(2017: 341) Das 7. Türchen

Mit Opa im Wald.

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Meinen Adventskalender hier widme ich allen, die kämpfen, allen, die krank sind, allen, die Unterstützung benötigen.
 
Ich wünsche all diesen Menschen und mir eine im wahrsten Sinne des Wortes wundervolle Weihnachtszeit. Meine Kerzen brennen für all jene, die Hoffnung brauchen.

 

 
Die Tierweihnacht
 

Pia freut sich auf den Nachmittag. Sie wird heute mit ihrem Opa nämlich einen kleinen Ausflug unternehmen, naja, eher einen großen. Das hat sie schon im letzten Kindergartenjahr mit ihm gemacht und auch letztes Jahr in der ersten Klasse. Ihr Opa, so erzählt Mama es immer wieder, ist ein richtiger Waldschrat; aber das glaubte Pia noch nie, denn Opa hat nicht so viele Haare wie ein echter Waldschrat. Und daß Waldschrate riesige Bärte und ganz schrecklich lange und verfitzte Haare haben, das weiß Pia aus einem Buch. Seit sie in die Schule geht, kann sie nämlich lesen und holt sich regelmäßig Bücher aus der Bibliothek gleich neben der Schule. Schade nur, daß sie die ganzen schönen Bücher nach kurzer Zeit immer wieder abgeben muß – aber schlimm ist das nicht, denn Pia kann ja andere mit nach Hause nehmen und lesen oder manche auch mehrmals lesen. Das hat sie mit diesem Buch über diesen schrecklich zotteligen und doch ganz netten Waldschrat mit dem seltsamen Namen Elim jedenfalls gemacht. Und aus diesem Buch weiß Pia jetzt, wie ein echter Waldschrat aussieht. Und Opa kann kein Waldschrat sein, denn Opa hat nur noch in paar Haare rings um den Kopf herum, und einen Zottelbart hat Opa auch nicht.

Heute aber wird Opa sie von der Schule abholen und nach dem Mittagessen – es gibt bestimmt wieder Omas Eierkuchen, die sind Pias Liebligsessen – mit ihr einen Handwagen in den Wald ziehen. Im Handwagen liegen sicher wieder eine große Einkaufstüte mit Eicheln und Kastanien, ein Beutel Sonnenblumenkerne, einige Möhren und obenauf ist ein riesengroßer Sack mit Heu festgebunden. Wie gut das immer riecht! So wie im vorigen Jahr werden sie weit in den Wald hineingehen, bis zu einer Futterkrippe für die Rehe und Hasen und vielleicht noch ganz viele andere Tiere, die Pia nicht kennt. In die darf Pia die Eicheln und Kastanien legen und ein paar auch darunter auf den Boden streuen, während Opa das Heu in die Raufe stopft und zwei, drei große Opahände voll neben die Futterkrippe wirft. Die Sonnenblumenkerne kommen in das Vogelfutterhäuschen, die Möhren auf den Boden, denn Hasen sind viel zu klein, um aus der Futterkrippe fressen zu können. Für die muß deshalb von allem etwas auf dem Boden liegen.

Wie schön! Es schneit schon! Gut, daß Mama heute früh darauf bestanden hat, daß Pia unbedingt ihre warmen Wintersachen anzieht. Zuerst hat Pia ja geschmollt, aber jetzt: Wenn es schneit, dann ist Winter, und dann muß Pia auch angezogen sein wie im Winter! Sie will ja nicht frieren, wenn sie mit Opa ein Stück entfernt von der Futter­krippe sitzt und auf die Tiere wartet. Voriges Jahr lag auch schon Schnee im Wald, und da hat es nur eine halbe oder drei Stunden gedauert, bis ein Reh und ein paar Hasen zur Krippe kamen und von den Sachen gefressen haben. Die Vögel waren viel schneller, und es waren ziemlich viele. Pia kannte kaum welche davon. Hoffentllich müssen Opa und sie heute nicht so lange warten, bis sich die Tiere zum Futter getrauen, es ist nämlich trotz der Wintersachen ziemlich kalt, wenn Pia nicht herumhüpfen darf, und das darf sie beim Warten auf die Tieren nicht, sagt Opa, denn herumhüpfende und laute Menschen erschrecken die Tiere. Und dann kommen sie vielleicht nie wieder an die Futterkrippe und müssen sogar Hunger haben. Das wäre sehr traurig. Und deshalb wird Pia auch heute wieder ganz still neben dem Opa auf dem Handwagen sitzen und auf die Tiere warten.

Und wenn die dann da sind, dann wird sie mit Opa zusammen “Fröhliche Weihnachten, ihr Tiere!” flüstern, obwohl es bis Weihnachten noch sooooo lange dauert. Und dann werden sie sich leise und langsam mit dem Handwagen wegschleichen von der Futterkrippe, werden heute auch wieder ihre Spuren im Schnee hinterlassen und rechtzeitig zum Abendessen wieder zuhause bei der Oma sein. Heute Abend, am Abend der Tierweihnacht wird Opa ihr noch ein schönes Märchen vorlesen, und in der Nacht träumt Pia dann von all den Tieren im Wald, die heute an der Futterkrippe Weihnachten feiern.

Ach, endlich ist die Schule aus. Und da draußen steht Opa, und der fragt Pia gleich: “Na, wollen wir heute wieder Weihnachstmann für die Tiere im Wald sein?“ Pia jubelt und hüpft um Opa herum und sagt immer wieder: “Ja. Ja. Heute ist Tierweihnacht im Wald. Und ich freu mich soooo sehr drauf!“

 

 

Euch allen wünsche ich eine Zeit voller glücklicher Momente.

Ich schleiche mich davon und sage Danke für’s Lesen.

 
Wer eine Gelegenheit sucht, zur Weihnachtszeit anderen zu helfen, der kann das täglich 24 Stunden lang bei der Versteigerung von #hand2hand tun. Die Aktion ist eine gute Idee von Meg, ihr und allen Mitwirkenden danke ich dafür.

 

Der Emil

P.S.: Das Gute am 06.12.2017 waren ein überraschender Kurzbesuch, das persönlich überreichte Geschenkeinhorn, der besondere Moment vorm Bahnsteig.
 
Die Tageskarte für heute ist die Königin der Stäbe.

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Über Der Emil

Not normal. Interested in nearly everything. Wearing black. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler.
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0 Kommentare zu (2017: 341) Das 7. Türchen

  1. Arabella sagt:

    Erinnert mich sehr an Lütten Weihnachten von Hans Fallada.


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  2. Eine sehr schöne Geschichte.

  3. lydiaflechl sagt:

    Lieber Emil!
    Zu diesem heutigen Beitrag fällt mir eine Legende ein, die ich am 22. Dezember 2013 in meinen Blog gestellt habe. (TIER Diskussionen) Wenn Du magst, kannst Du sie ja lesen und eventuell kommentieren.
    Viele H`Grüsse und danke für den Adventkalender bei Dir
    Lydia

  4. Danke

  5. ursa53 sagt:

    ach schade – so ein opa geht uns in der familie ab – schöne geschichte <3

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