Die Dunkle Zeit des Jahres (Nº 264/2018)

Endlich ist es wirklich herbstlich.

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Heute begann hier der Herbst: Bedeckt war der Himmel und ein kräftiger Wind ließ Blätter (und Unrat) durch die Luft wirbeln. Geregnet hat es auch, doch noch immer zu wenig. Auch ich habe den Sommer endlich verabschiedet und den Abend jetzt mit Teelichtern erhellt. Es ist ja seit AK-Zeit (“Aktuelle Kamera”, Nachrichtensendung des DFF), also 19.30 Uhr, dunkel genug draußen. Und eine echte Wachskerze brennt auch und verbreitet einen feinen Geruch im Zimmer.

Wenn ich es endlich geschafft habe, den Schreibplatz wieder komplett freizuräumen, dann schreibe ich auch wieder im Schein zweier oder dreier Kerzen. Feder und Tinte auf Papier bei Kerzenlicht: Ich fühle mich dann immer so nah denen, die vor zwei- oder dreihundert Jahren ihre Worte zu Papier oder Pergament brachten. Und, so sonderbar das auch klingt, dieses Licht verändert auch meine Ausdrucksweise; sie wird romantischer, alt­mo­di­scher, gediegener. Richtig gute Liebesbriefe zum Beispiel kann ich fast nur bei Kerzenlicht verfassen. Ja, ich schreibe noch immer welche, manchmal sind es nur kleine, versteckte Zettel, doch manchmal eben auch noch große, mehrseitige, die allerdings oft ins Wäsche­fach, in mein Wäschefach … Für dieses Wochenende jedenfalls habe ich mir genau die Befreiung dieses Schreibplatzes vorgenommen.

Die Teelichte sind übrigens auch ein recht angenehmer Zeitmesser, brennen sie doch wirklich ziemlich genau vier Stunden. Zünde ich sie halb Acht an und gehe mit ihrem Verlöschen schlafen, so sollte ich immer vor Mitternacht zur Ruhe gekommen sein. Ob ich dann auch vor Mitternacht einschlafen werde? Ich glaube es nicht, da meine Zeit doch erst so gegen Zwei, Drei ist. (Deshalb hatte ich letzte Nacht auch wieder viel zu wenig Schlaf und holte heute nachmittag eineiges davon nach.) Was mich ärgert: Heute zerbrach ich den Glaszylinder einer meiner Petroleumlampen, auch noch den hohen, schlanken. Jetzt muß ich mich in den Trödelläden mal nach Ersatz umsehen.

Die Dunkle Zeit des Jahres. Meine Zeit. Die, die mir guttut, in der ich meinen besonderen Marotten und Gewohnheiten wieder mehr folgen kann. Kerzenlicht ist eine davon. Endlich lohnt es sich wieder. Und bald werde ich wohl auch wieder anfangen, meine Stube mit Teelichtern zu “heizen”. In acht Wochen ist Totensonntag, danach beginnt meine liebste Zeit.

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke für’s Lesen.

Der Emil

P.S.: Positiv am 21.09.2018 waren der pünktlich geschaffte Schichtbeginn, gerettete Bilder, Kerzenschein am Abend.
 
Die Tageskarte für morgen ist IX – Der Eremit.

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Über Der Emil

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0 Kommentare zu Die Dunkle Zeit des Jahres (Nº 264/2018)

  1. Nati sagt:

    Ich habe letztes Wochenende auch zum ersten Mal die Kerzen wieder angezündet. Wirklich schön, im Kerzenschein zu sitzen.
    Nur noch 8 Wochen? Erschreckend wie schnell die Zeit vergeht.
    Liebe Abendgrüße, Nati

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