Erschaffene Szene nach Vorlage.
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Früh am Morgen, so gegen 13.30 Uhr, ging ich zum ersten Mal aus der Schreibwerkstatt hinaus vors Haus, um eine Zigarette zu rauchen. Okay, nicht vors Haus, eher in den (Hinter-)Hof, in dem ich auch die Garage des Nachbarhauses sehen konnte. In einem flachen Ausschnitt unten im Garagentor erschien der Kopf einer getigerten Katze (es kann auch ein kastrierter Kater gewesen sein). Langsam folgte der gesamte Körper des Tieres, das nach der Anstrengung eine Pause machte. Saß eine Weile vor dem Tor, neben dem Loch im Tor und schien die Sonne zu genießen.
Eine zweite Katze – dreifarbig, also muß es eine Katze sein – kam auf demselben Weg durch das DDR-rostschutzbraune Tor und setzte sich daneben. Irgendetwas außer der Färbung und der Größe unterscheidet die beiden Tiere. Ich konnte nicht erkennen, was es ist. So stand und beobachtete ich die Tiere, rauchend, eine halbe Zigarettenlänge lang, bei -2 °C draußen, kurzbehost, im T-Shirt. Ich wurde von beiden Katzen argwöhnisch beäugt.
Ein Vogel landete zwischen den Katzen und mir auf der Wiese, pickte nach irgendetwas. Nicht lang, denn die dreifarbige Katze bückte sich, ging in Angriffsstellung. Der Vogel allerdings entkam schnellen Flügelschlags, kurz bevor Miez tatsächlich lossprang. Der Tiger war nicht in Jagdlaune. Und als die erfolglose Jägerin zurückkehrte vor das Garagentor und langsam an dem anderen Tier vorbeischritt, erhob sich dieses.
Jetzt bemerkte ich, was mich vorhin, vor Sekunden noch unerkannt irritierte: Das getigerte Tier war ein Dreibein, das rechte Hinterbein fehlte vollständig. Wie traurig mir das in diesem Moment erschien! — Dort im Hinterhof aber waren trotzdem einfach nur zwei Katzentiere; und es sah beinahe so aus, als würde sich die gesund erscheinende ein wenig um die dreibeinige kümmern. So wie Freunde es füreinander tun. Immer zum (traurig) hoppelnden Tiger blickend, ging die dreifarbige Katze gemächlich neben ihm her; und zusammen verschwanden sie aus meinem Blickfeld.
Was davon ist nun tatsächlich vor meinen Augen geschehen und was nicht? Habe ich hier nur geschrieben, was ich sah? Oder gehören auch meine Gedanken, meine Interpretationen zum Erlebten, einschließlich der wenigen zur Verbesserung der Dramaturgie eingefügten Elemente? War die zweite Katze wirklich dreifarbig? Habe ich den Vogel erfunden oder meine Zigarette? Oder habe ich alles erlebt und nur in einer Art und Weise (wieder) zusammengeschrieben, wie es nie und nimmer zusammengehörte?
Und war ich gestern vielleicht nur zu faul zum Schreiben und rettete mich in eine kleine Lüge, die ich feigerweise nichteinmal kommentieren ließ? Wer weiß das schon – außer Frank und mir …
Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.
P.S.: Positiv am 27. Februar 2016 waren das Ausprobieren, das Schreiben, das Sprechen und die wunderschöne Stadt.
Tageskarte 2016-02-18: Die Königin der Kelche.
© 2016 – Der Emil. Text unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
(Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).


Wisst ihr das wirklich oder vermischen sich nicht auch bei euch Fiktion und Wirklichkeit?
Auf jeden Fall ist es ein toller Text.
Mit „uns“ meinst Du mich (Der Emil) und mich (Frank)?
Doch, wir wissen, was Tatsachen und was deren Erweiterung sind.
Auf alle Fälle, lieber Emil, wir es bei dir niemals langweilig!
Vielen Dank für ein so schönes Kompliment.
Manches wird immer spannend, unaufgelöst bleiben. Auch hier.
Was ist wirklich wirklich?
Tja … 😉
Vor allem, wenn dann da
Huch. Da hat die Android-App das meiste verschluckt …
Vor allem, wenn dann das Erlebte verarbeitet, verdichtet, vielleicht sogar um Wesentliches und Wesenhaftes ergänzt wird, wegen einer Dramaturgie anders aneinandergereiht wird … Mir ist wichtig, bei aller Be-/Verarbeitung immer ein mögliches, wahrscheinliches, nachvollziehbares Stück „Realität“ zu schaffen.
(Was an Metaphorik noch alles in diesem Text steckt, also was diesen Text in mir und aus mir heraus genau so gemacht hat, wie er jetzt ist: Das allerdings bleibt der Allgemeinheit verborgen.)
Ich lese dann schon ein bisschen was mehr zwischen den metaphorischen Zeilen.