem, was mich an diesem folgenden Tag erwartet. Zum Beispiel, weil ich mich dem, was ich mir eigentlich (und ehrlicherweise gegen mein Bauchgefühl/meinen Willen) vorgenommen habe, nicht gewachsen fühle. Dann fällt es mir schwer, noch immer schwer, zum Beispiel die versprochene Hilfe, das vereinbarte Treffen, das gewünschte Telefonat abzusagen. Allerdings: Ich schaffe es mittlerweile, obwohl es mir schwerfällt.

Heute war so ein Tag.

 

Tage.

Es gibt Tage.

Es gibt Tage, an denen plagt mich dann trotz allem mein schlechtes Gewissen. Obwohl ich genau weiß, daß eben dieses schlechte Gewissen nicht nötig ist; Selbstfürsorge ist nämlich eine der vordringlichsten Aufgaben meines Lebens.

Heute ist so ein Tag.

 

Tage.

Es gibt Tage.

Es gibt Tage, an denen bin ich besonders dünnhäutig, besonders “nahe am Wasser gebaut”. Diese Tage sind oft gute Tage, weil ich dann alle meine Emotionen leben kann, auch die, die ich mir jahrelang verbieten mußte, Trauer zum Beispiel und Seelenweh. An diesen Tagen sitze ich an einem Rechner, sehe mir hinreißende herzerweichende Videos an und lese sentimentale, melancholische, ehrliche, mitfühlende Texte. Manche Lieder kann ich schluchzend mitsummen, obwohl ich den Monitor durch den Tränenfilm hindurch kaum noch erkennen kann. Manche Texte verschwimmen in der Feuchtigkeit, weil sie mich an eigenes Erleben erinnern, an all die in mir jahrelang verborgene, aufgestaute Trauer und den Schmerz, den ich, weil ich ja stark sein mußte damals, nicht zulassen konnte. Ich lese über starke und weniger starke Menschen, über Liebe, die stärker ist als jedes Leiden, jede Beeinträchtigung, jede Behinderung, jede Lebensverkürzung und … und – und heule deshalb wie ein Schloßhund. Es tut weh und es tut gut und es fühlt sich falsch an und ich weiß, daß es doch richtig ist. Nach drei oder vier Stunden ist dann alles “wieder gut”, bis zum nächsten dieser Tage.

Heute ist so ein Tag. Und es wird noch zwei Stunden brauchen.

 

Tage.

Es gibt Tage.

Und jeder einzelne Tag ist es wert, gelebt zu werden.

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke für’s Lesen.

Der Emil

P.S.: Positiv am 20.11.2018 waren die gesunkene Temperatur, die Traurigkeit, die Musik.
 
Die Tageskarte für morgen ist VIII – Die Kraft.

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Über Der Emil

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0 Kommentare zu Heut' war/ist so einer. (Nº 324/2018)

  1. piri ulbrich sagt:

    Jeder einzelne Tag ist es wert gelebt zu werden – ja, genau. Vielleicht, ganz sicher hat es einen Sinn. Wir wissen ihn nur nicht, den Sinn.

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