(2017: 340) Das 6. Türchen

Sonderbare Tiere

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Meinen Adventskalender hier widme ich allen, die kämpfen, allen, die krank sind, allen, die Unterstützung benötigen.
 
Ich wünsche all diesen Menschen und mir eine im wahrsten Sinne des Wortes wundervolle Weihnachtszeit. Alle meine Kerzen brennen für all jene, die Hoffnung brauchen.

 

Manfred Blechschmidt kenne ich als den, der viele der lustigen erzgebirgischen Geschichten (auf-)geschrieben hat, die ich schon als Kind und Jugendlicher in den schwer erhältlichen Büchern in erzgebirgischer Mundart verschlang. Ich kannte ja die Sprache, es war meine und ist noch heute meine Sprache, wenn ich in der Heimat bin; und die eine oder andere Schnurre aus meinem bzw. einem Nachbardorf kenne ich ja auch. So ähnlich verhält es sich mit dieser Anekdote hier, die ich als von der buckligen Verwandtschaft erzählte Geschichte kenne, die aber auch in dem Sammelband “Behüt eich fei dos Licht!”, erscheinen im F. Hofmeister Musikverlag Leipzig 1976 auf S. 63 zu finden ist. Manfred Blechschmidt war auch für die Zusammenstellung der Texte und Lieder (inkl. Notenabdruck, daher auch im Musikverlag erschienen) verantwortlich. Der Einfachheit halber erzähle ich die Geschichte in einem halbwegs verständlichen Hochdeutsch.

 

 
Die Dromedare von Paul Preißler
 

Zur Adventszeit kamen ein paar Studenten an die Drehbank des Paul Preißler (der war Reifendreher) im Spielzeugdorf Seiffen. Sie sahen ihm erst eine Weile bei der Arbeit zu, dann sagte einer: “Na, Meister, können sie auf der Maschine alle Tiere herstellen?” “Das möchte wohl sein”, meinte Paul daraufhin. “Kein Zoologischer Garten hat soviele Tiere, wie ich schon gemacht habe.” Die jungen Leute waren zu üblen Scherzen aufelegt und sprachen: “Wenn das so ist, dann machen Sie … Machen Sie doch einfach ein Dromedar?”

Paul spannte ein, die Drehbank schnurrte und die Späne flogen nur so durch die Werkstatt. Als der Paul Preißler den Reifen dann aufspaltete, machten die Studenten lange Gesichter. Tatsächlich! Richtige Dromedare, und nicht etwa zweihöckerige Kamele! “Sagen Sie mal, Meister, machen Sie die Tiere alle aus dem Kopf?” fragte dann einer. Darauf entgenete der Paul Preißler: “Sonst schon! Nur die hier grad nicht, zu denen hatte ich genug Vorlagen hier.” Womit er nichts anderes sagen wollte, als: Ihr schafft es nicht, einen Reifendreher an der Nase herumzuführen.

 

 

Wie gesagt, ich kenne die Geschichte auch vom Erzählen bei der Verwandtschaft in Deutscheinsiedel. Sie fiel mir beim Lesen im oben genannten Buch wieder ein, ich erinnerte mich an den vielen Schnee da oben an der Grenze, und ich sah meinen Großvater in seiner Böttcherwerkstatt von Spänen umwirbelt. Dem hätte ich eine solche Reaktion auch zugetraut. Falls gewünscht, werde ich versuchen, Blechschmidts erzebirgische Variante in den Kommentaren unterzubringen.

 

Euch allen wünsche ich eine Zeit voller glücklicher Momente.

Ich schleiche mich davon und sage Danke für’s Lesen.

 
Wer eine Gelegenheit sucht, zur Weihnachtszeit anderen zu helfen, der kann das täglich 24 Stunden lang bei der Versteigerung von #hand2hand tun. Die Aktion ist eine gute Idee von Meg, ihr und allen Mitwirkenden danke ich dafür.

 

Der Emil

P.S.: Das Gute am 05.12.2017 waren der abgeräumte Schrank im Flur (80% dessen, was darauf lag, wanderte in den Müll), vier gepackte Kartons voller Bücher und: Ich kann die Türen meines Schrankwandbücherteiles wieder öffnen.
 
Die Tageskarte für heute ist III – Die Herrscherin.


Über Der Emil

Not normal. Interested in nearly everything. Wearing black. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler.
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0 Kommentare zu (2017: 340) Das 6. Türchen

  1. Das würde mich wirklich interessieren ob ich das Original lesen und verstehen würde.

  2. Gudrun sagt:

    Über die erzgebirgsche Variante der Geschichte würde ich mich sehr freuen, lieber Emil, denn Weihnachten und die Zeit davor hatte bei mir immer eine Verbindung zum Ergebirge, zu den Liedern und Geschichten und den Bräuchen. (Das Lied vom Rachermannl kann ich immer noch singen.)
    Ich freue mich sehr, dass du deine „alte“ Heimat hier so würdigst und die Geschichten und Bräuche pflegst. Du weißt doch, ich finde das und auch die Dialekte wichtig. 😊


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  3. ursa53 sagt:

    dankedankedanke für die geschichte und das video vom reifendreher
    und der text auf erzgebirgisch interessiert mich auch sehr
    am besten noch vorgelesen von dir 😉
    lg birgit

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  4. Der Emil sagt:

    Hier erstmal anzuhören (schnelle, nicht sehr saubere Aufnahme):

    [soundcloud url="https://api.soundcloud.com/tracks/365988392" params="color=#b37021&auto_play=false&hide_related=false&show_comments=true&show_user=true&show_reposts=false&show_teaser=true&visual=true" width="100%" height="190" iframe="true" /]

  5. Der Emil sagt:

    Ne Preißler-Paul seine Dromedarer

    Do kame e paar Studantle zun Preißler-Paul na dr Drehbank, Se gucket’n erscht e Walle zu, nort saten se: „Hä, Maaster, könne Sie alle Viecher of dan Maschinel machen?“

    „Dos möcht sei“, maanet drauf dr Paul. „Su viel Viecher hot kaa Zoologischer Garten, wie iech se schu gemacht hob.“

    Nu wurn deGunge spitzig un saten: „Wenn dos esu is, nu do machen Se, nu do machen Se doch emol Dromedarer.“

    Dr Paul spannet ei, de Drehbank schnurrt un de Spaa sei gespritzt. Wie dr Preißler-Paul ne Raafen aufgespalten hot, habn die Studantle lange Nosen gezugn. Waß dr Huhle! Richtige Dromedarer, un ebber kaane zweehöckring Kameler!

    „Sogn Se mol, Maaster, machen Se dos Viechzeig alles aus’n Kopp?“ fröget aaner.

    Do sat dr Preißler-Paul drauf: „Sist schu. När die dohierde net, zu danne hatt iech doch soot Vürbilder!“ Wumit er bedeiten wollt: Ihr führt net geleich wieder enn Drachsler an dr Nos rüm!

    Quelle: Siehe oben im Blogartikel.

  6. Gudrun sagt:

    Vielen Dank.

  7. Lieben Dank, Emil. Kannst du auch noch so reden oder nur noch Hochdeutsch?
    Ich finde es wichtig das die einzelnen Dialekte und Gepflogenheiten in den jeweiligen Regionen erhalten und gepflegt werden.
    LG, Nati

  8. Oh,kann ich mir auf dem Handy nicht anhören. Geht es am PC ohne irgend etwas installieren zu müssen?

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