Egozentrum

Die Mitte meiner Ich

Die Überschrift enthält KEINEN Schreibfehler!

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Da ist also der Beginn des Jahres geschafft. Die ersten sechs Tage waren hier in Sachsen-Anhalt beinahe wie Urlaub. Feiertage am ersten und sechsten Januar, Wochenende am vierten und fünften Januar. Es waren nur zwei reguläre Arbeitstage am zweiten und dritten, am Donnerstag und Freitag. Wie die meisten Leserinnen und Leser wissen, habe ich allerdings keine Arbeit, keine Lohnarbeit zumindest. So waren die Tage für mich wirklich wie Urlaub. Dazu kommt noch, daß mir in diesen Tagen so viel Lob, Anerkennung, Freundlichkeit entgegengebracht wurde wie schon lange nichtmehr. Es war und ist so viel, daß ich ins Zweifeln kam und komme: Wo ist die versteckte Kamera? Wo ist der Haken? Was ist der Preis dafür?

So viel Gutes. Womit ich nie umgehen konnte und noch nicht so richtig umgehen kann. Langsam mußte ich mich daran gewöhnen, daß ich doch etwas wert bin. Daran, daß ich gelobt werde. Nach etwa zehn Jahren, in denen ich mir einredete – nein, in denen mir meine Krankheiten einredeten, daß mich noch nie jemand mochte, noch nie jemand lobte. Klar, ich wußte immer, daß ich doch gelobt wurde, geliebt wurde, gemocht wurde; aber das konnte ich nicht glauben, das mußten verfälschte Erinnerungen sein, denn ich war ja ein Nichts und ein Niemand. Heute weiß ich, daß es genau andersrum war: Die Wertlosigkeit war Lüge, die ich mir als erlebte Wahrheit vorgaukelte und die sogar die einzig mögliche Vergangenheit gewesen sein konnte.

Und jetzt wieder die Zweifel. Ich habe sie im Griff, laß sie nicht überhand gewinnen; ich halte sie klein und wiederhole meine Wertvoll-Mantras. Ich sitze über meinen Blogs und meinen Kladden (soweit ich überhaupt Zeit dafür hatte, denn es ist mir noch etwas anderes erfreuliches geschehen über den Jahreswechsel) und sichte Texte, Textideen, Entwürfe, Fragmente. Auf dem Rechner bilde ich “Haufen”: Zweimal Muß. Zweimal Brauchbar (Korrigieren). Eventuell (Überarbeiten). Lyrik. Was nicht darinnen landet, ist im Moment weit entfernt von dem Anspruch, den wir an jeweils uns selbst und jeweils an den Anderen und an unsere Schreiberei habem. Und jedesmal sehe ich die Kommentare, diese Schreibereien loben, die wir hier verzapft haben.

Wieso plötzlich wir? Der Emil. Also ich, mein zweites ich. Nein, den habe ich nicht (zumindest nicht nur) aus der Depression haraus geschaffen. Ich bin damit mehr Ich, als ich es als Frank jemals war, bin damit nicht mehr so streng an meine Herkunftsfamilie gebunden, freier im Umgang mit der Vergangenheit “DDR” usw. usf. Ich stelle mich ja auch außerhalb des Internets vor mit:“Hallo, ich bin Der Emil.” Aber ich verstecke meinen Nichtkünstlernamen nicht mehr so perfekt bzw. kaum mehr und habe ja auch Texte aus der Zeit hier, in der ich (noch) nicht (nur) Der Emil war.

Der Waldschrat bleibt sowieso ZBV. Die weihnachtlichen Geschichten bilden ein Konvolut, der Rest ein zweites Sammelsurium. Ich greife mir gerade an den Kopf, kann es selbst nicht glauben, daß ich wirklich damit anfange, die Texte zu sortieren. Eure Einflüsterungen tragen erste Früchte, auch die ernsten Hinweise von Menschen, die beruflich auf verschiedenste Weise mit Literatur verbunden waren und sind. Nebenher denke ich darüber nach, welchen Namen ich nutzen möchte, welchen ich nutzen sollte. Für manche wäre diese Frage wohl eine der letzten zu beantwortenden Fragen, für mich steht sie am Anfang der Arbeit. Denn wenn ich es echt bedenke, so ist das nicht nur die Frage nach dem Namen, sondern die Frage “wer bin ich” – oder wer von uns beiden ist mehr ich: Der Emil? Frank? Ich bin beide, kann nicht mehr nur ausschließlich einer von beiden sein. “Ich habe die Texte geschrieben”, sagt Der Emil. “Gegenüber den Ämtern bin ich verantwortlich, und einige wenige Texte sind noch von mir”, meint der Andere.

