Sprache ist nicht nur geschrieben
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Wie schrieb ich erst vor zwei Tagen: «Ich habe im Radio bemerkt, daß Sprache extrem akustisch ist.» Mir fiel so nebenher nämlich auf, daß ich – wie viele andere auch – mein Smartphone (“spitzfindige Stimme”) fast ausschließlich zur Kommunikation in Schriftform nutze, für SMS und wie das noch alles heißt. Dabei ist es doch ein Fernsprecher: tele- [τηλε] phone [φωνη]; fern- Ton, Laut, Stimme, Sprache … Und nicht mehr τηλε γραφ [Telegraph].
Und selbst hier, beim Verfassen der Texte für das Blog, vergesse ich den akustischen Aspekt der Sprache immer wieder. Da helfen mir Sprachspiele, wie vorgestern zum Beispiel, auf daß es mir nicht geschehe wie dem Sprecher in einem öffentlich-rechtlichen Radiosender, der hörbar um “political correctness” bemüht war und das Binnen-I der “gendergerechten Sprache” überdeutlich betonte. Im Beitrag klang das wie “Professor, innen”, “Student, innen” und “Politiker, innen”. Ja, die durch die Kommata verdeutlichten deutlichen Sprechpausen waren deutlich zu erkennen! Ich fragte mich sogleich, ob dann z B. “Richter, außen” oder “Soldat, außen” die entsprechende Person im Einsatz außerhalb eines Gebäudes oder Landes oder nur deren Körperoberfläche meinten …
Und nochetwas zur Akustik der Sprache: Es klingt oft schon erstaunlich, wenn ich eigene Texte selbst laut lese. Eigene Texte zu hören, ohne den Text selbst zu sehen, ist manchmal sehr überraschend. Eigene Texte von fremden Stimmen gelesen sind … sind wie … sind wie …
Schonwieder stelle ich mir (und euch) sonderbare Fragen: Wie haltet ihr, wie halten andere Schreibende (Sofasophia? Mme. Contraire? Frl. Krise? Colorsigns? Frau Freitag? u.a.m) es mit dem akustischen Eindruck, der akustischen Wirkung des Geschriebenen? Wollen sie es erfahren, erhören? Ist es egal, wie ein Text klingt (bei Gedichten sicher weniger als bei Prosatexten – oder irre ich hier)? Wie war “das erste Mal”?
Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.
P.S.: Positiv am 18. Juni 2014 waren der ruhige Morgen und die Begegnung im Radio.
Tageskarte 2014-06-19: Die Zwei der Schwerter.
© 2014 – Der Emil. Text unter der Creative Commons 3.0 Unported Lizenz
(Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).


ich lese mir manchmal aus meinem wachsenden roman vor, ob das geschriebene “sitzt”. nur was auch beim lautlesen überzeugt, lasse ich stehen. bei blogartikeln bin ich weniger streng mit mir. dass jemand einen text von mir vorgelesen hat, habe ich noch nie erlebt. muss ich mal probieren … 🙂
manchmal kann ich mir mit memofunktion etwas diktieren, dass ich nachher genauso schreiben will. wenn es nicht nur ums thema, sondern um den genauen wortlaut geht, um die “melodie”. so richtig darüber nachgedacht habe ich noch nie, das war bisher eher was “intuitives”. danke für die denkanregung!
Ein Roman … Für mich unvortsellbar, soetwas zu schaffen, gar nur in Angriff zu nehmen.
Intuition ist auch bei mir wichtig. Aber: Sprache. Sprechen. Gesprochen. Gelesen. LAUT! LAUTSTARK!
Bin ich gerade dabei, Dada für mich zu entdecken, zu erhören?
soundcloudest du – fürs blog? wär toll!!!!
Ja doch – hast den Babylon-Soundcloud nicht gesehen?
schon ne weile her? dann ja. 🙂
http://soundcloud.com/der-emil
ne, kannte ich nicht. klasse!!!! danke und gutnacht!!
Es ist ja nicht nur das Akustische, sondern auch das stumme Geschriebene. Danke, habe gerade laut vor mich hin gelacht!:-) Das Binnen-I ist wirklich skuril und es ist gut, dass mal jemand (oh, da steckt ein „man“ drin) diese Frage aufgeworfen hat! :.)
Zu früh abgeschickt, ich wollte noch sagen, dass ich es gut finde, dass du die Frage „nach dem Außen-I“ gestellt hast! Lach!