Schwellung auf der Schwelle (Nº 199/2018)

So schön und so peinlich.

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Nie hätte ich mir zu träumen gewagt, daß das passiert. Und schon gleich gar nicht, daß das in der Küchentür passsiert. Sozusagen auf der Schwelle. (Die es dort ebensowenig gibt wie in meiner Wohnung.) Wenn ich jetzt daran denke, dann kommt es mir unwirklich vor, wie ein Traumfetzen, den ich nicht mehr zu fassen bekomme. Geradezu unheimlich war es, so unerwartet, wie es geschah. Und schön war es. Traumhaft schön. Zu schön, um wahr zu sein, würde ich sagen, wenn es nicht mir selbst widerfahren wäre. Hier, eben nur in Deiner Wohnung, doch genau hier, wo ich jetzt, mit dem Rücken an den Türrahmen gelehnt, wieder stehe und versuche, mir dieses Gefühl in Erinnerung zu rufen, mein Erstaunen, meine Verwirrung, meine Atemlosigkeit, die weichen Knie. Hier hattest Du Dich unvermittelt an mich gelehnt. Da fühlte ich plötzlich ganz deutlich Deine Brüste. Du hieltest Dich fest an mir, entspanntest Dich aber spürbar. Nur einen Moment im Arm gehalten wolltest Du werden, nur im Arm gehalten. Oh. Wie behutsam ich das tat, wieviel Angst ich hatte, Dir mit meiner Umarmung wehzutun. Und ich schloß meine Augen und legte meine Wange auf Dein Haar und genoß diese Nähe und schämte mich ein wenig dafür, daß die Weichheit Deiner Brüste an meinem Körper ausreichte, mich so zu erregen, daß Du diese Erregung bemerken mußtest. Wie peinlich. Als Du Dich von mir löstest, sahen wir uns in die Augen. Deine Hand streifte wie unabsichtlich das, wofür ich mich schämte; doch für Absichtslosigkeit dauerte die Berührung zu lange. Ich errötete, und Du gingst weiter, als wäre nichts geschehen.

 

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke für’s Lesen.

Der Emil

P.S.: Positiv am 18.07.2018 waren Brötchen mit Honig zum Frühstück, aufschreibenswerte Sätze, verarbeitete Musik.
 
Die Tageskarte für morgen ist 0 – Der Narr.

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Über Der Emil

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5 Kommentare zu Schwellung auf der Schwelle (Nº 199/2018)

  1. Myriade sagt:

    Wie schön !

  2. sabeth47 sagt:

    Zart geschrieben!

  3. wildgans sagt:

    Statt „zart“ würde ich „stark ausgebremst“ sagen, denn ich weiß, du kannst auch anders. Doch „zart“ hat hier schöne Berechtigung!

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