Während ich mich noch mit mir streite, sortiere ich mal weiter. Und genieße das Gute, das mir gerade zugedacht wird und ist.

 

Der Emil

Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.

P.S.: Positiv am 6. Januar 2014 waren das Aufwachen und eine kleine Verrücktheit am Abend.
 
Tageskarte 2014-01-07: Königin der Schwerter.

© 2014 – Der Emil. Text unter der Creative Commons 3.0 Unported Lizenz
CC by-nc-nd Website (Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).

Über Der Emil

Not normal. Interested in nearly everything. Wearing black. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler.
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0 Kommentare zu Egozentrum

  1. Tja dann nochmal nachträglich einen guten Jahresneuanfang und viel Glück im neuen Jahr an euch BEIDE! 😀

  2. Sofasophia sagt:

    da möchte ich grad am liebsten tausend sachen zu sagen, fragen, nachhaken.
    vielleicht mail ich noch. einstweilen dies: JA, wie schön, dass es dir so gut geht und ich freu mich mit dir!

  3. Ich freue mich – für Dich und mit Dir 🙂

  4. Ulli sagt:

    Lieber Emil, lieber Frank, ich wusste bislang nicht, dass Emil dein Pseudonym ist, ich mag den Namen sehr, mein Vater und sein Vater hießen ebenfalls so, und beide waren wichtige Männer in meinem Leben, sie sind nur viel zu früh aus meinem Leben verschwunden.
    Du sprichst hier so vieles an, was mir sehr bekannt vorkommt, dass ich gar nicht auf alles eingehen kann, aber eins davon möchte ich mit dir teilen und das ist ein Satz meiner Lehrerin: es nutzt niemanden etwas, wenn du dich klein machst … ich denke oft an diesen Satz, besonders dann, wenn ich mal wieder gerade so unter den Teppich passe …

    ich freue mich für dich und auch, dass du zwischen den Jahren etwas Schönes erlebt hast, was mich natürlich unsäglich neugierig macht – lach …

    liebe Grüße
    Ulli

    • Der Emil sagt:

      Bleib bitte bei Emil, das ist mir lieber und gewohnter. 😉

      Selbst als ich ganz unten im Loch saß, habe ich solche Sätze zuhauf gekannt – und doch konnte ich keinen davon ernstnehmen, denn „… außer vielleicht mir, weil ich dann nicht auffalle. Aber es bringt überhaupt nichts, wenn ich mich groß mache oder mich nicht klein mache …“ Jetzt, jetzt kann ich Dir danken für diesen Satz

      • Ulli sagt:

        das ist wahr, wenn ich im Tunnel hocke, nutzen mir keine noch so gut gemeinten oder wahren Sätze etwas, sie machen mich manchmal sogar ärgerlich oder lassen mich zynisch werden …

        nun aber freue ich mich, dass du den Satz annehmen konntest, und ja, ich bleibe total gerne bei Emil …

  5. Gudrun sagt:

    Lieber Emil, !ieber Frank,
    es hat sich eine Menge getan in deinem Leben, im letzten Jahr, in der letzten Zeit. Erfreuliches. Und weißt du was? Mich freut es ungemein.
    Gruß von nebenan.

    • Der Emil sagt:

      Laß mich Der Emil bleiben. Ja, es tut sich was. Nur was genau? Unbekanntes, Unsicherheit, Ungewißheit … Ganz großes Kino.

      Aber ja, ich merke es selbst, daß sich was tut, und ich wehre mich nicht (mehr so heftig) dagegen.

  6. Livia sagt:

    Leben wie man(n) wahr, ist und sein möchte ist ein Kampf, alles ist wichtig! Man(n) darf sich nicht verlieren und mussan an sich glauben! Ich wünsche dir alles Gute, zweifle nicht so viel! Geniese irgentwie jeden Moment auch wenn es manchmal nicht leicht ist, und du in der Grössten Scheisse sitzt!

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