Glaubensfrage

Der ideale Gott

To get a Google translation use this link.

 

(Es ist schon seltsam, zu welchen Gedankengängen mich Bücher inspirieren.)

 

Er verlangt kein Opfer, fordert nur die Einhaltung einer einzigen Regel: Tu, was Du willst und schade keiner anderen Person damit. Er läßt mir meinen wirklich freien Willen. Gebete stören ihn nicht, sie sind aber auch nicht notwendig. Der ideale Gott ist ein nichtstrafender Gott – er belobigt und belohnt aber auch nicht. Um an ihn zu glauben, sind keine Rituale oder Bekenntnisse erforderlich. Der ideale Gott verhindert und bewirkt: nichts.

Der ideale Gott würde keinen benötigen, der den Glauben an ihn weiterverbreitet; es gäbe keine Mission und keinen Glaubenskrieg. Keine Institution “Kirche” oder wie auch immer ich das nennen würde, keine Priester, keine besonderen Rechte und keine Tempel, Moscheen, Stupas, Kapellen, Münster, Dome, Klöster … All das ist absolut nicht notwendig für den und nicht gefordert vom idealen Gott.

Der ideale Gott bleibt verborgen, muß nicht gezeigt werden. Er ist da für den, der an ihn glaubt. Auch wenn das außer einer kleinen psychischen Stütze für den Gläubigen keine weiteren Auswirkungen hat. Vielleicht ist für die ganze Welt wirklich egal, ob er existiert: Die Annahme seiner Existenz hat wie die Annahme seiner Nichtexistenz keinerlei Auswirkungen auf das Universum und die Wissenschaft.

Aber wenn es den idealen Gott wirklich geben würde, wer würde an ihn glauben? Wem würde seine Existenz nutzen? Was würde das sichere, bewiesene Wissen um seine Existenz (und Wirkungslosigkeit, s.o.) in der Welt verändern?

 

Oh weh. War das eben Blasphemie? Und ist ein solcher idealer Gott dann nicht überflüssig? Stimmt, es gäbe keine Notwendigkeit für seine Existenz. Und warum sollte ich an ihn glauben? Vielleicht werden die heute üblichen Götter genau deshalb als so unvollkommen, so menschlich, so irreal dargestellt …

Angeregt durch die Lektüre der drei Bände “Die Götterkriege” von Richard Schwartz. Die sieben vorherigen Bände (sechsmal “Das Geheimnis von Askir” und “Die Eule von Askir”) möchte ich jetzt auch noch lesen.

 

Der Emil

Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.

P.S.: Positiv am 4. Juli 2014 war der Abend ohne 25 Bekloppte mit einem einzigen Ball.
 
Tageskarte 2014-07-05: Das As der Kelche.

© 2014 – Der Emil. Text unter der Creative Commons 3.0 Unported Lizenz
CC by-nc-nd Website (Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).

Über Der Emil

Not normal. Interested in nearly everything. Wearing black. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler.
Dieser Beitrag wurde unter 2014, Gedachtes, Geglaubtes, One Post a Day abgelegt und mit , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen für den Permalink.

0 Kommentare zu Glaubensfrage

  1. Ulli sagt:

    Emil … da machst du aber am frühen Morgen ein GROSSES Fass auf 😉
    nein, Blasphemie würde ich das nicht nennen, eher berechtigte Gedanken und Fragen, auf die ich natürlich auch keine Antworten habe, einzig eins glaube ich wirklich, es braucht nicht unbedingt Kirchen und all die anderen Institutionen, um zum einen das Leben das ehren und zu würdigen und zum anderen zu versuchen Gutes zu tun,und das jeden Tag … es sind ethische Werte, die nicht unweigerlich mit einem Gottesglauben verbunden sein müssen …
    mehr geht noch nicht, sitze beim ersten Kaffee und muss auch gleich schon wieder los und in den Töpfen rühren …

    • Der Emil sagt:

      So groß ist das Faß nicht (mehr). In der heutigen Zeit spielt Religion doch nur noch eine Rolle, wenn es um ihre ectremen Auswirkungen geht … Und die Hoffnung wird mir tagtäglich von der Politik, den (Berufs-)Politikern und den „Leit“-Medien verdorben. Die ethik wurde doch schon lange durch Fußball ersetzt 😉

  2. Möglicherweise sind deine Gedanken ja gar nicht so eigenartig. 😉 Und möglicherweise ist Gott eher so, als das was uns von Religionen vorgeschrieben wird.

  3. Karl sagt:

    Das entspricht so ungefähr meinem persönlichen Gott und nicht,wie er wäre, sondern wie er ist.
    Dazu (etwas verkürzt) ein Zitat von Meister Eckart:
    „Daß Gott Gott ist, dafür bin ich die Ursache; wäre ich nicht, so wäre Gott nicht Gott“

    • Der Emil sagt:

      Eckart? Etwas ähnliches hab ich mal bei Berhard von Clarvieux (ob das so geschrieben wird?) gelesen. Doch diesmal waren es Fantasy-Bücher, die mich anregten.

  4. selmataylor sagt:

    Auf die Gefahr hin das ich voll daneben liege…
    Einen Gott der keine Hoffnung schenkt, an den ist wahrhaftig schwer zu glauben. So soll ja dies, mitunter, Schwerpunkt des Glaubens sein. (munkelt man..)
    Doch wenn der „ideale Gott“ als ein Neutron beschrieben wird, muss es ja auch einen „idealen Teufel“ geben, oder?
    Und spätestens da, beißt sich die Katze in den Schwanz!
    Wenn man mich fragt, ist ideal, an alles zu glauben, das Hoffnung und Zuversicht schenkt ob man es nun „Gott“ oder „Schiksal(?) oder wie auch immer nennt!

    *schöner, anregender Beitrag!

    • Der Emil sagt:

      Hmmmmm. Das Konzept „Teufel“ ist ja nur ein „negativer Gott“, ein kleiner Rest Polytheismus im christlichen Lehrgebäude. Der idealöe Gott ist auch der ideale Gott, der im Christentum „Teufel“ genannt wird. (?)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert