Ameise (Nº 155/2018)

Sonderbare Kurven.

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Ich hatte eine Ameise zertreten, die meinen Schuh erklettert hatte. Nicht ganz zertreten, ihre Beine bewegten sich noch und schoben den zerstörten Körper in sonderbaren Kurven über den Asphalt. Und in dem Moment, da ich das beobachtete, tat sie mir leid, die Ameise; ich fühlte mich mies, konnte meinen Blick nicht abwenden vom sich windenden Tier und spürte in mir, in meiner Seele einen unendlichen, fernen Schmerz. Ich, ich hatte Leid verursacht, wo es nicht notwendig war. Deshalb zertrat ich ein zweites Mal dieses Lebewesen, diesmal viel, sehr viel gründlicher. Und jetzt trauere ich, bin traurig über mein sonderbares Verhalten. Und verstehe nicht. Und … und hasse mich beinahe für meine Dummheit.

 

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke für’s Lesen.

Der Emil

P.S.: Positiv am 04.06.2018 waren erledigte Updates, ein gekauftes Buch (H. Timmermann: Der Jesus vorm Sexshop), ein Brief.
 
Die Tageskarte für morgen ist der Bube der Schwerter.

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Über Der Emil

Not normal. Interested in nearly everything. Wearing black. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler.
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0 Kommentare zu Ameise (Nº 155/2018)

  1. Nati sagt:

    So ergeht es mir mit den Schnecken in meinen Garten. Ich sammel sie ein, kann sie aber nicht töten. Ich pack sie zu den Grünabfällen die mein Mann zur Abfallentsorgung fährt.

  2. puzzleblume sagt:

    Mein Verständnis ist dir gewiss. Mir tun sie immer leid, die Tiere, die versehentlich unter meine Füsse geraten, weil ich sie übersehen habe, und für mich ist es auch nicht seltsam, sich verantwortlich dafür zu fühlen, dass es nicht unnötig lange dauern muss, wenn der Schaden chancenlos zu gross ist.

  3. Sofasophia sagt:

    Das geht mir auch immer so ähnlich. Mich schmerzt sogar, wenn ich ohne Absich, aus Achtlosigkeit, eine Blume zertrete. Seien wir dankbar, solche Empathie empfinden zu können.

  4. Kann auch gut mit dir fühlen, es ist doch manchmal seltsam wie schnell wir Menschen zutreffen_schlagen auf kleine insektenTiere und dann erst registrieren was wir gern haben… Wie so ein doofer Reflex…

    Miss kann so manchen Schädling auch nicht töten, also das wäre ja wirklich richtig bewusst, erst ansammeln und dann töten, eiskalt…
    …geht nicht…

    …mit blauen 🐘 Grüßen

  5. Elvira sagt:

    Als ich ein Kind war, habe ich mir sehr oft vorgestellt, wie ein Riese durch die Straßen geht, mit langen Schritten mühelos über die Häuser steigt und wie er mich, in seinen Augen so klein wie eine Ameise in den meinen, zertreten wird. Bei Waldspaziergängen habe ich immer auf den Weg geachtet, denn dort war ich der Riese, der keine Ameise zertreten wollte. So geht es mir noch heute. Ich hebe jede Schnecke auf, die Gefahr läuft, hastig eilenden oder gleichgültigen Menschen unter die Schuhe zu geraten. Manchmal stelle ich mir dann vor, wie die Schnecke resigniert den Kopf schüttelt, weil sie nun erneut versuchen muss ihr Ziel zu erreichen, von dem sie durch mein Handeln vielleicht entfernter als zuvor ist. Dann muss ich schmunzeln und bin mit meiner Verrücktheit wieder versöhnt.

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