Verblaßte Erinnerungen

Funktionierendes Gerät verhindert sie in Zukunft wieder

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Abwasch: √ erledigt.
Küche: √ gereinigt.
Papiere PC-Ecke: √ sortiert.

Zwei Einkaufsklappboxen Erinnerungen habe ich durchgesehen. Alle Photos, vor allem aber alle Negative habe ich heraussortiert. Hunderte von Zetteln, Post- und Ansichtskarten, Visitenkarten, Zeitungsausrissen habe ich gesichtet und gelesen. Zu vielem konnte ich nichts mehr aus meinem Hirn hervorlocken, an vieles konnte ich mich nicht mehr erinnern. Ist das nicht traurig? Ich habe mir sintemalen viel Mühe gegeben, dies alles als Erinnerungshilfe zu behalten, mir mein Leben damit erklärbar zu machen. Und nun? Alles weg?!

Unter anderem fand ich in dem Papierkonvolut auch zwei Notizbücher. Ja, da war mal was, ich hatte eine zeitlang mit der Organisation von Treffen zu tun. Einmal im Monat, oder zweimal im Monat. Und auch die dazugehörige Website pflegte ich eine zeitlang. Aber aktive Erinnerungen sind nur noch an einige Treffen selbst, an vieles, was ich dort an BDSM auslebte und ausprobierte und sah und lernte, vorhanden. Vor allem, weil dazu auch noch Bilder existieren … Und das zweite im Format DIN A4 sollte ein Tagebuch werden: Zwei Wochen, zwei der schlimmsten Wochen meines Lebens sind darin festgehalten. Das zu lesen war starker Tobak, sehr starker Tobak. Nur das große Notizbuch hebe ich weiter auf, die Kladde habe ich in kleine Schnipsel zerrissen. Ohne Schredder dauerte das zwar etwas lang, aber ich bin da sehr eigen. Sehr vorsichtig. Vor allem dann, wenn es um Kontaktdaten usw. anderer Personen geht.

Richtig traurig war und bin ich allerdings darüber, daß ich etwa 30 ungescannte Polaroid-Bilder wergwerfen mußte, weil auf ihnen nichts mehr zu erkennen war. Sie ähnelten alle diesem Beispiel:

 

Polaroid-Reste

 

Seit einiger Zeit steht ja ein Scanner hier, ein etwas älterer Mustek1200 UB Plus. Den wollte ich – weil ich ihn unter W7 nicht zum Laufen brachte – unter einem KNOPPIX nutzen, um ein paar der Photos und Zettel einzuscannen. Aber auch unter LINUX tat sich nichts. Kein Erfolg. Irgendwann allerdings kam mir die Idee, doch einmal die von mir nicht so ganz gemochte Suchmaschine zu benutzen (nein, gockle war es nicht). Und siehe da, endlich gibt es einen Treiber fürs Gerät. Der ist zwar nicht ganz so komfortabel wie ein echter Twain-Treiber, aber ich kann wieder scannen! Endlich.

Schließlich trug ich zwei volle Klappboxen ins Altpapier, entsorgte damit verblaßte Erinnerungen, vergessene Erinnerungen, überflüssige Papierchen, Altpapier einfach. Behalten habe ich die Photos, drei Visitenkarten, einen kleinen Stapel Ansichtskarten und einige Dokumente von Ämtern.

 

Der Emil

Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.

P.S.: Positiv am 22. Juni 2014 waren die erledigten Arbeiten und der funktionierende Scanner.
 
Tageskarte 2014-06-23: Der Bube der Stäbe.

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Über Der Emil

Not normal. Interested in nearly everything. Wearing black. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler.
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0 Kommentare zu Verblaßte Erinnerungen

  1. Myriade sagt:

    Wow, aber diese verblassten Reste eines Fotos schauen doch total faszinierend aus ! Konturen in die man vieles hineindenken kann.

  2. irgendlink sagt:

    Das hat was: nicht zu wissen, welche Bildzeile (oder Erinnerungen) verloren sind, lässt einen das Bild viel neutraler – genießen.

  3. Ulli sagt:

    ein wunderbares Restbild, das von Vergänglichkeit spricht, von Vergessen und vorbei- nein,bestimmt ist nicht alles vergessen, irgendwo schlummern noch Fragmente, die sich zu gegebener Zeit zeigen …
    aber ist nicht Vergangenes, wie Zukünftiges nur eine Art der Spekulation, was WIRKLICH war,das kann man im Nachhinein nicht sagen,nur, wie es für einen selbst im Heute ist …

    herzliche Grüsse Ulli

  4. Amelie sagt:

    Alles schon geschrieben.
    Die Außensicht ist ganz anders, neutraler. Ich kann es nur erahnen, wie es Dir mit den verblassten Erinnerungen geht.

    • Der Emil sagt:

      (Ich finde es ja auch nicht uninteressant, so wie es ist — sonst hätt‘ ich’s kaum hergezeigt. Aaaaaaber:)

      Wenn es nur noch dieses eine verblaßte Polaroid gäbe, wäre ich noch viel trauriger.

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