Gedanken über eine unbestimmte Stimmung
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Morgens kurz nach sechs in der Straßenbahn. Der Hals ist eng, als lägen zwei riesige Hände darum, weil die Tränen nicht fließen wollen. Und ich weiß nicht, warum sie nicht fließen oder warum da überhaupt Tränen sind. Den kurzen Anstieg über den steilen Hang – die Abkürzung – nehm ich heute auch nicht, weil die sieben Schritte mir zu anstrengend sind. Ich gehe also einhundertvierundfünfzig Schritte außenherum. Ich habe gezählt, wie weit die Wege sind; doch auch dafür weiß ich kein “warum”.
Als erster Gang dann der zur Kaffeemaschine. Der braune Saft (darf davon noch gesprochen werden in Zeiten von PEgIdA?) muß fließen, wenn ich den Tag schaffen soll. Milch habe ich extra mitgebracht. Und dann? Alles nach und nach einschalten. Die Geräte beim SD, die Studios. Fenster auf im Serverraum, dort sind weit über 20 °C und die Außenluft kühlt preiswert. Lüften überhaupt. Dann, wenn alles soweit geschafft ist und die erste Live-Sendung beginnen könnte, dann wird der eigene Rechner ausgepackt. Die Telefone schweigen noch, alle. Nur ein paar Mails sind schon eingetrudelt, die durchgesehen werden wollen.
Die erste Tasse Kaffee steht vor mir und duftet. Noch immer ist der Hals wie zugeschnürt. Ich habe keine Ahnung, warum das so ist! Es nervt! Endlich hab‘ ich die Rüssel- und Rachenseuche erfolgreich überstanden, da fängt die Heulerei an – okay, es ist bisher nur die Vorstufe, aber angenehm ist auch die nicht. Traurigkeit. Einfach nur Traurigkeit. Woher? Vielleicht bin ich nur überlastet, mental, emotional, sonstwie …
Gegen mittag kommt die Sonne raus. Über 10 °C sind es da draußen, mitten im Januar, also zu der Zeit, da tiefster Winter herrschen sollte. Den vermisse ich. Heftig. Ist das der Grund für die Traurigkeit, der fehlende Winter mit dem fehlenden Schnee? Oder sind es die vielen Pläne, die ich schon für die vergangenen Tage hatte, und von denen ich nur sehr wenige umsetzen konnte? Ach … Wenn wir Menschen nur immer wüßten, woher unser Weltschmerz kommt. Dann wären wir bestimmt nicht weniger unglücklich, wüßten aber wenigstens warum.
Ach, wie hilfreich solche Gedanken sein können …
Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.
P.S.: Positiv am 15. Januar 2015 war das angenommene Konzept, das jetzt zur Richtlinie wird.
Tageskarte 2015-01-16: As der Kelche.
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(Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).


das liegt bestimmt am Wetter ich hab auch ein Tief 😉
lieben Gruß an Dich <3
Danke für diese unmittelbare und authentische Momentteilung.
Ob du weinen konntest, später?
Tut gut. Ich verstehe meine Traurigkeiten auch nicht immer. Liegt vielleicht in ihrer Natur, diese Diskretion?
Nö, konnte ich nicht. Hatte einfach zuviel zu tun — und dann war’s vorbei.
Winter? Muss ich nicht haben. Herbst war jetzt lang genug, jetzt kann der Frühling kommen …
Endlich wieder aufs Motorrad steigen …
Weltschmerz – bei mir helfen Sport und/oder Gespräche. Weinen hilft mir nicht …
Motorrad fuhr ich (als ich es noch tat) auch im Winter.
Mit dem Weltschmerz geht wohl jeder anders um.
Da ist es schon gut, wenn man beschäftigt ist. Denn sonst setzt sich das fest…